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Gentz ; Pilat, Joseph Anton von
An Joseph Anton von Pilat, Wien, 7./8. Oktober 1819, Wienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 223.887 1819

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id813
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Pilat, Joseph Anton von
AusstellungsortWien
Datum7./8. Oktober 1819
Handschriftl. ÜberlieferungWienbibliothek im Rathaus, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 223.887
Format/Umfang2 Bl., F: 231mm x 188mm; 3 ½ eighd. beschr. Seiten
DruckorteGentz-Briefe an Pilat, II, 417-418
IncipitIch bedaure daß ich Ihr Urteil
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Joseph Anton von Pilat Wien, 7./8. Oktober 1819 Donnerstag Abends. Ich bedaure daß ich Ihr Urteil über den neusten Artikel Ihres Freundes Etienne nicht theilen kan. So anmaßend und so frivol zugleich, ist für einen Fremden zu viel. Seine Verfolgung gegen die Doctrinaires ist eine Art von Idée fixe, und daß Destrut-Tracy, dessen Nahmen kaum zehn Menschen in Deutschland je gehört haben, auf einmal alles Unheil stiften soll, ist läppisch, und wird, ohne Unterlaß wiederholt, eckelhaft. - Wie kömmt aber dieser superkluge Mann dazu, all seine frostigen Spöttereyen mit der Versicherung zu beschließen, die Wahlen seyen durchaus in keinem feindlichen Sinne gegen die Regierung und g e g e n die l i b e r a l e M o n a r c h i e ? - Nein ! Ihr Freund mag ein guter Polizey-Commissär, auch kein ganz schlechter Neuigkeitshändler seyn; aber für seine politischen Ansichten gebe ich keinen Heller. Es wird mir leid thun, jenen Artikel // im Beobachter zu sehen, in mehr als Einer Rücksicht leid; doch meine Protestation kömmt sicher zu spät, wenn sie auch sonst etwa geachtet worden wäre. Uebrigens bin ich s e h r d a f ü r, daß man diesen Etienne zum Correspondenten für den Beobachter, selbst auf sehr gute Bedingungen, engagire, nur unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß wir bloß seinen Stoff annehmen, seine Artikel aber (die nicht einmal gut geschrieben sind) ganz nach Wohlgefallen umarbeiten dürfen. Lord Stewart hat gestern über die Artikel E n g l a n d im Beobachter hart geklagt. Der Fürst wird Ihnen wohl davon sprechen. Ganz Unrecht hat Stewart [hat] vielleicht nicht; wenn i c h Englischer Botschafter i n W i e n wäre, würde ich auch klagen. Was aber u n s r e Politik unter den jetzigen Umständen gebietet, darüber bin ich mit mir selbst nicht mehr einig. Wirken die Nachrichten von den Volks-Tumulten in England auf unsre Revolutionärs mehr e r m u n t e r n d, als Beyspiele gelungnen Frevels, oder mehr b e s c h ä m e n d, als Proben, wohin das Ueber//maß der regellosen Freiheit führt ? - Das ist die Frage die w i r entscheiden müßen. - In jedem Fall wäre es wohl gut, bey dergleichen Artikeln stets die Quelle zu bemerken, weil darauf allerdings viel ankömmt. Stewart beschuldigt den Beobachter, seine Nachrichten über England immer aus den Französischen Blättern zu nehmen. Wir haben dies nicht aufkommen laßen, überdies aber ihn versichert, daß die anständigen Französischen Blätter in der letzten Zeit oft nicht die Hälfte der Greuel gegeben hätten, von welchen die Englischen (mit e i n z i g e r Ausnahme des Couriers) überflössen. - Ich benachrichtige Sie von dieser Sache, die wahrscheinlich jetzt oft zur Sprache kommen wird. Freytag früh. Ich werde heute nicht ausfahren, weil das Wetter so sehr schlecht ist, und ich mich ohnehin nicht recht wohl fühle. - Haben Sie vielleicht während meiner Abwesenheit einige Stücke des Edinburg Review und Quarterly Review die mir abgehen, zu Sich genommen ? // Der Artikel Médiations im Conservateur von Ch. N. (ich vermuthe Charles Nodier)* ist sehr schön geschrieben so daß Chateaubriand ihn nicht verleugnen dürfte. Am Schluß ist eine Stelle, in der ein tiefer Sinn liegt: Un autre Titan, coupable, comme lui, d' a v o i r c o n s e r v é la civilisation par des m o y e n s r é p r o u v é s d u c i e l, expioit son sacrilège**. Morgen gedenke ich einen großen Theil des Tages in der Stadt zuzubringen. Gentz H: Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Wien. Handschriftensammlung, Inv.-Nr. 223.887. 2 Bl., F: 231mm x 188mm; 3 ½ eighd. beschr. Seiten. D: Gentz-Briefe an Pilat, II, 417-418. * Ch. N., Médiations, in: Le Conservateur 4 (1819), 600-606. ** Das genaue Zitat lautet: "un autre Titan, coupable comme lui d'avoir conservé la civilisation au-delà de son terme, par des moyens réprouvés du ciel, expioit son sacrilège", ebda, 606.
 
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