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Schlesier, Gustav ; Prokesch-Osten, Anton von
Gustav Schlesier an Anton von Prokesch-Osten, Stuttgart, 27. März 1840, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton [?], Bl. 14-15v 1840

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id751
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Schlesier, Gustav
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationStuttgart
Date27. März 1840
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton [?], Bl. 14-15v
Size/Extent of item3 ½ eighd. beschr. Seiten
IncipitErlauben Sie, daß ich hinfort recht
Type of letterBriefe Dritter
Digital item: TextGustav Schlesier an Anton von Prokesch-Osten Stuttgart, 27. März 1840 Stuttgart, den 27 März 1840. Ew. Excellenz ! Hochverehrtester Herr und Gönner. Erlauben Sie, daß ich hinfort recht vom Herzen und ohne Umschweif zu Ihnen rede. Denn Worte fände ich doch nicht, um für diese abermalige Sendung, diese huldvolle Güte, dieses große Vertrauen den Dank, wie ich möchte, darzubringen. Ich bin ganz gerührt von Ihrer Freigebigkeit - ich verstehe es ganz, wenn Sie sagen, es habe Sie einige Überwindung gekostet, diese Sachen, mühsam gesammelt, nicht selbst zu redigiren und in die Welt zu schicken. Empfangen Sie also nur die Zusicherung vollster Ergebenheit und tiefgefühlten Dankes. Sie können sich wohl die Freude denken, die mich durchzuckte, als ich diesen Schatz - ich erhielt ihn vorgestern von Hallberger - flüchtig musterte, um mindestens einen Überblick zu bekommen und Ihnen leidlich zureichende Antwort schreiben zu können. Trümmer sind es allerdings, aber was für Trümmer und welches Geistes ! Ich werde alles thun, was in meinen Kräften steht, um Ihnen mit der Publication Freude zu machen. Ihre Anweisungen werden höchlichst in Ehren gehalten. Deshalb gestatten Sie aber auch, daß ich einige dahin bezügliche Bemerkungen, die hoffentlich Ihre Zustimmung finden, beifüge. 1. Ich wünschte nicht etwas im Text der Gentzischen Manuskripte verändert geben zu müssen. Da ich aber den Grund dieser Correkturen vollkommen einsehe, so gestatten Sie mir an allen solchen Stellen einfach ein paar Striche zu machen, aber nichts an die Stelle des Gestrichenen zu setzen. Ihre Absicht, Verehrtester, wird vollkommen erreicht, wenn Sie hier das, was mir als thunlich [xxx] <erschien>, acceptiren. Im Briefe von Brinckmann lasse ich entweder eine größere Lücke oder nehme Ihre Änderung unbedingt auf. - 2. Unter Originalien verstehe ich alle Aufsätze und Briefe, die Gentz oder der betreffende Briefsteller mit eigener Hand geschrieben oder unterzeichnet haben. Alles Andere sehe ich als Copie an, die Sie mir überlassen wollen, sei es nun, daß sich Gentz oder irgend wer oder Sie zuletzt die Abschrift fertigen ließen. - 3. Ich werde die Originalien sobald wie möglich zurückschicken, einen guten Theil also gewiß nach der nächsten Publikation, wo ich dann das, wovon ich außerdem inzwischen genaue Abschrift zu nehmen im // Stande war, sofort beilegen werde. Mit dem Rest müssen Sie dann gütigst auf einen spätern Termin Geduld haben. Es vergehn Jahre, ehe ich Alles bewältigen und gar publiciren kann. Auch buchhändlerisch geht es nicht so auf einmal; die Welt will auch das Beste nur schluckweis. Es versteht sich von selbst, daß nicht alle Stücke, die Excellenz mir bisher gesendet, zur Öffentlichkeit kommen müssen. Vieles ist nur von dem Herausgeber, oder in biographischen Abschnitten, oder im Auszug zu benutzen. Anderes kann, aus Rücksicht auf Lebende, erst in späterer Zeit mitgetheilt werden. Es bleibt ja außerordentlich viel in jedem Bezug für meine Sammlung Geeignetes übrig. Meinem Gefühl nach muß zur Ehre Ihres, ich wünschte sagen zu dürfen, unseres Freundes das Unerhebliche immer dem Gewichtigen weichen; ich habe dabei überdem noch meine besonderen Rücksichten, die nur den Vortheil unseres Gentz im Auge haben und besonders dem liberalen Pöbel Waffen zu entziehen suchen, nach denen er so abscheulich umhersucht. Dabei bin ich aber doch nicht zu ängstlich, und schmeichle mir, daß Sie dereinst mit meinem Takt einigermaßen zufrieden sein werden. Sie vergeben, wenn ich heute auf die herrlichen Einzelheiten der Sammlung nicht eingehe. Nur einen kleinen Theil davon konnte ich bis jetzt näher betrachten. Sehr Vieles werd' ich mir selbst copiren, um es gar nicht aus der Hand zu lassen. Auch auf den Fall meines nicht zu hoffenden unzeitigen Todes - ich werde Gott sei Dank heuer erst 30 Jahr alt - werd' ich, wenn es nur irgend noch vergönnt ist, Anstalt treffen, daß die Papiere, die zu Ihnen zurückkehren sollen, als solche b e z e i c h n e t sind. Nun eine Bitte, wenn es <schon> höchlichst unbescheiden erscheinen mag, noch Anliegen gegen Sie laut werden zu lassen. Sie sagen* mir, es fänden sich zu Wien in Privathänden Aufsätze unseres Freundes, wohl auch Correspondenzen, die aber gekauft werden müßten; Sie nennen sogar einige Stücke. Gerade an den genannten liegt mir gleich a u ß e r o r d e n t l i c h v i e l. Ich bitte Sie angelegentlich, verschaffen Sie mir diese; und zwar ohne daß ich Ihnen carte blanche Seiten des Verlegers offerire. Dieser Letztere ist ein ordentlicher Mensch, aber seine Mittel sind gering; er kann sich nicht in große Auslagen stecken. Auch ist das kaufende Publicum hier immer nur ein gewählteres, kleines. Mir giebt er in Bausch und Bogen für jeden Theil ein mäßiges, aber zulängliches Entschädigungshonorar. Dagegen sorge ich für Alles und behalte den Besitz. Da das Denkmal hauptsächlich die Erinnerung an Gentz a l s d e u t s c h e n S c h r i f t s t e l l e r erneuern sollte, der Verleger nicht viel auf einmal, besonders jetzt // nach stockenden Buchhandelsjahren übernehmen kann, und der Druck französischer Sachen bei der Ortsentfernung große Schwierigkeiten hat, so habe ich mich schon entschlossen, neben der Fortsetzung der deutschen eine eigene Sammlung französischer Schriften - Pièces inédits de Frédéric Gentz, ungefähr - in ein paar abgesonderten Bänden und zwar womöglich hier Orts erscheinen zu lassen. Ich allein könnte Ihnen also zum Ankauf die genannten Stücke (1. des Journals aus dem preußischen Hauptquartier, ganz von Gentz' Hand geschrieben, 2. Sur les moyens d'une pacification générale Juli 1806. 3. Über die Mittel, die Oesterreich zu Gebote stehen, Deutschland vom französischen Joche zu befreien) Vollmacht geben, und ich thue dies hiermit wirklich, sofern es nicht anders angeht (definitive Antwort würde ich außerdem Ew. Excellenz umgehend geben). Mir liegt alles daran, gerade als Ergänzung meiner nächsten Publikationen. Wenn ich bedenke, daß der Inhalt des Journals vor dem Kriege von 1806 im Wesentlichen schon bekannt ist und no. 2 nur Projekt blieb, so denk' ich, daß höchstens 20 Louisd'or hinreichen müssen, alle 3 Piecen von Privaten aufzukaufen, und zwar wo möglich den vollen Besitz. Bei no. 1. (dem Journal von Gentz' Hand) w ü n s c h t e ich Letzteres zur Bedingung zu machen, um ein solches Andenken von seiner eigenen Hand für immer zu besitzen. Wofern Sie mit dieser [Sammlung] <Vollmacht> nicht ausreichen, so kaufen Sie gefälligst (wenn es nur nicht übermäßig hoch gehalten wird) zuerst das Journal von 1806 aus dem Hauptquartier, dann wenn obige Summe noch dazu reicht, sur les moyens etc. von 1806. Von dem Übrigen haben Sie wohl die Güte, mir Inhalt, Umfang und Preis näher erfahren zu lassen und Gleiches bei möglich weitern Vorkommnissen, wo Sie nicht versichert sind, daß ich die Kaufsumme ohne allen Anstand zu übernehmen im Stande bin oder für so wohlfeilen Ankauf eines Einzelstückes noch überaus dankbar sein muß. Wer würde Ihnen sich nicht gern anvertrauen ? Ich weiß, wieviel Sie für mich und die Sache gethan haben. Schicken Sie mir also gütigst, was Sie von obigen Stücken bekommen können, so bald wie möglich und sichern Weges. Ziehen Sie zu gleicher Zeit einen Wechsel auf mich an ein hiesiges Banquierhaus, etwa 6 oder 8 Wochen nach Sicht, den ich dann sogleich acceptiren und seiner Zeit einlösen werde. Sie dürfen versichert sein, daß, wenn meine Verhältnisse es nur irgend erlaubten, Ew. Excellenz ganz unbedingt carte blanche geben zu dürfen, mir ein besonderes Vergnügen gewähren würde. Endlich, um Ihnen Punkt für Punkt zu folgen, komme ich auf die beiden umfassenden Werke, die Sie selbst herauszugeben gedenken. Ich bekenne Ihnen offen, daß mir diese Mittheilung ganz vorzügliche Freude macht und daß ich es äußerst willkommen heiße, wenn auch Sie sich entschließen, etwas zur // Ehre unseres Gentz aus dessen Nachlass <selbst> herauszugeben. Die Wichtigkeit des ersten, des Revolutionstagebuches, läßt sich nicht bezweifeln. Und bei dem zweiten wünscht' ich nur zu wissen, ob es mehr darstellend die Hauptzüge des Fortganges der Begebenheit behandelt, oder nur raisonnirend. Das letztere wünschte ich um so mehr zu wissen, als Sie mir die Ehre anthun, von mir eine Meinung über das W i e der Publikation anhören zu wollen. Bis heute hatte ich ohnehin nicht die Zeit, eine so wichtige Angelegenheit, an der ich Theil nehme, als wenn sie meine eigene wäre, geziemend zu überdenken. Gestatten Sie, daß ich Ihnen später meine Ansichten und Vorschläge darüber ausführlich vortrage. Die Fortsetzung des Gentz habe ich mir nicht unterstanden an den Fürsten Staatskanzler zu senden. Und jetzt empfangen Sie ein recht herzliches Lebewohl und genehmigen Sie, daß ich mit den innigsten Wünschen zu Ihrem Glück und Wohl den Ausdruck der tiefsten Hochachtung und Ergebenheit verknüpfe, in denen ich verharre Ew. Excellenz ganz gehorsamer G. Schlesier. * Ihren Brief vom 14ten erhielt' ich einige Tage vor der Sendung H: HHStA, Wien. Nachlaß Prokesch-Osten, Karton , Bl. 14-15v. x Bl., F: ; 3 ½ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.