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Gentz ; Ottenfels-Gschwind, Franz von
An Franz von Ottenfels-Gschwind, Wien, 19. Februar 1825, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1825.g., Bl. 29-32 1825

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id5121
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Ottenfels-Gschwind, Franz von
AusstellungsortWien
Datum19. Februar 1825
Handschriftl. ÜberlieferungHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1825.g., Bl. 29-32
Format/Umfang6 ½ eighd. beschr. Seiten
IncipitEs schmerzt mich, aus Ihrem
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Franz von Ottenfels-Gschwind Wien, 19. Februar 1825 Wien den 19 Februar 1825 Es schmerzt mich, aus Ihrem gütigen Schreiben vom 25 v. M. zu vernehmen, daß Sie Sich in einem leidenden Zustande befanden, und zu einem fatalen Mittel Ihre Zuflucht nehmen mußten. Aber hätten denn Blutigel nicht dieselbe Wirkung gethan ? Und ist das Haarseil nicht etwa ein Ueberrest alter, den dortigen Aerzten noch anklebender, Pedanterey ? Daß die Landung auf Morea nicht Statt gehabt hat, und die Oppositions-Partey ganz geschlagen zu seyn scheint, ist freylich nicht angenehm. Indessen kömmt heute auf alle diese vorübergehende Vorfälle wenig, auf den Gang der Hauptsache hingegen - die bevorstehende Intervention - alles an. Die Pforte hat es durchaus in ihrer Gewalt - dies ist meine feste Ueberzeugung - der Insurrection jetzt eine entscheidende Wendung zu geben, zu ihrem eignen Heil, oder zu ihrem eignen Verderben, je nachdem sie sich benehmen // wird. Ich muß es unabläßig wiederholen, daß der Sultan und seine Minister d a s b e s t e S p i e l haben, wenn sie nur den großen Entschluß fassen können, gegen die Höfe mit einiger Klugheit und s c h e i n b a r e r Selbstverleugnung und Gelehrigkeit zu verfahren. Sapere anda ! sollte man diesen Leuten fort und fort in die Ohren schreyen. Nimmt ihre Sache eine schlechte Wendung, so ist es von nun an ausschließend i h r e Schuld. Wenn sie nur mit halber Geschicklichkeit zu Werke gehen, so können sie die Mächte z w i n g e n, wenigstens de facto ihre Alliirten in dem Kampf mit den Griechen zu werden; verwandeln sie sich zuletzt in ihre Gegner, so hat die Pforte es g e w o l l t. Ich weiß nicht, ob Sie überhaupt von der Antwort, die Canning den Griechen gegeben hat, Kenntniß haben, und schicke Ihnen also auf gut Glück dies doch immer sehr wichtige Aktenstück. Auf die Richtigkeit und Treue der von mir selbst sorgfältig abgefaßten Uebersetzung des Englischen Originals können Sie sicher bauen. Ich sehe aus den Depeschen des Turner, daß dieser Patron // sich in großer Verlegenheit befindet, welche die kurzen, trocknen, ungenügenden Instructionen seines Chefs noch gewaltig vermehrt zu haben scheinen. Stratford Canning ist am 29 zu Petersburg angekommen. Am 30ten hat ihn Nesselrode empfangen; bey diesem Besuch aber ist nicht ein einziges Wort über irgend ein Geschäft gesagt worden. Nesselrode war vorher entschlossen kein Gespräch anzufangen; und da der Engländer wahrscheinlich nicht wußte, wie e r eine Initiative nehmen sollte, so trennte man sich unverrichteter Sache. - Gordon, der vor 8 Tagen nach Wien zurückgekehrt ist, versichert, Canning sey über die kalte und schneidende Antwort des Kaysers von Rußland im höchsten Grade betreten; und er glaubt sogar, daß eine Modification der Stratfordschen Instructionen Statt finden, daß ihm erlaubt werden mögte, unter gewissen Bedingungen an den Conferenzen Theil zu nehmen. Bey seiner Ankunft in Petersburg muß nun Stratford eine solche veränderte Weisung n i c h t vorgefunden haben, weil er sich sonst wohl anders gegen Nesselrode benommen hätte. Sollte er sie später erhalten, so ist dann noch erst die Frage // ob die andern Höfe sich dieses verspätete Einlenken werden gefallen laßen. Unser Fürst ist sehr geneigt, nach allem was geschehen ist, England in dieser Sache die Thür zu verschließen, und hat auch in demselben Sinne nach Petersburg geschrieben. Ich weiß nicht ob Ihnen der Fürst heute einen Aufsatz sur les partis qui divisent actuellement la Grèce, zuschicken wird. Wenn dies nicht geschieht, so erhalten Sie denselben sicher durch den nächsten Courier. Sie werden ihn mit Interesse lesen. Unsre hiesigen Reise-Projekte haben wieder einige Abänderungen erfahren. Der Kayser s c h e i n t nun erst nach den Osterfeyertagen abreisen zu wollen. Ich sage, s c h e i n t; denn nie hat wohl über einen Plan dieser Art, mehr Unsicherheit, Unentschlossenheit, und Verschiedenheit der Ansichten obgewaltet. Viele in der Gesellschaft und im corps diplomatique glauben heute noch steif und fest, die Reise werde gar nicht zu Stande kommen. Dies ist bestimmt ein grober Irrthum. Es sind wirklich bereits über 100 // Hof-Pferde von hier abgegangen. Der Kayser hat den neuen König von Neapel nach Mayland eingeladen, dem Könige von Sardinien einen Besuch in Genua versprochen. Es wird gar nicht an Aufgeben der Reise gedacht. Die Zweifel über den eigentlichen Termin hatten ihren Grund hauptsächlich in dem Vorhaben, einen Ungarischen Landtag i m J u n y zu Preßburg zu versammeln. Diesen will man nun (denn ausgesprochen ist es freylich auch noch nicht) auf den Herbst verschieben. Mithin kan der Kayser recht gut bis zu Anfang des April hier bleiben. Doch behaupten wieder einige, er habe die Absicht, die Charwoche in Inspruck zuzubringen. Videbimus. Der Fürst tritt i n j e d e m F a l l, was auch der Kayser zuletzt beschließen mag, seine Reise nach Paris zu Anfang des März an. Wenn in den nächsten 8 Tagen nicht besonders alarmirende Nachrichten von dort eingehen, so mögte er schwerlich vor dem 8ten abreisen. Die neusten Briefe deuteten auf keine unmittelbare Gefahr; der Zustand der Fürstin ist aber von der Art, daß an Besserung, ohne Wunder, nicht mehr gedacht werden kan. Der Fürst selbst // betrachtet sie als verloren. Die Pariser Journale sind schon voll von Gerüchten, Muthmaßungen, und Glossen über die bevorstehende Ankunft des Fürsten, die in Paris große Sensation erregt; und, obgleich kein politisches Motiv ihn je zu dieser Reise veranlaßt haben würde, so kan sie unter gegenwärtigen Umständen dennoch ihre politische Wichtigkeit haben; und ich weiß, daß die Französischen Minister sich sehr freuen, in einem für sie so besonders kritischen Moment in vertrauliche Eröfnungen gegen einen in jeder Rücksicht so bedeutenden Bundes-Genossen treten zu können. Ueber die Verhältnisse zwischen England und dem Continent könnte ich Ihnen freylich unendlich viel sagen. Der Gegenstand ist aber <so> vielseitig, daß ich weit ausholen und tief hineingehen müßte. Dazu aber fehlt es mir schlechterdings an Zeit. Auch wird manches in 4 oder 6 Wochen mit größrer Reife und Festigkeit zu beurteilen seyn, als in diesem Augenblick. Nehmen Sie unterdessen meine herzlichen Wünsche für Ihr Wohlergehn, und die Versicherung meiner treusten Ergebenheit an. Gentz // Wir haben gestern vernommen, daß der Kayser Alexander den 13ten May (N. St.) in Warschau beym Landtage eintreffen, und dort 6 Wochen verweilen wird. Nun werden sogleich wieder tausend Gerüchte von Zusammenkünften, Congressen pp in die Welt gehen. F ü r j e t z t ist nur so viel gewiß, daß in der Correspondenz zwischen Wien und Petersburg, irgend eines Projektes dieser Art, bisher auch nicht auf das entfernteste gedacht worden ist. H: HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1825.g., Bl. 29-32. x Bl., F: ; 6 ½ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.