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Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Wien, 18. Juli 1828, HHStA, Wien Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 30-32v 1828

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id5039
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationWien
Date18. Juli 1828
Handwritten recordHHStA, Wien Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 30-32v
Size/Extent of item5 ½ eighd. beschr. Seiten
Places of printProkesch-Osten, Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 145-148
IncipitIch schrieb Ihnen mit voriger
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Anton von Prokesch-Osten Wien, 18. Juli 1828 Wien den 18ten July 1828 Ich schrieb Ihnen mit voriger Post, daß ich einen in Waltersdorff angefangnen für Sie bestimmten Brief dort zufällig unvollendet zurück gelassen hatte. Diesen, ob er gleich von keinem großen Interesse für Sie seyn wird, schicke ich Ihnen hier als Beweis meines immer gleichen guten Willens. Seitdem habe ich Ihr Schreiben vom 18ten v. M. erhalten. Sie raisonniren wie ein ächter Staatsmann, indem Sie die W i r k l i c h k e i t der Coalition aus der einleuchtenden N o t h w e n d i g k e i t derselben ableiten. Es fehlt Ihrem Raisonnement nur das einzige, daß in fest verschlossne Ohren auf die Stimme der Gesunden Vernunft nicht mehr dringt. Schmeicheln Sie Sich mit keiner Hoffnung dieser Art ! Die Ehren-Erklärung, die Sie dem Französischen Cabinet thaten, können Sie dreist zurücknehmen; denken Sie Sich von diesen Leuten immer das Schlimmste, und Sie werden nie irren. Wichtiger und trauriger ist aber, daß wir auch von England, und seinem // regenerirten Cabinet nichts kräftiges, nichts heilsames zu erwarten haben. Es hat nie eine sinnlosere Maßregel gegeben, als die jetzige Sendung der drey Ex-Gesandten nach Corfu. Schon die Wahl Stratford Canning's war ein greulicher Mißgriff; seine Instructionen sind offenbar von Lieven dictirt, und eine knechtische Copie des abgeschmackten Traktats vom 6ten July. Ohne auch nur den schwierigen Fragen, wegen der Gränzen Griechenlands, und wegen der künftigen Verhältnisse der Griechen zur Pforte, um einen einzigen Schritt näher getreten zu seyn, giebt man den drey Ministern die Anweisung, z u e r s t über diese Fragen mit den Griechen zu unterhandeln, d a n n die Pforte einzuladen, Bevollmächtigte zu einer gemeinschaftlichen Conferenz (mit Griechen und Alliirten !) zu senden. Das Ganze ist einzig darauf berechnet, Zeit zu verlieren, das heißt, im Sinn der Russen, z u g e w i n n e n; denn, wenn der Kayser in seinen Operationen glücklich ist, wird Er sich den Vorteil sicher nicht nehmen laßen, die Griechische Frage, wie alle übrigen // nach Seiner Convenienz zu entscheiden. So wie die Sachen heute stehen, haben wir also von der Weisheit oder Geschicklichkeit der Cabinette nichts zu erwarten. Die Resultate des Feldzuges müßen und werden ausschließend das Schicksal des Türkischen Reiches bestimmen. Ich gestehe Ihnen aber, daß auch von dieser Seite meine Hoffnungen täglich abnehmen. So lange die Position von Schumla noch nicht forcirt, oder umgangen, der Balkan nicht überschritten ist, giebt es freylich noch Chancen der Gefahr für die Russen; und b i s d a h i n will ich mein definitives Urteil gern noch zurück halten. Daß hingegen jenseits des Balkan unübersteigliche Hindernisse eintreten, daß die Russische Armee durch Mangel an Subsistenz (ein Fall, der mir gar nicht denkbar scheint, weil er nur durch einen absoluten Mangel an Menschen-Verstand, und an dem gemeinsten militärischen Calcül zu erklären wäre) in ihrem Fortschritt gehemmt, oder von einer levee en masse, zu welcher nicht die geringsten Anstalten sich zeigen, aufgehalten werden sollte - das alles scheint mir ziemlich fabelhaft. Ich glaube, die Türken sind fest entschlossen, es aufs Aeußerste // ankommen zu laßen, worunter ich verstehe, alle noch übrige Kräfte auf die Verteidigung von Constantinopel zu concentriren. Was aber die Russen, wenn sie nicht etwa noch durch 6 Wochen diesseits des Balkan fest gehalten werden, hindern sollte, im September Constantinopel zu erreichen (ich sage nicht, zu erobern) leuchtet mir, rebus sic stantibus, nicht ein. Lord Heytesbury hielt sich beynahe 14 Tage bey uns auf. Seine Sendung ins Russische Hauptquartier betrachte ich als eine bloße affaire de procédé, <so wie auch die des Prinzen von Hessen nichts andres ist>; sie wird ohne alle Wirkung bleiben, es müßten denn große Unfälle über die Russen ausbrechen. Der Krieg allein ist heute der wahre Négociateur. Der Courier de Smyrne ist mir heute lieber als alle Europäische Zeitungen zusammengenommen. Die Noten zu dem Russischen Manifest sind unvergleichlich. Ich zittre nur von einem Tage zum andern, daß man diesem Blatte nächstens den Hals brechen wird. Die Russen scheinen noch nicht recht inne geworden zu seyn, welchen Schaden es ihnen in der Meynung stiften kan. Ich fürchte aber, man hat sie neuerlich darauf aufmerksam gemacht; und, wenn Rigny und Heyden sich zusammen thun, // so wird es ihnen wohl nicht schwer werden, Herrn Blaque und seinen sehr verdienstvollen Mitarbeitern den Mund zu stopfen. Ueber die Circular-Depesche des Russischen Vice-Admirals in Bezug auf die neutrale Schiffarth werden Sie nächstens eine ausführliche Instruction erhalten. Wir laßen uns keinesweges gefallen, daß der Traktat von 1801 (der u n s nichts angeht) in dieser Sache als Gesetz betrachtet werde; wir appelliren an den im Jahr 1785 zwischen Uns und Rußland directe geschlossnen, für Oesterreich allein bindenden Traktat. Der Unterschied zwischen beyden, und was sonst auf diese Frage bezug hat, wird Ihnen aus der besagten Instruction vollkommen deutlich werden. Uebrigens ist für den Augenblick von droits de belligérans gar nicht die Rede; denn Rußland hat in den letzten Conferenzen zu London (schlau genug, um die beyden andern Höfe einigermaßen zu beruhigen) erklärt, "daß es vor der Hand seinen Charakter als Kriegführende Macht, im Archipelagus s u s p e n d i r t, und Heyden bloß auf derselben f r i e d l i c h e n (!!) Linie, wie die beyden Alliirten zu Werke gehen soll". Der Himmel erhalte Sie bey guter Gesundheit. - Ich habe in der letzten Zeit viel // von Ihnen gesprochen, weil ich die Schwartzenbergsche Familie häufiger als in den vergangnen Jahren der Fall war, theils in Dornbach, theils in Weinhaus gesehen, und, durch verschiedne Umstände veranlaßt, meine alten freundschaftlichen Verhältnisse mit diesem liebenswürdigen Hause, von neuem belebt und befestigt habe. Wie sehr man Ihnen dort wohl will, wissen Sie; und daß ich jede Gelegenheit Gutes und Rühmliches von Ihnen zu hören, und zu sagen, mit Vergnügen ergreife, können Sie mit vollem Recht erwarten von Ihrem sehr ergebnen Gentz H: HHStA, Wien Nachlaß Prokesch-Osten, Karton 27, , Bl. 30-32v. x Bl., F: ; 5 ½ eighd. beschr. Seiten. D: Prokesch-Osten: Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 145-148.