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Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Wien, 14. Oktober 1827, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 18-21v 1827

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4917
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationWien
Date14. Oktober 1827
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 18-21v
Size/Extent of item8 eighd. beschr. Seiten
Places of printProkesch-Osten, Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 58-62 (tlw.)
IncipitIch habe Ewr HochWohlgebohren interessante
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Anton von Prokesch-Osten Wien, 14. Oktober 1827 Wien den 14ten October 1827. Ich habe Ewr HochWohlgebohren interessante Briefe (und Berichte) vom 2ten und 18 August, und 3ten September, theils in Königswart, wo ich mich durch 6 Wochen mit Seiner Durchlaucht dem Fürsten aufhielt, theils nach meiner Rückkehr von dort erhalten, und s t u d i r t; denn g e l e s e n wäre ein viel zu oberflächliches Wort für Mittheilungen von solcher Gediegenheit, und so wichtigem Inhalt. Sie hatten ganz Recht, die Wirklichkeit des Londner Vertrages, so lange es nur irgend möglich <war>, zu bezweifeln. Denn verständigen Menschen wird es allerdings schwer, sich drey der ersten Europäischen Cabinette auf diesem Gipfel der Verkehrtheit, der Ungereimtheit, und der Unverschämtheit zu denken; und selbst die äußre Form, die Redaction, der Styl, dieses beyspiellosen Documentes war von der Art, daß, wenn es m i r, der ich doch von der Individualität der Staatsmänner unsrer Zeit so manches aus trauriger Erfahrung weiß, in einem abgelegnen Winkel der Erde in die Hände gefallen wäre, // ich nie an dessen Aechtheit geglaubt hätte. Nicht, daß ich [mir] von denen, die in Petersburg und Paris heute die Geschäfte führen, etwas andres als Inconsequenzen und Erbärmlichkeiten erwartet haben würde; aber daß ein B r i t t i s c h e s Ministerium so tief sinken konnte, hatte ich bis hieher [nicht] für unmöglich gehalten, obgleich der Nimbus, den Unwissenheit und revoluzionärer Fanatismus um die Figur Canning gezogen hatten, für mich längst verschwunden war, oder vielmehr nie existirte. Jedoch sey es zur Verminderung der Schmach dieses fälschlich vergötterten Ministers gesagt, daß, wie wir jetzt ziemlich authentisch wissen, er kurz vor seinem Tode seinen Gang in dieser, wie in der Portugiesischen Sache, bitter bereute, und, wenn er zwey Monate länger gelebt hätte, sich, selbst auf die Gefahr eines Bruches mit Rußland, von dem Tripel-Tractat zurückgezogen haben würde. Aber das Ungeheuer steht nun einmal vor uns; und wiewohl es für einen Oesterreicher kein geringer Trost ist, sich sagen zu dürfen, daß wir keinen Theil an der Mißgeburt gehabt, so werden wir doch von den Folgen derselben unsern guten Theil zu tragen und zu leiden haben. Kein menschlicher Scharfsinn vermag zu berechnen, w i e diese unselige // Complication endigen wird. - -So viel hatte ich geschrieben, als ich durch den Empfang Ihres Briefes vom 18ten v. M. und Ihres Berichts von demselben Tage, und einer sehr voluminösen Expedition aus Constantinopel, und einer andern aus Corfu, auf mehrere Stunden unterbrochen ward. So reichhaltig alle diese Berichte auch sind, klären sie doch die Finsterniß, die über der Szene hängt, keinesweges auf. Die nächste und größte Frage ist, was aus der Egyptischen Flotte geworden, oder werden wird. Nach einem sehr neuen Bericht aus Corfu vom 4ten October, und einer Aeußerung des (sehr unzuverläßigen und treulosen) General Adam gegen Hauenschild, soll sie, in Gefolge einer Verabredung zwischen Ibrahim Pascha und Codrington, nach Egypten zurückgekehrt seyn. So wenigstens verstehe ich die zweydeutige, obgleich in positiven Worten ausgesprochne Versicherung des Engländers. - Nach andern Briefen wäre sie zu Ende Septembers fortdauernd in Navarin blockirt gewesen. Noch Andre erzählen, Ibrahim sey mit 36 Schiffen ausgelaufen, bald nachher wieder, um nicht mit Engländern und Franzosen Handgemein zu werden, // in den Hafen zurückgekehrt. Mir ist alles was Sie, unsre beste Quelle, seit Ihrem Aufenthalt in Egypten uns von des Vice-Königes Planen, ostensibeln, und geheimen Intentionen, widersprechenden Wünschen und Zwecken, Mitteln und Blößen, gemeldet haben, vollkommen gegenwärtig; und, da ich den Vice-König f r ü h e r von der wirklichen Unterzeichnung des Traktates unterrichtet glaubte, wenigstens voraussetzte, daß Craddock, der am 30ten July Corfu verlaßen hatte, v o r dem Auslaufen der Flotte in Alexandria seyn würde, so war ich über die Nachricht, die Flotte sey auf dem Wege nach Navarin sehr befremdet. Was uns seitdem aus Constantinopel geschrieben, und von Acerbi, n a c h der Conferenz mit Craddock, bestätiget ward, sollte nun, so w i e e s l a u t e t, keinen Zweifel gegen Mehmet Ali's Beharrlichkeit mehr aufkommen laßen. Gleichwohl bin ich ganz darauf vorbereitet, daß seine neusten Instructionen friedlich seyn werden, und daß Ibrahim <volle Freiheit> behalten wird, mit den Comman//danten der Europäischen Escadren in jede Art von Capitulation einzugehen. Eine Aeußerung in Ihren letzten Berichten, die ich mir kaum zu erklären weiß, ist die, welche die Besorgniß ausspricht, Ibrahim mögte sich durch die Drohungen der Europäer a b s c h r e c k e n l a ß e n. Sie scheinen also das Gegentheil zu wünschen; folglich nehmen Sie an, daß die Türkisch-Egyptische Flotte sich mit den drey coalisirten messen könnte, daß z. B. eine Expedition gegen Hydra h e u t e n o c h möglich wäre. Dies widerspricht so sehr allen meinen Ansichten, die ich freylich in einer Frage dieser Art den Ihrigen gern unterordne, daß ich viel darum gäbe, zu wissen, welche Gründe Sie für eine solche Meynung bestimmen konnten. Ich habe von der Türkisch-Egyptischen Seemacht einen so schwachen Begriff, daß ich mir vorstelle, z e h n Europäische Kriegesschiffe wären hinreichend, die 90 Afrikanischen von Dan bis Barseba zu jagen. Mein einziger Wunsch ist daher - so leid es mir auch in der Seele thut, Hydra und Spezzia nicht der Erde gleich gemacht, oder ins // Meer versenkt zu sehen - daß k e i n See-Engagement vorfalle, weil ich mir nicht [xxx] denken kan, daß es nicht zum Ruin der Egypter ausschlagen sollte. Die Greuel der Piraterie sind nun auf einen solchen Grad gestiegen, daß die Mächte, wenn Gott sie nicht mit unheilbarer Blindheit gezüchtiget hat, Maßregeln dagegen werden ergreifen m ü ß e n. Vielleicht wird von dieser Seite der erste Lichtstrahl der Vernunft in das wüste Chaos der jetzigen Politik fallen. - Unterdessen wünsche ich Ihnen zu der vor Spezzia bewiesnen Energie recht herzlich Glück. Sie haben überdies das doppelte Verdienst, das, was Sie mit Kraft beschlossen und ausführten, mit Geschicklichkeit zu verteidigen. Denn, daß der Artikel im Spectateur, welcher die frechen Lügen des Griechischen Gesindels pulverisirte, von Ihnen herrührte, habe ich keinen Augenblick bezweifelt. Das einzige, was ich dem Obersten Dandolo noch empfehlen mögte, ist daß er sich in seinen Verhandlungen mit den Insurgenten, // des Wortes N e u t r a l i t ä t so selten als möglich bediente. Es wird Ihnen nicht entgangen seyn, mit welcher Sorgfalt in unsrer Supplementar-Instruction der Begriff unsrer f a c t i s c h e n Neutralität bestimmt war. Politisch-neutral waren wir in diesem Kampfe nie; jetzt aber wo die ganze Rebellion sich in Seeraub aufgelöset hat, und k e i n Schiff mehr von diesen Banditen respectirt wird, ist das Wort Neutralität vollends eine mauvaise plaisanterie geworden, und schmeckt etwas nach Feigheit. Unser R e c h t müßen wir behaupten; und dieses hat gegenwärtig keine andre Gränzen mehr, als die der Menschlichkeit, und unsrer physischen Gewalt. Ich bitte Sie, mir zu melden wer die Redacteurs des verjüngten Spectateur Oriental sind. Dieses Blatt erregt seit drey Monaten mein Erstaunen. Die Artikel sind zwar nicht alle von gleichem Werth; denn neben Raisonnements, die dem besten Europäischen Publizisten Ehre machen würden, findet sich denn auch ein Nekrolog Canning's, der aus der // Schule des Constitutionnel erborgt zu seyn scheint. Bey weitem die meisten Aufsätze aber sind so richtig gedacht, und zugleich so gut geschrieben, als ich es nimmermehr von Journalisten in S m y r n a erwartet hätte. Dabey ist auch die P r e ß f r e i h e i t die dort herrschen muß, nicht genug zu bewundern. In welchem Europäischen Lande würde ein Schriftsteller - wie correct auch seine Grundsätze seyn mögten - mit so freymüthigen und männlichen Argumenten zum N a c h g e b e n rathen dürfen, wenn die Regierung einmal ausgesprochen hätte, daß sie nichts davon hören will ? Welchen Werth ich auf jede Ihrer Mittheilungen lege, wissen Sie nun einmal. Ich hoffe also, Sie werden mich so oft, als irgend die Umstände es erlauben, damit erfreuen. Ich wünsche Ihnen eine feste Gesundheit, und so viel Zufriedenheit als in einer stürmischen und mühevollen Laufbahn Ihnen zu Theil werden kan, und versichre Sie der unveränderlichen Gesinungen, womit ich beharre, Ihr sehr ergebner Gentz H: HHStA, Wien. Nachlaß Prokesch-Osten, Karton 27, Bd. [?], Bl. 18-21v. x Bl., F: ; 8 eighd. beschr. Seiten. D: Prokesch-Osten: Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 58-62(tlw.).