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Gentz ; Müller, Adam
An Adam Müller, Berlin, 15. Dezember 1801, Archiv des Grafen Wachtmeister, Trolle-Ljungby (Schweden). Nachlass Brinckmann, Gentziana, Signatur [?] 1801

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4825
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Müller, Adam
AusstellungsortBerlin
Datum15. Dezember 1801
Handschriftl. ÜberlieferungArchiv des Grafen Wachtmeister, Trolle-Ljungby (Schweden). Nachlass Brinckmann, Gentziana, Signatur [?]
Format/Umfang2 Bl., F: 246mm x 202mm; 3 eighd. beschr. Seiten
DruckorteWittichen/Salzer, Briefe, II, Nr. 191, 362-364; Baxa, Lebenszeugnisse, I, Nr. 13, 21-23
IncipitNoch sehe ich nicht recht
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Adam Müller Berlin, 15. Dezember 1801 Noch sehe ich nicht recht, lieber Freund, worin die S t r a f e besteht, die Sie in der heutigen Zeitung gefunden haben wollen. Dumme Anzeigen von der Berlinische Monatsschrift ist man ein für allemal so gewohnt, daß Sie Sich in das gemeinschaftliche Schicksal wohl finden müßen. Aber Strafe haben Sie wirklich verdient. Ihre Uebereilung bei dem Druck dieses Aufsatzes ist mir noch immer unbegreiflich; wie Sie Sich zu einem solchen Schritte entschließen konnten, ohne mir auch nur eine Stunde Zeit zu laßen, Ihnen meine Meinung darüber zu sagen, ist mir wirklich räthselhaft. Ich bekenne es Ihnen frei: S o hätte ich den Aufsatz nicht in die Welt geschickt ! Die S a c h e n sind gut, und zum Theil vortreflich, und ich habe so eben mein Vergnügen an der Lectüre gehabt; aber der T o n verderbt sie, wo nicht ganz, doch beträchtlich. Wie konnten Sie mit Hinzufügung Ihres Nahmens - denn darin liegt eigentlich die Härte, daß es nicht eine anonyme Kritik war - in einem solchen Tone gegen einen Menschen, wie Fichte, sprechen ? // Ich sage gar nichts von der Unpolitik des Verfahrens; denn von dieser Seite würde ich Sie vielmehr rühmen, daß Sie kühn genug sind, Ihre Denkungsart gleich beim ersten Ihrer öffentlichen Schritte anzukündigen. Aber fühlen Sie denn nicht selbst, daß etwas ungemessnes, anstößiges, an und für sich beleidigendes in diesem Tone liegt ? Daß Sie den Stachel Ihres Angriffs Selbst abstumpften, indem Sie nicht einmal ahnden laßen, daß der, welchen Sie so mishandeln, übrigens einer der tiefsinnigsten Köpfe seiner Zeit ist, anstatt daß Sie gerade dann die volle Wirkung erreicht hätten, wenn Sie ihm auf einer Seite seine volle Gerechtigkeit widerfahren ließen, und nun das Monströse in der Erscheinung "daß ein s o l c h e r Mann auf s o l c h e Narrheiten verfallen konnte" heraushoben ? Dies, oder etwas ähnliches, wird, glauben Sie mir, das mehr oder minder entwickelte Urtheil aller Leser Ihres Aufsatzes seyn, die Fichte n i c h t lieben. Die zahlreiche // Partei seiner Freunde aber wird die schwache Seite Ihrer Schrift - die ich gerade, und einzig nur in diesem verfehlten Tone finde - gegen Sie ergreifen und benutzen, um Sie zu Boden zu schlagen. Welch ein schlechter und schwacher Kopf ist doch dieser Biester, den seine Wut gegen Fichte so verblendete, daß er Ihren Aufsatz lesen konnte, ohne dies zu fühlen, und ohne Sie aufmerksam darauf zu machen !Laßen Sie Sich durch diese Bemerkungen nicht abschrecken, bald wieder etwas zu schreiben. Sie m ü ß e n schreiben; es ist gewiß Ihr Beruf, und ich habe das gröste Interesse dabei, daß Sie ihn erfüllen. Ich schicke Ihnen hier vier Stücke von Peltier, die Ihnen Vergnügen machen werden. Besonders wird Ihnen die eiserne Beharrlichkeit des Menschen, auch nach und trotz dem Frieden zwischen England und Frankreich; die vortrefliche Auseinandersetzung der jetzigen Verhältnisse der Französischen Geistlichkeit, endlich das, was er aus dem Porcupine und Morning Post liefert, so wie mir, gefallen. Besuchen Sie mich doch bald. Gentz. d 15 Xbr. 1801. H: Archiv des Grafen Wachtmeister, Trolle-Ljungby (Schweden). Nachlaß Brinckmann, Gentziana, 2 Bl., F: 246mm x 202mm; 3 eighd. beschr. Seiten. D: Wittichen/Salzer, Briefe, II, Nr. 191, 362-364. Baxa, Lebenszeugnisse, I, Nr. 13, 21-23.
 
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