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Gentz ; Ottenfels-Gschwind, Franz von
An Franz von Ottenfels-Gschwind, Wien, 16. August 1825, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1825.g., Bl. 112-117 1825

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4665
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Ottenfels-Gschwind, Franz von
LocationWien
Date16. August 1825
Handwritten recordHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1825.g., Bl. 112-117
Size/Extent of item10 ¼ eighd. beschr. Seiten
IncipitIch habe Ihnen für Ihre beyden
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Franz von Ottenfels-Gschwind Wien, 16. August 1825 Wien den 16 August. Ich habe Ihnen für Ihre beyden Briefe vom 21ten und 25 v. M. zu danken, Mein Werthester Freund ! Die Zerstörung des Griechischen Luft-Gebäudes geht nun mit starken Schritten vorwärts. Nach einem vor 4 oder 5 Tagen uns zugekommnen Schreiben aus Corfu vom 21 July [ist] muß Missolonghi um dieselbe Zeit gefallen seyn. Dies ist - außer der Einnahme von Napoli, die natürlich nur zu guter Letzt erfolgen kan, - die wichtigste Begebenheit für die Wiederherstellung der Türkischen Macht, und wird der Insurrection im westlichen und Oestlichen Griechenland hoffentlich ein Ende machen. In Bezug auf Morea hängt alles von Ibrahim's fernern Thaten und Schicksalen ab, über welche [mich] mir noch einige Besorgnisse bleiben, die ich erst dann, wenn ich ihn mit Colocotroni in einer wirklichen Unterhandlung begriffen sehe, ganz aufgeben werde. Bis hieher sehe ich leider, noch wenig Spuren von Unterwerfung; und doch sollte das der wahre Zweck seyn; denn mit Vernichtung des Landes und seiner Einwohner ist uns auf keine Weise gedient. // Ich kan nicht genug bedauern, daß Ibrahim seine frühere gemäßigte Politik - die mehr noch als seine Siege den Freunden der Insurrection imponirte - so schnell, vielleicht durch die Umstände gezwungen, aufgegeben hat; denn seit der Einnahme von Navarin scheint er wie ein wahrer Attila gehauset zu haben. Am vergangnen Freytag langte hier ein Courier aus Petersburg vom 31 July an, dessen Expedition von mir gelesen, und am folgenden Morgen nach Ischel befördert ward. Für den Augenblick sind die Donnerwolken vorüber gezogen, und alles bleibt, wie zuvor, in suspenso. Der Kayser hat sich weit weniger über die Antworten des Reis-Effendi gegrämt und geärgert, als über die Lauigkeit und den Mangel an gutem Willen seiner Alliirten; und seine und Nesselrode's, z u m T h e i l b i t t r e Klagen waren alle auf die Antwort, die von Mayland aus auf die Russische Circular-Depesche erfolgt ist, gerichtet. Besonders sind sie gegen das Französische Cabinet sehr erbittert, beschuldigen es der größten Versatilität, und glauben übrigens, // daß der Fürst Metternich während seiner Anwesenheit in Paris [sie gänzlich für] die dortigen Minister ganz in seinem Sinne bearbeitet hat. Lebzeltern hat über diesen Punkt heftige Erklärungen mit Nesselrode gehabt.Ich habe in der größten Eil - bloß für Sie - einige kurze Auszüge [auf] <aus> einer Depesche von Lebzeltern gemacht, die ich Ihnen hier, ins Reine geschrieben, mittheile. Sie werden wohl bemerken, in welchem Geiste des Unmuthes Nesselrode <seine> Aeußerungen von sich gab; und Mancher der sie läse, würde sicher glauben, daß die gefährlichsten geheimen Intentionen dahinter steckten. Das glaube ich nun n i c h t. Ich bin vielmehr überzeugt, daß das Russische Cabinet, en désespoir de cause, und im Gefühl seiner ganz verkehrten und unhaltbaren Stellung, die Griechische Frage aufgiebt, und daß wir von d i e s e r Seite, es müßten denn völlig unerwartete Begebenheiten eintreten, nicht mehr viel zu befürchten haben. Desto mehr aber beunruhigen mich die Complicationen, welche - unabhängig von der Griechischen Frage - [durch Gegenstände] über andre Gegenstände, von ungleich geringerm Gehalt, durch die fortdauernde Erbitterung zwischen den // beyden Höfen, durch den hochmüthigen und schikanösen Gang Rußlands, und durch die nahmenlose Unpolitik und Unklugheit der Türkischen Minister, von einem Tage zum andern ausbrechen können. Die absolute Ungelehrigkeit und Verstocktheit der letztern ist der böseste Umstand in der heutigen Lage der Dinge. Die Antwort auf Minciacki's Note wegen der Berchlis-Agas ist mir kalt über den Leib gegangen. Wenn die Russen das verdauen, so wird nichts mehr sie in Harnisch bringen. Es ist wahrlich als ob die Pforte es darauf anlegte, Rußland herauszufordern, zugleich aber, ihren besten Alliirten zu zeigen, daß sie auf ihre Rathschläge und Ermahnungen nicht den Werth einer Feder legt. Was Nesselrode hierüber ausgesprochen hat, scheint mir von vieler Bedeutung. In der Griechischen Sache fehlte es uns nie an Mitteln, direct und indirect auf Rußland zu wirken, da der Kayser nun einmal entschlossen <war>, sie immer als eine affaire commune zu behandeln. Wenn aber die Pforte - und sie ist wirklich in gutem Zuge - sich an dem Kayser so vergeht, daß er seine // persönliche Ehre verletzt, und sich und seinen (stets nach Rache schreyenden) Unterthanen Satisfaction schuldig zu seyn glaubt - dann Adieu Alliance ! Dann hat alle Vermittlung ein Ende; und der Friede den wir fünf Jahre lang durch Meisterstücke der Beharrlichkeit und der Kunst zu erhalten gewußt, wird an irgend einer armseligen Discussion scheitern. Nie ist es mir so klar gewesen [ist], als jetzt, daß die Pforte nicht das kleinste Opfer bringen wird, um Rußland zu besänftigen, daß der Einfluß der Höfe ganz ohnmächtig ist, sobald es auf Nachgeben ankömmt, und daß, wenn wir dem Kriege entgehen, dies Glück einzig [xxx] der unerschöpflichen Friedens-Liebe des Kaysers, [xxx] das heißt, seiner entschiednen Abneigung gegen ungewisse, kostspielige, weit aussehende Unternehmungen, für die er allein die Verantwortung tragen müßte, zugeschrieben seyn wird. Man ist, wie ich aus den letzten Berichten sehe, in Petersburg mit den Planen, die man dem Pascha von Egypten andichtet, und mit den Folgen, welche die Fortschritte seiner Waffen haben könnten // lebhaft beschäftigt, und vergißt fast die Griechen über den Egyptern. Sie werden unter andern aus einem Briefe, von Hummlauer (que je ne regarde pas du reste comme un grand prophête) den ich abschriftlich beyfüge, ersehen, welche abentheuerlichen Hypothesen diese Furcht bereits veranlaßt hat. Sie werden mich daher sehr verbinden, wenn Sie, wie ich neulich schon gebeten habe, mir über das wahre Sachverhältniß in Betreff des Ibrahimschen Paschaliks einigen Aufschluß geben. Meine kurze Noten zu jenem Briefe werden Ihnen ungefähr zeigen, was ich von der ganzen Sache denke; es wäre mir aber lieb, mich auf Ihre Autorität stützen zu können. Was mich wundert, ist, daß man sich nicht in Constantinopel über die Sendung des General Roche formalisirt, die doch eben so scandalös ist als ehmals die von Blaquières, Byron, Stanhope pp. Was sie unterscheidet, ist nur, daß die Französischen Griechen-Narren kein Geld haben, oder, klüger als // die Englischen, es nicht an eine so verzweifelte Sache wagen wollen. Wenn aber die Berichte des Roche an das Griechische Comité - gleich als ob dies eine anerkannte Behörde wäre - in allen Französischen Journalen publizirt werden, so ist das doch wohl anstößig genug. - Ich glaube überdies, es würde dem General Guilleminot nicht eben unangenehm seyn, wenn man gegen ihn über diesen Unfug Beschwerde führte. Von den Greueln der Griechischen Piraterie will ich nicht eher wieder sprechen, als bis ich dem Fürsten den Vortrag darüber gemacht habe, den ich ihm angemeldet. Ich weiß, daß der Gegenstand wenig Reitz für ihn hat; es hilft aber nichts, er m u ß sich [xxx] ernsthaft damit beschäftigen. - Acerbi wird vor seiner Abreise nach Wien kommen, um sich die Instructionen des Fürsten zu erbitten. Nach einer Weisung der Hof-Kammer hätte er sich ohne weitres, auf seinen Posten begeben sollen !! Daß es nicht geschehen ist, habe i c h durch einen nachdrücklichen Brief bewirkt. Hat man von solchem décousu eine Vorstellung ? Einen General-Consul nach Alexandria // schicken, ohne Instruction des Auswärtigen Departements ! Die Hofkammer ist überhaupt unsre schlimmste Feindin. Was mit Questiana werden wird, weiß ich nicht. In jedem Falle wird dieser doch wohl über Constantinopel reisen. Danken Sie dem Reis-Effendi abermals für seinen vortreflichen Caffee. Unterhalten Sie mich en état de coquetterie mit ihm. Folgen wird er zwar mir so wenig als Ihnen, und k a n es vermuthlich nicht. Aber ich habe doch gern, daß er uns liebe. Versichern Sie ihm, daß jede gute Nachricht aus dem Türkischen Reiche ein Fest für mich ist, und daß ich unermüdet darauf bedacht bin, der gerechten Sache der Pforte nützlich zu seyn. Dies ist auch keine leere Prahlerey, was Sie mit gutem Gewissen bezeugen können. Ich erwarte in 2 oder 3 Tagen die Rückkehr des Fürsten nach Wien. In den letzten 14 Tagen habe ich mich ganz leidlich befunden, und freue mich sehr, ihm meinen kleinen Garten in Weinhaus, in einer Schönheit, wie ich ihn noch nie gesehen habe, aufzuführen. Selbst Baron Stürmer, der nach solchen Dingen nicht viel frägt, ist jedesmal (und er besucht mich sehr häufig) davon entzückt. Leben Sie wohl, Mein Würdiger Freund ! Gentz. // N.S. Lebzeltern ist am 1 August nach Reval gegangen, um dort mit seiner Frau Seebäder zu gebrauchen. Laferronnaye ist in Carlsbad. Als er vom Kayser Abschied nahm, und dieser ihm kein Wort von Türkischen oder Griechischen Angelegenheiten sagte, frage er, ob er vielleicht seine Abreise noch verschieben solle, im Falle der Kayser die Erneuerung der Conferenzen wünschte. Die Antwort: Oh non ! Vous pouvez hardiment partir; il ne sauroit être question de conférences avant le mois de S e p t e m b r e. Zum Beweise, daß nicht von der geringsten Militärischen Maßregel in Rußland die Rede ist, dient unter andern, daß der Großfürst Constantin eine Reise nach den Rheinländern macht, um den revuen beyzuwohnen, bey welchen der König von Preußen gegenwärtig seyn wird. Unser Kayser wird auf den 22ten erwartet, geht gleich nach Laxenburg, und zu Anfang September nach Schlosshof. // Sie lesen doch wohl, wenigstens zu Ihrer Belustigung, die Griechischen Artikel in den Französischen Journalen ? Weiter ist doch wohl die Stock-Unwissenheit, der Unsinn, und der Frevel im Lügen nie getrieben worden. Das (überhaupt infame) Journal des débats übertrift noch alle andern. - Dagegen gereicht es mir zur nicht geringen Satisfaction, daß der [xxx] Credit des Beobachters sich immer mehr ausbreitet und befestigt. Man ärgert sich über seine Artikel, man schimpft auf den Geist, der ihn beseelt; aber man respectirt ihn, und glaubt im Grunde n u r an das, was er meldet oder bestätigt. Selbst in Petersburg wird er geachtet und gefürchtet; und man sieht endlich allenthalben ein, daß er das einzige historisch-treue und glaubwürdige Blatt in Europa ist. Diese Nachrichten werden auch Ihnen Freude machen. Noch muß ich bemerken, daß der Spectateur uns neulich sehr unregelmäßig // zugekommen ist. Die Nr. 184 und 185 waren doppelt; dagegen fehlten 186 und 187 ganz. Dann kam 188 wieder doppelt, einmal allein, einmal mit 189. - Vermuthlich bleibt nun 190 wieder aus. - Die Hellenische Chronik wird nun wohl bereits des Todes erblichen seyn. H: HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1825.g., Bl. 112-117. x Bl., F: ; 10 ¼ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.