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Schlesier, Gustav ; Prokesch-Osten, Anton von
Gustav Schlesier an Anton von Prokesch-Osten, Stuttgart, 18. April 1840, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton [?], Bl. 16-17v 1840

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4551
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Schlesier, Gustav
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationStuttgart
Date18. April 1840
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton [?], Bl. 16-17v
Size/Extent of item3 ¼ eighd. beschr. Seiten
IncipitEw. Excellenz gütige Mittheilung vom 12ten habe ich
Type of letterBriefe Dritter
Digital item: TextGustav Schlesier an Anton von Prokesch-Osten Stuttgart, 18. April 1840 Stuttgart, den 18. April 1840. Ew. Excellenz gütige Mittheilung vom 12ten habe ich gestern erhalten, und antworte Ihnen umgehend, um noch zur rechten Zeit das Dringendste an Sie zu bringen. Wagte ich noch in den letzten Augenblicken Ihres Wiener Aufenthaltes mit meinen Anliegen beschwerlich zu fallen, so geschieht es doch lediglich um einer Sache willen, deren Betrieb, ich weiß es bestimmt, Sie nicht als Zudringlichkeit auslegen. Daß Sie, mein Hochverehrtester, schon jetzt auf Ihren Posten zurückkehren, macht im Grund einen fatalen Strich in meine Berechnungen. Ich hatte mich der Hoffnung hingegeben, diesen Sommer noch Manches, was unsern Gegenstand betrifft, durch rasche Mittheilungen ins Klare zu bringen. Dies wird nun mannigfach erschwert, und wenn Sie auch vielleicht die Gewogenheit haben, vor Ihrer Abreise dem Sekretair der hiesigen Legation die Weisung zu geben, alles, was für Sie von mir übergeben würde, mit nächster Gelegenheit zu befördern, so würde dadurch die Correspondenz zwar minder unsicher sein, an Schnelligkeit aber gewiß nicht viel gewinnen. Dennoch habe ich mich innig zu freuen, wenn Sie in einem so einflußreichen Berufe und auf einem Boden, der Ihnen gleichsam Bedürfniß geworden scheint, wirken und glücklich sind, und dabei noch Muße genießen, dem Nachlaß des Freundes Ihre liebevolle, unschätzbare Pflege zu widmen. Geleite Sie der Segen des Himmels auf den Trümmern alter Herrlichkeit, und bleiben Sie und Ihr Haus von jedem unfreundlichen Schicksalsschlage befreit ! Wenn Sie mir gestatten, Ihnen von Zeit zu Zeit eine ausführliche Nachricht über den Fortgang meiner Publikationen vorzulegen und mir bei diesem Anlaß manche Frage erlauben, so werd' ich diese Gunst gewiß nicht verabsäumen. Ew. Excellenz wiederhole ich noch einmal den heißesten Dank für Ihre neuesten Zusendungen, und versichere, daß Ihren Wünschen allezeit aufs Pünktlichste // nachgegangen werden soll. Mit wahrer Schwelgerei liege ich in den Papieren, und weite meinen Plan nach den Umständen immer gründlicher aus. Oft hab' ich die schmeichelhafte Satisfaktion, schwarz und weiß vor mir zu sehen, was ich nur geahnt oder divinirt hatte. Wie oft hat mich die im Beobachter wahrhaft vergeudete Beredsamkeit und Geistesfülle geschmerzt. Geschmerzt, weil er da den eigentlichen, tiefsten Beweggrund, das A n t i r u s s e n t h u m, nicht aussprechen durfte. Wie entzücken mich nun die Briefe an Stanhope, für die ich mehrere gedruckte Artikel, über die ich noch zweifelhaft war, ohne Bedenken über Bord werfe. Dieses, und das Friedensevangelium vor und nach der Juliusrevolution ist das, was ich in unseres Gentz späterer Wirksamkeit am höchsten schätze. Wie laben mich die Stellen in seinen Tagebüchern gegen den Coloß des Nordens. Das war die Fortsetzung seines lebenslangen Kampfes für das Gleichgewicht Europas. Rußland und Frankreich, das sind unsere bleibenden, unsere einzigen Feinde. Das ganze Demagogenwesen ist Spaß daneben. Diese wahrhaft staatsmännischen Aufgaben sind die Glorie unseres Gentz, während die innern, veränderlichen Staatsfragen, wenigstens der Kampf gegen die Leidenschaften des Tages auch wohl von Jarcke und andern diis minorum gentium geführt werden kann. Soviel ist jetzt gewiß, daß ich dieses Jahr noch 2 Theile bringe, - in dem einen bildet der Briefwechsel zwischen Gentz und Müller den Kern; der 2te soll ein französischer sein, der, wenn nicht ganz Fremdartiges unter einander gemischt werden, wenn er seines Successes recht gewiß sein soll, in dem Journal aus dem Hauptquartier von 1806 seine Ergänzung haben sollte. Ich bin ja herzlich begnügt, wenn ich nur die Benutzung des Originals bis zum Abdruck erringe. Leider bin ich in meiner Lage unvermögend, dem Besitzer dieses Stückes eine größere Offerte zu machen. Und doch liegt mir so gar viel an d i e s e r Ergänzung. Ich wäre glücklich, wenn es Ihnen vor Ihrer Abreise noch gelänge, mir mit der Übersendung dieses Stückes Ihre Rasttage in Wien noch unvergeßlicher zu machen !! Wie großen Antheil nehm' ich an dem, was Sie selbst vom Gentzischen Nachlaß zu redigiren gedenken, besonders an der Suite von Mémoires seit 1812. Wollen Sie dabei mit Ihrem Namen hervortreten ? oder es anonym herausgeben ? Wünschen Excellenz, daß ich Ihre Arbeit ins Publikum bringe ? Das würde sehr unbescheiden gefragt scheinen, wenn sich nicht denken ließe, daß Sie vielleicht nicht mit offnem Visir auf eine Arena treten wollten, wo man oft vom niederträchtigsten Gesindel angespien wird. Dann schriebe man auf den Titel: // "Redigirt von einem seiner Freunde in Oesterreich. Herausgegeben von pp." Noch muthmaßlicher wünschen Sie Jemand, der, in Ihrer Abwesenheit, den Druck leite und als Bindeglied zwischen Ihnen und dem Verleger stünde. Sind Sie erst mit der Arbeit soweit vorgerückt, daß man nur einigermaßen einen bestimmten Antrag stellen kann, so hängt <es> auch nur von Ihnen ab, <mich> mit Ihrem Vertrauen zu beehren. Ich werde mich beeifern, mich dessen würdig zu zeigen und thun, was in meinen Kräften steht. Auch aus dem Succeß des französischen Bandes, den ich jetzt redigire, wird es sich etwas klarer herausstellen, welche Forderungen sich an ein großes, zusammenhängendes Werk knüpfen lassen. In jedem Fall sehe ich die Redaktion dieses Werkes als eine Aufgabe an, für die Sie, in Ihrer Lage und als Vertrauter von Gentz, recht eigentlich geschaffen sind. Sie haben diese Ereignisse großentheils mit durchlebt, und noch dazu in einer verwandten Lebensstellung. Ich meine, es ließen sich zu dem Haupttext der Mémoires zugleich manche sonstige f r a n z ö s i s c h e Denkschriften und Briefe politischen Inhalts fügen, selbst einige von den Stücken, die Sie mir überließen und die vielleicht im großen Reif erst ihren wahren Platz erhielten. Desto eifriger richte ich mein Streben auf die deutschen Werke, Denkschriften und Briefe, ferner auf alle Schriften und Reliquien bis 1810 oder 12. Ja, ich bin sogar so keck, Ihnen offen zu gestehen, daß ich mehrmals den Gedanken gehabt, es wäre schön, wenn Sie mir die Redaktion des R e v o l u t i o n s t a g e b u c h e s übertrügen. Ich bin, hauptsächlich zu den Bausteinen seines Lebens, der schriftstellerischen und staatsmännischen Laufbahn, wo ich bis an den Wiener Congreß minder fragmentarisch sein zu können hoffe, während der spätere Theil nur durch Sie eine großartige Ausfüllung erhalten könnte, mit nochmaligem sorgfältigen Studium seiner sämmtlichen Jugendwerke beschäftigt, würde dabei durch jenes Tagebuch sehr gefördert und dessen Redaktion ginge mit dem ganzen Geschäft Hand in Hand. Sehen Excellenz dies aber doch nur als einen Vorschlag an, der Ihren Entwürfen auf keinen Fall anmaßlich gegenüber treten sollte. Was ist das für ein Briefjournal, das Sie an sich gebracht haben und mit nach Athen nehmen ? Etwa die Portefeuilles, aus den Sie mir den werthvollen Extrakt mittheilten ? Ein ganzes Bündel Fragezeichen in Betreff unseres Gentz halte ich jedoch heute zurück, da Sie im unrechten Moment an Sie gelangen würden. Auch muß dieser Brief noch heut Abend abgehn. Deshalb schließe ich die flüchtigen Zeilen, unter den herzlichsten Wünschen nur den Audruck der Verehrung und Ergebenheit wieder//holend, an dem Sie stets erkennen werden Ew. Excellenz ganz gehorsamen Gust. Schlesier.Adressiren Sie künftig, wenn ich bitten darf, direkt an Dr. Gustav Schlesier, und durch keine Buchhandlung. Es trifft mich alles nur schneller so, und zu was soll es durch mehrere Hände gehen. Es giebt allerwärts Neugierige, die vor der Zeit was erlauschen möchten ! H: HHStA, Wien. Nachlaß Prokesch-Osten, Karton , Bl. 16-17v. x Bl., F: ; 3 ¼ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.