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Gentz ; Ottenfels-Gschwind, Franz von
An Franz von Ottenfels-Gschwind, Wien, 17. September 1823, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1823.g., Bl. 90-91v 1823

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4339
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Ottenfels-Gschwind, Franz von
AusstellungsortWien
Datum17. September 1823
Handschriftl. ÜberlieferungHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1823.g., Bl. 90-91v
Format/Umfang4 eighd. beschr. Seiten
IncipitWenn der gegenwärtige Brief zu Ihnen
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Franz von Ottenfels-Gschwind Wien, 17. September 1823 Wien den 17 September 1823. Wenn der gegenwärtige Brief zu Ihnen gelangen wird, Mein Theurer Freund, muß das Schicksal unsrer großen Sache schon so gut als entschieden seyn. S i e werden vermuthlich früher als irgend Jemand von uns, früher als selbst die in Czernowitz Anwesenden, das Resultat, wenigstens antiquando, bestimmen können; denn von Ihrem Punkte geht der Impuls zur Entscheidung aus. Bis jetzt ist der Bericht des Lord Strangford über die Conferenz nicht hier. Der Fürst ist vor einer halben Stunde (Abends halb 7) abgereiset, bleibt aber 2 Tage auf seinen Mährischen Gütern, und wird also jenen Bericht vermuthlich dort noch erhalten. Ich fürchte den Inhalt desselben nicht außerordentlich, weil, w i e er auch lauten mag, ich mit Recht hoffe, daß die Expeditionen vom 1ten und 13 September von überwiegender Wirksamkeit seyn werden. // In jeder andern Lage der Dinge würde mich die Heftigkeit der Strangfordschen Note vom 11ten sehr erschreckt haben. Unter den jetzigen Umständen war sie ganz an ihrem Platze. So lange man noch von Recht, und Gerechtigkeit, und Gründen sprechen durfte, war Niemand, wie Sie wohl bezeugen können, weiter entfernt als ich, die Türken entgelten laßen zu wollen, was A n d r e gesündigt. Heute - "ist das Erbarmen in die Bären gefahren". Es bleibt nichts übrig, als ein glücklicher S t u r m, wenn die Feste des Divans erobert, id est, vom Untergange gerettet werden soll. Welch ein Augenblick ! Wenn die Pforte nicht unbedingt nachgiebt, so sehe ich nicht bloß das Türkische Reich in Europa, sondern das politische System, den [xxx] Ruhm unsers großen Ministers, unser aller Ruhe und Glück, vielleicht unwiderbringlich in die Luft gesprengt. So weit <ist> es nun gekommen. Doch // verzage ich nicht; dum spiro spero. Ein Stern, wie der des Fürsten, verlischt nicht plötzlich. Große Zeichen am Himmel, viele Cometen, viele Neben-Sonnen, viele schreckende Meteore müßten vorangegangen seyn; und mir erschien, Gottlob, noch keins. - Auch standen die Sachen in Constantinopel wenn ich gewissen Briefen, die mir zu Gesicht gekommen sind, trauen darf, so halsbrechend nicht. Die Entfernung von Gianib-Effendi halte ich für eine wichtige Vorbedeutung. In den abgehaltnen Conseils soll die große Stimmen-Mehrheit für den Frieden votirt haben. Am Ende wird der Sultan, wie unbeugsam er auch sey, von seinen eignen Leuten gezwungen werden, der Sache à tout prix ein Ende zu machen. Der Courier vom 10ten d. M. wird vermuthlich noch seinen gewöhnlichen Weg nehmen, da Sie erst am 11 oder 12ten den Befehl erhalten haben können, der Pforte die Zusamenkunft anzuzeigen, und [xxx] die weitern Erklärungen // auf Czernowitz zu adressiren. Ich hoffe jedoch, daß Sie nicht aufhören werden, mir mit jedem Post-Tage zu schreiben. Dafür bürgt mir nicht nur Ihre erprobte Freundschaft, sondern auch der Umstand daß Sie Selbst überzeugt seyn müßen, wie nothwendig es sey, daß ich keinen Augenblick den Faden verliere. Der Fürst hat mir aufgetragen, ihm jeden Tag zu schreiben, ihm alles mitzutheilen, was nur irgend durch meine Hände oder meinen Kopf gehen kan. Laßen Sie Sich also ja die Mühe nicht verdrießen, selbst während der Periode, wo Sie dem Fürsten Ihre Berichte nachsenden, mich au courant zu halten. Der Himmel erhalte, stärke, und ermuntre Sie in dieser großen und schweren Crisis. Forsan et haec olim meminisse jurabit ! Als ich den Fürsten an den Wagen begleitete, war es mir, als sähe ich ihn in eine große, furchtbare Schlacht fahren. Wir werden siegen; wir m ü- ß e n siegen. Gott sey mit uns allen ! Gentz H: HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1823.g., Bl. 90-91v. x Bl., F: ; 4 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.