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Schlesier, Gustav ; Prokesch-Osten, Anton von
Gustav Schlesier an Anton von Prokesch-Osten, Stuttgart, 31. Mai 1838, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton [?], Bl. 8-9v 1838

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id4135
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Schlesier, Gustav
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationStuttgart
Date31. Mai 1838
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton [?], Bl. 8-9v
Size/Extent of item3 ¾ eighd. beschr. Seiten
IncipitEw. Excellenz würden auf Ihre unschätzbare Antwort
Type of letterBriefe Dritter
Digital item: TextGustav Schlesier an Anton von Prokesch-Osten Stuttgart, 31. Mai 1838 Hochgebietender, Hochzuverehrender Herr ! Ew. Excellenz würden auf Ihre unschätzbare Antwort vom 25 März schon längst meine heißeste, verehrungsvolle Danksagung empfangen haben, wenn ich es nicht bei so großer Entfernung von Ihnen für richtiger erachtet hätte, die weitere Mittheilung über mein Vorhaben und dessen nächste Stadien damit zu verknüpfen. Dies vermochte ich aber bisher noch nicht ausreichend zu thun. Entschuldigen Sie deshalb meine Säumniß geneigtest und gestatten Sie, daß ich namentlich die redliche, liebevolle Offenheit, mit der Sie das fragliche Unternehmen beurtheilt haben, als d e n Theil Ihres durchweg kostbaren Briefes heraushebe, der für mich nicht nur der belehrendste, sondern zugleich die größtmögliche Auszeichnung war. Was Sie darüber äußern, fand in mir den unbedingtesten Wiederhall. Und wenn ich nach diesem Geständniß es wagen dürfte, mein Vorhaben - wie ungenügend und lückenhaft es immer ausfallen mag und muß - dennoch auszuführen und Ihrer Theilnahme anzupreisen, so liegt dann wenigstens klar und offen vor Ihren Augen, daß es auf ein so umfassendes Werk gar nicht und mir viel weniger von vorn herein abgesehn seyn soll. Gerade gegenwärtig von Geschäften dringender Natur umringt muß ich für die fragmentarische Form der Bemerkungen, die ich heute deshalb anreihe, nachsichtige Beurtheilung erbitten. Ich fand in Gentz einen der größten politischen Schriftsteller, die es jemals gegeben hat und meine, daß seine größeren und kleinen, öffentlichen oder geheimeren Schriften einen um so dauerndern Werth besitzen, als sie zumeist in die wichtigsten Perioden des neueren politischen Ideenkampfes sowie der europäischen, besonders aber der deutschen Verhältnisse eingreifen. Dies bewog mich solchem Manne ein auch unter den weiteren Weltfortgängen für die vergeßlichen und der Erinnerung an Großes, nach Form und Inhalt so vollendetes bedürftigen Zeitgenossen heilsames Denkmal aufzurichten, welches, so schwach es beginne, dieses Autorthum in lebendigem Andenken erhalte, diesen Geist und dieses Talent, beide bisher lange nicht genug gewürdigt, für die nächste und fernere Zukunft zu fixiren und so nach allen Seiten eine, wenn schon fragmentarische, doch jedenfalls zweckdienliche Sammlung und Erinnerung abzugeben im Stande sey. Ew. Excellenz wissen jetzt, daß ichs zunächst und vorwiegend mit dem Schriftsteller Gentz zu thun habe. Wenn dieser Theil des Gentzischen Genius auch in die sonstige Wirksamkeit hinüberleitet oder auch an sich in geheimeren, diplomatischen Sphären allein seine letzte und höchste Ergänzung findet, so // kann doch auf diesem Gebiete auch Beschränkung Statt haben und ich darf mich wohl durch den nächsten Zweck berechtigt glauben, vom Vorhandenen und Bekannteren auszugehn, und hoffen, wenn das Glück begünstigt, dies und jenes Unbekannte, Verborgene für meine Sammlung zu gewinnen. Kann man etwas von der letztern Art jetzt und mit der Zeit von dorther, wo sich diese Schätze gehäuft finden, so schwer es seyn mag, loszueisen hoffen, so dürfte für mich wenigstens kein andrer Weg dazu geboten seyn, als durch Ihren Einfluß, Ihre Hand, Ihre Theilnahme an meinem Wollen und Ihr Vertrauen zu meiner gewissenhaften, diskreten und wahrhaft begeisterten Absicht. Ich weiß, daß ich hier etwas Gutes, Schönes fördere; ich weiß, daß Sie nicht der Mann sind, sich und Ihre Kraft einem solchen, wenn auch noch so unbedeutenden Lebensgenossen zu entziehen. Was Sie vermögen, thun Sie gewiß. Ew. Excellenz anschaulich zu machen, daß ich nicht daran denke, ein allseitiges, umfassendes Bild Ihres verewigten Freundes zu geben, das ists, was ich in dem Bisherigen versuchte. Eine solche Darstellung würde alle meine Fähigkeiten weit übersteigen und dürfte für einen nicht ganz Eingeweihten unmöglich, für einen Fähigen und Kundigen aber schon um der Gegenstände und Verhältnisse Willen nicht mittheilbar seyn. Nach meinem Plane wird eine Lebensskizze - vielleicht die von Varnhagen mit ergänzenden Zusätzen vermehrt - ausreichen; eine Charakteristik der schriftstellerischen Gentzischen Thätigkeit darf ich mir wohl zutrauen bis auf gewisse Regionen hin zu verfolgen und dazu zu geben. Doch gehört dies einem der späteren Theile meines Unternehmens an. Inzwischen bereite ich eine Auswahl kleiner Gentzischer Schriften und Reliquien von mehreren Bänden und begnüge mich damit, sie schicklich aneinanderzureihen, eine bevorwortende Einleitung voraus zu schicken und die einzelnen Stücke mit aufklärenden Eingängen und einzelnen Notizen auszustatten. Diese Reihe meisterhafter kleiner Aufsätze, Briefe und ungedruckter Reliquien wird vor der Hand ein, wenn schon gewiß nur anfängliches, aber jedenfalls dankenswerthes und für mich oder Andere Weiteres vorbereitendes Monument zu Ehren des Ehre und Nachwirkung so sehr würdigen Meisters seyn. Gerade diese kleinen Schriften sind zerstreut, zum Theil schon jetzt ganz unbekannt, und gerade diese kleinen Sachen und Reliquien ziehen durch Inhalt und Form auch das größere Publicum zu diesem Geist hin. Ich vermag damit am ehesten einen Prototyp dieses politischen Schriftstellers in seiner Ganzheit und nebenher gar manches Stück, manchen Baustein zur Charakteristik des Staatsmanns und des Menschen zu liefern. Nach und nach erweitert sich wohl auch dieses kleine Denkmal; denn ich habe die Thätigkeit für Gentz zu einer bleibenden Aufgabe meines Lebens erkohren. Ich denke also zunächst nicht einmal an die wirkliche Gesammtausgabe, obschon // ich mir eine solche keineswegs damit verschließen will. In Deutschland ist so Etwas sehr schwer durchzuführen. Der Politiker hat bei uns fast nie ein so weites Publicum, ja nicht einmal jenes durchgreifende Ansehn bei allen Parteien, das in England z. B. der Geist Burke's so gut wie der Locke's, oder in Frankreich Montesquieu wie Rousseau, Benjamin Constant wie Guizot genießt. Dazu hindert jetzt Weick's "Nachdruck" der größeren Gentzischen Werke. Auch würde, wie Sie so treffend bemerken, [auch] die Gesammtausgabe doch nur ein Fragment von Gentz darstellen. Dagegen ein kleineres Ganze, wie ich es zunächst zu geben gedenke, auf ein größeres nur immer begieriger macht und ihm auch in fernere Zukunft den Weg bahnt. Zu meinem jetzigen Unternehmen gehört vorzüglich Eifer, Übersicht des Bekannten und der Situationen und für größeres Gelingen - Glück. Das, was als Gentzische Schrift bekannt ist, übersehe ich in großer Vollständigkeit. Dagegen ist d e r Theil seines diplomatisch-journalistischen Wirkens, auch aus der Region des Öffentlichen, der mit den Befreiungskämpfen anhebt und sich auf Vertheidigung österreichischen Interesses oder der europäischen Cabinette bezieht, wohl nur sehr Wenigen vollständig bekannt und was sich auch davon bei mir angesammelt hat oder notirt ist, hier ist mir jede Notiz, jede Mittheilung von besonderstem Werth. Ich stelle späterhin auch aus diesen Stücken die erheblichsten und schönsten in einem eignen Bande meiner Sammlung zusammen. Bis dahin gelingt es mir hoffentlich mich auch in diesem Bereich genügend zu orientiren. Einzelne unbekannte und ungedruckte Stücke würden gerade diese Partie noch glänzender machen. Jetzt sollen Ew. Excellenz auch sehen, wie ernsthaft diese Sache angegriffen wird. Ich hoffe Ihnen mit ziemlicher Sicherheit noch im Herbst dieses Jahres die zwei ersten Bände des Denkmals der "Schriften von Friedrich von Gentz" übersenden zu können. Erschrecken Sie nicht ! Ich bin für nächste Zwecke soweit vorbereitet; was ich noch durch wohlwollende Mittheilungen erhalte, betrachte ich als eine Bereicherung, die je eher desto lieber, aber immer zur rechten Zeit zufließt. Der 1ste Band wird nach der allgemeinen Einleitung lauter Briefe von Gentz und zwar großentheils ungedruckte, nebst einigen bisher so gut wie unbekannten Briefen enthalten. Was ich Neues dieser Art erhielt - und zwar lediglich von Berlin aus, war mittheilbar und gereicht dem Staatsmann und Menschen zur Ehre. Das Stärkste und hie und da Verfängliche dürfte einzig und allein in den schon früher veröffentlichten Briefen an Rahel zu finden seyn. Nun sind sie aber schon einmal gedruckt und inmitten andrer Briefreigen und ernster Schriften verlieren sie zwar gewiß nicht an Interesse, aber jedenfalls von ihrer theilweis ungünstigen Wirkung. Wie würde ich mich glücklich schätzen, wenn sich in Ihren Papieren einiges Briefliche von Gentz vorfände, das mir zur Ausschmückung dieses Bandes oder eines späteren überlassen werden könnte. Der 2te Band wird kleinere Schriften theoretischen und historisch-politischen Inhalts bringen, lauter glänzende Einzelstücke, darunter aber // noch nichts aus der großen Menge von Zeitungsartikeln und diplomatischen Schriften, mit welchen er seit 1814 die öffentlichen Angelegenheiten begleitete. Diese letzte Partie wird, wie gesagt, aufgespart, weil sie nur mit großer Mühe und nach vielseitigen Winken vollständiger zu überblicken [xxx] ist. Dies wäre denn eine genauere Relation meiner nächsten Absichten. Für die schönen Worte, die Sie mir zur Charakteristik Gentz's mitzutheilen die Güte hatten, bleibe ich wie für jedes Geschenk dieser Art höchlichst verbunden. Von alle dem geht nichts verlohren. Die Artikel der Minerva finden Sie künftig im 2ten Bande meines Denkmals. Mein eignes Exemplar, das Ihnen ohne Frage zu Gebote stünde, kann ich leider wegen des Abdrucks nicht entbehren. Ich bin selbst nur schwer dazu gelangt und es würde, weil die betreffenden Artikel in mehreren Heften zerstreut sind, nur mit großen Unkosten ein zweites aufzutreiben seyn. Deshalb wünschte ich, Sie möchten sich bis auf meine Spätjahrsendung gedulden. Von Weick's Sammlung ist bis jetzt nur der dritte Band erschienen; er enthält das bekannte Werk: England und Spanien. Soviel für diesmal, hochverehrtester. Vielleicht wird es mir vergönnt, auf dieses eine baldige Mittheilung von Ihnen zu begrüßen. Zürnen Sie nicht über die Zudringlichkeit, die ganz unverantwortlich wäre, wenn nicht der Eifer für den Gegenstand mich dazu triebe, und vergeben Sie, daß ich bisher nur in meinem Interesse, und über diese Angelegenheit vor Ihnen zu sprechen wagte. Doch Glück und Segen ruf' ich Ihnen jedesmal in die Ferne zu. Genehmigen Sie noch die wiederholte Versicherung der Hochachtung und verehrungsvollsten Gesinnungen, mit denen ich schließe Ew. Excellenz Stuttgart den 31. Mai ganz gehorsamster 1838. G. Schlesier. H: HHStA, Wien.Nachlaß Prokesch-Osten, Karton , Bl. 8-9v. x Bl., F: ; 3 ¾ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.