These titles were already interesting to you:

Gentz ; Ottenfels-Gschwind, Franz von
An Franz von Ottenfels-Gschwind, Wien, 27. Januar 1825, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1825.g., Bl. 9-10v und 11-18v 1825

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id41
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Ottenfels-Gschwind, Franz von
LocationWien
Date27. Januar 1825
Handwritten recordHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1825.g., Bl. 9-10v und 11-18v
Size/Extent of item3 ½ eighd. beschr. Seiten und 16 eighd. halbbrüchig beschr. Seiten
IncipitSchon vor einigen Tagen sollte
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Franz von Ottenfels-Gschwind Wien, 27. Januar 1825 Wien den 27 Januar 1825. Schon vor einigen Tagen sollte eine außerordentliche Expedition an Sie abgehen. Da diese unter andern bestimmt war, Ihnen die an Lebzeltern (unterm 15ten d. M.) ergangne Instruction vorläufig mitzutheilen, so hielt ich es nicht für unnütz, dieser Mittheilung einige Noten beyzufügen, woraus Sie ersehen werden, wie i c h einen und den andern Punkt derselben betrachte. Zu gleicher Zeit habe ich eine Depesche geschrieben, die sich auf verschiedne andre Mittheilungen bezieht. Von meiner Seite war alles fertig; und der Fürst hat mir noch heute gesagt, die Expedition sollte vor sich gehen. Ich fange indessen an, es zu bezweifeln. Denn, wenn etwa noch bis übermorgen gewartet wird, so kömmt dann die nächste (den 2ten abgehende) Türkische Post schon so heran, daß [es] man vielleicht rathsamer finden wird, [xxx] <diese zu benutzen>. Der Fürst hat heute auch noch beschlossen, Ihnen eine von mir verfertigte Piece - in Bezug auf die von England erteilte // Antwort auf unsre Beschwerde wegen der Maßregeln der Jonischen Regierung - communiciren zu laßen. Es ist mir recht lieb, daß sie Ihnen bekannt werde; da sie aber litographirt werden soll, so vergeht abermals Zeit. Unterdessen schicke ich Ihnen Mein Theuerster Freund, hiebey ein andres lithographisches Produkt, welches Sie um so sichrer an mich erinnern wird, als a l l e die es bisher gesehen, es im höchsten Grade ähnlich finden. Und so schließe ich dieses Paket, der Himmel mag nun darüber beschließen, was er gut findet. Bleibt es bis zur nächsten Post liegen, so wird es noch mit einem Briefe vermehrt, wozu vermuthlich I h r e Mittheilungen vom 10ten d., die morgen oder übermorgen eintreffen müßen, mir Stoff geben werden. Unterdessen vale et fave ! Gentz // Wir haben diesen Morgen einen Courier aus Petersburg vom 15ten gehabt. Die Defection Englands - die Reise Statford Canning's über W i e n - die Unruhe über das, was zwischen ihm und unserm Cabinet vorgehen könnte und so fort - hatten die übelste Wirkung gethan, und Lebzeltern war mit Nesselrode in mehr als eine höchst unangenehme Discussion gerathen. Ein Courier von Tatischeff, der die ersten Nachrichten von der Aufnahme, die Stratford hier gefunden, und den Erklärungen des Fürsten über seine Sendung nach Petersburg brachte, trieb plötzlich alle Wolken vom Himmel; und die letzten Depeschen sind daher von Zufriedenheit, Lobes-Erhebungen, und Dankbarkeits-Versicherungen so voll, daß es ein wahrer Spaß ist, sie zu lesen. Die neusten Briefe aus Paris lauten über die Gesundheit der Fürstin etwas weniger beunruhigend, als die vorhergehenden; das heißt, sie deuten weniger auf nahe und schnelle Gefahr. Der Zustand scheint aber im Ganzen von der Art, daß nicht viel zu hoffen bleibt. // Da gegenwärtig die Reise des Kaysers nach Mayland entschieden ist, und in der Mitte des März bestimmt vor sich gehen soll, so hat der Fürst das Projekt, über Paris nach Mayland zu gehen, welches ich in jeder Rücksicht gut finde. Vor der Hand soll, oder s o l l t e dies Projekt noch geheim gehalten werden; man spricht aber bereits so viel und so laut davon, daß es wohl nächstens in den Zeitungen paradiren wird. Wenn es ausgeführt wird, so werde ich meiner Seits nicht vor Anfang des April nach Mayland gehen, woselbst übrigens der ganze Aufenthalt nicht über zwey Monat dauern wird. // Anlage auf eigenem Blatt: Noten zu der an Graf Lebzeltern erlaßnen Instruction. Sie werden mit dieser Instruction, an welcher ich selbst einigen Theil gehabt, gewiß nicht unzufrieden seyn, und das, was sie wesentlich-gutes enthält, nicht verkennen. Sollte sie Ihnen nicht erschöpfend genug erscheinen (wofür ich selbst sie nicht halte) so erwägen Sie nur, in welcher Lage wir uns befinden, und daß jede g r ü n d l i c h e und c o n s e q u e n t e Erörterung der Frage auf Resultate führt, die sich mit Rußlands Wünschen und Erwartungen nicht vereinigen laßen. Unsre Stellung ist von der Art, daß wir das Beste, was wir zu sagen hätten, großentheils verschweigen [müßen] und uns glücklich preisen müßen, wenn nur das, was // wir sagen k o n n t e n, auf guten Boden fällt. Die Instruction, so wie sie ist, sichert uns unterdessen einige nahmhafte Vorteile. Die Grundsätze, welche die Basis jeder Verhandlung mit der Pforte, an welcher w i r Theil nehmen sollen, bezeichnen, sind so deutlich darin ausgesprochen, daß kein Mißverständniß und keine Mißdeutung Statt finden kan; unsre Position ist vollkommen definirt. - Auf der andern Seite ist Rußland die Möglichkeit genommen, falsche und halsbrechende Schritte zu thun, wenn es sich nicht schlechterdings und gewaltsam von uns trennen will, welches gewiß der letzte aller Entschlüsse ist, zu welchen der Kayser Alexander greifen würde. // Die lange Parallele, gleich am Eingange, zwischen der Griechischen Insurrection und den frühern, wurde durch einen armseligen Gemeinplatz veranlaßt, womit das Russische Cabinet nicht müde ward uns heimzusuchen, und der, obschon unter aller Kritik, doch endlich gerügt werden mußte. Wenn es wahr ist, wie Nesselrode sagt, q u e l e s c r i s e s s o n t a b s o l u m e n t s e m b l a b l e s - so fordre man uns auf, ein G l e i c h e s, wie in den vorhergehenden Crisen, nicht aber d a s E n t g e g e n g e s e t z t e zu thun. - Wir hatten zwey Mittel, den Trugschluß zu Schanden zu machen. Das eine war, den Vordersatz zuzugeben, und daraus zu folgern, daß wir die Griechische Insurrection eben so behandeln müßten, wie die Neapolitanische, Spanische // pp Dies haben wir, wie mich dünkt deutlich genug zu verstehen gegeben; wir durften aber nicht darauf insistiren, weil wir wohl wußten daß es tauben Ohren gepredigt war. Wir mußten also das zweyte Mittel ergreifen, nehmlich den Vordersatz umzustoßen, und, anstatt der absoluten G l e i c h h e i t der Fälle, vielmehr die wesentlichen V e r s c h i e d e n h e i t e n heraus zu heben. Auf diese Weise deckten wir auch so viel als möglich, unsre eigne Consequenz. Denn auch wir sind ja nun einmal g e z w u n g e n, die Rebellion der Griechen ganz anders zu behandeln, als die der Neapolitaner ppp Was bleibt uns übrig, als uns auf einem schwächern Punkte zu verschanzen, da wir den stärkern nicht behaupten können ? Der Vorschlag, die e v e n t u e l l e Anerkennung der Unabhängigkeit // [Unabhängigkeit] der Griechen als N e g o z i a t i o n s - M i t t e l zu gebrauchen, wird Sie auf den ersten Anblick befremden, und vielleicht alarmiren. Hier sind die Rechtfertigungs-Gründe: 1. Wie die Sache gemeynt war, und daß w i r wohl in jedem Falle die letzten seyn würden, die zu einer solchen Anerkennung schritten - das wissen Sie am besten; und das ist wie mich dünkt, durch die hinzugefügten E r k l ä r u n g e n und R e s t r i c t i o n e n so deutlich bezeichnet daß Niemand sich über unsre wahre Absicht täuschen kan. 2. Selbst als Drohung soll dies Mittel nur dann angewendet werden, wenn die Pforte sich allen gütlichen // Propositionen hartnäckig widersetzte; welches in der heutigen Lage der Dinge nicht zu besorgen ist. 3. Von jeher hat man gegen uns behauptet, daß vernünftige Vorstellungen allein bey der Pforte nichts fruchteten, und daß, wenn wir nie zu Drohungen unsre Zuflucht nehmen wollten, jeder Unterhandlungs-Versuch vergeblich wäre. Man hat uns oft genug zu verstehen gegeben, daß, wenn es <uns> nur Ernst wäre, zum Zweck zu gelangen, wir auch die dahin führenden Mittel nicht scheuen würden. Rußland aber k a n n t e, und m e y n t e nur Eine Drohung - die mit K r i e g. Dies war zu gleicher Zeit - die u n g e r e c h t e s t e, - die u n s i n n i g s t e - // und, die g e f a h r v o l l s t e. Von dieser mußten wir uns um jeden Preis losmachen. Wir haben also eine andre Drohung substituirt, die, wenn gleich immer noch hart genug, doch weniger sinnlos, und w e i t weniger gefährlich ist; besonders da wir - allem Anschein nach - Rußland damit eben so sehr schrecken als die Türken ! Zwischen zwei Uebeln das kleinste wählen, ist auch Weisheit. Der Krieg ist die schrecklichste aller Perspectiven. Die Drohung mit der Unabhängigkeits-Anerkennung ist - besonders von u n s r e r Seite kommend - ein Gaukelspiel. Uebrigens gestehe ich Ihnen, daß ich selbst die wirkliche Unabhängigkeit der Griechen - mit allen ihren Schrecknissen, die kein Mensch tiefer // fühlt als ich - immer noch ungleich minder fürchte, als eine Russische Krieges-Erklärung, die den unmittelbaren Untergang des Türkischen Reiches, und die Auflösung Europas zur unvermeidlichen Folge haben müßte. Ich nehme daher auch unbedenklich die Verantwortung für diesen Vorschlag auf mich, dessen erste I d e e wohl in meinem Kopfe entsprungen seyn mag.* 4. Der Zustand der öffentlichen Meynung in allen Europäischen Ländern ist in Bezug auf die Griechische Frage in einem so durchgängigen und schneidenden Widerspruche mit u n s e r n Grundsätzen, daß es schlechterdings nothwendig wird, nicht nur mit großer Behutsamkeit, sondern selbst mit // einiger Verstellung zu Werke zu gehen, um die Welt nicht z u s e h r gegen uns aufzubringen. Ich bin wahrlich keiner von denen, die den Regierungen zumuthen, oder gar anrathen, mit einer falschen und verderbten Meynung zu capituliren, so lange sie nicht zu einer furchtbaren M a c h t herangewachsen ist. Hier aber h a t sie diesen Charakter angenommen, und der Widerstand gegen diese Macht hat seine letzte Gränze erreicht. Es giebt nicht mehr zehn stimmfähige Menschen i n E u r o p a die sich nicht für die Unabhängigkeit der Griechen erklärten. Dies ist eine bejammernswürdige, aber eine u n g e h e u r e Thatsache, die der stärkste Minister nicht gering schätzen darf. Können wir von der Pforte nur irgend einige // Schein-Concessionen erhalten, womit wir das allgemeine Geschrey beschwichtigen, so gehe ich muthig in den Kampf mit der Raserey einer ganzen Generation. Daß wir aber die Unabhängigkeit der Griechen unter keiner Bedingung, - auch wenn die Pforte g a r n i c h t s für sie thun wollte - zulaßen würden, - das - dürfen wir zwar in unserm Innern noch d e n k e n, aber nicht mehr l a u t w e r d e n l a ß e n. So viel zur Verteidigung des einzigen Punktes der Instruction, der der kleinen Anzahl ächter und fester Bekenner der wahren Grundsätze anstößig seyn könnte !Eine große Lücke in der Instruction rührt daher, daß man sich immer noch zu aus//schließend mit den Türken und zu wenig mit den Rebellen beschäftigt. Man überlegt, was zu thun wäre, wenn die Pforte durchaus auf keine Vergleichs-Vorschläge hören sollte. Was aber geschehen soll, wenn die Griechen - wie man doch mit ziemlicher Gewißheit vorsieht, - sich nicht darauf einlaßen wollten - davon wird n i c h t s gesagt. Man fühlt, daß das die schwache Seite ist. Wir haben wenigstens den Muth gehabt, <die Frage> "ob irgend ein Souverain die Griechen würde a n g r e i f e n wollen ?" - aufzuwerfen, und ziemlich bestimmt zu v e r n e i n e n. Wenn man aber fest entschlossen ist, diesen würdigen Freyheits-Helden keinen Finger zu krümmen durch welche andre Convictiv//-Mittel sollen sie vermogt werden, sich i r g e n d e i n e n Pacifications-Plan gefallen zu laßen ? M e i n e Antwort ist einfach und bündig. Man soll sie ihrem Schicksal, und der Pforte überlaßen, und das Resultat a b w a r t e n. Das wollen, oder können nun die Höfe einmal nicht. Der Vorschlag, die Pforte aufzufordern, daß sie selbst Maßregeln zur Beendigung der Insurrection angebe, und ihren Freunden mittheile, anstatt ihr ein von uns gemachtes Projekt anzubieten - ist sicher sehr zweckmäßig, und die beste Form zu Einleitung regelmäßiger Verhandlungen. Es wird Ihnen nicht entgehen, daß in der Instruction verschiednemahle g e f l i s s e n t l i c h // der Ausdruck: l'insurrection de la M o r é e et des i s l e s de l'Archipel - gebraucht wird. Der Fürst hat sich darüber gegen Lebzeltern in einer Neben-Depesche erklärt. Er will nehmlich von der Insurrection in den übrigen Griechischen Provinzen g a r k e i n e N o t i z n e h m e n, glaubt sie mit Stillschweigen übergehen zu können, und hofft sogar, auch Rußland werde das "unsinnige" Projekt, für die Griechen in Livadien, Thessalien, Acarnanien, Epirus pp unterhandeln zu wollen, aufgeben. Ich theile diese Ansicht, aus mehr denn einem Grunde, nicht, laße mir indessen den V e r s u c h die Hälfte, und vielleicht die größre und schwerere Hälfte der Frage de facto abzuschneiden, als Versuch recht gern gefallen. // Die Sache steht nun so, daß ich in der That allen großen Besorgnissen für erste entsagen würde, wenn ich nur mit einiger Gewißheit darauf rechnen dürfte, daß die Türkischen Minister sich mit Klugheit und Mäßigung benähmen. Der bekannte Brief des Lord Strangford an Chabert enthält den wahren Leitfaden, der sie aus allen Verlegenheiten ziehen könnte. Ich halte es aber für äußerst wichtig, daß Sie Sich bey der ersten Gelegenheit dieser Idee (die Chabert bey so veränderten Umständen ohnehin nicht mehr wird geltend machen können) bemächtigen. Ich habe Ihnen bereits anvertraut, daß jener Brief m e i n Werk war. Glauben Sie aber ja nicht, daß ich einen so guten Stoff a b s i c h t l i c h // in Strangford's Hände gespielt hätte. Nein ! Der Z u f a l l hat eins meiner Gespräch mit ihm so geleitet, daß ich meine Gedanken gegen ihn ausgesprochen habe. Er - stets wachsam und schlau - hat sie aufgegriffen, und als die seinigen nach Constantinopel spedirt. Sie haben deshalb nicht aufgehört, unser rechtmäßiges Eigenthum, folglich auch das Ihrige zu seyn; und wenn Sie <so> glücklich sind, sie dem Reis-Effendi e i n z u b l ä u e n, so werden Sie Sich um die Sache, und um die Türkische Regierung ein unsterbliches Verdienst erwerben. Ich schicke Ihnen hiebey correkte Versäume von der Correspondenz zwischen Canning und den Griechen. Turner ist beauftragt, sie dem Reis-Effendi mitzutheilen; indeß weiß ich, // daß d i e E n g l ä n d e r sehr wünschen, sie nicht zu bekannt werden zu laßen. Der Wunsch ist ziemlich abgeschmackt an sich, da die Griechen selbst keinen Grund haben, sie geheim zu halten. In jedem Falle aber ist u n s e r Interesse heute, daß diese Correspondenz - wenn gleich nicht öffentlich, welches ein für allemal mit unsern Grundsätzen streitet - <doch> unter der Hand diesem und jenem zu Gesicht komme, weil die Englische Politik sich darin in einem zugleich z w e y d e u t i g e n und s c h w a c h e n Lichte zeigt, so daß sie das Vertrauen niederschlägt, ohne doch die Furcht zu erwecken. NB Lord Strangford hat bis jetzt noch an Niemanden in Wien ein Wort geschrieben, obschon seit seiner Zurückkunft nach London, zwey oder drey Englische Couriere hieher gesendet worden sind ! * NB Die Pforte hat es übrigens in ihrer Hand, eine Russische Krieges-Erklärung u n m ö g l i c h und jede andre Drohung ü b e r f l ü ß i g zu machen; und dazu reichen W o r t e hin; aber freylich klug-gewählte. H: HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1825.g., Bl. 9-10v und 11-18v. x Bl., F: ; 3 ½ eighd. beschr. Seiten und 16 eighd. halbbr. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.