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Gentz ; Schönburg, Alfred Fürst von
An Alfred Fürst von Schönburg, Wien, 11. August 1828, HHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora [95], Faszikel: "Briefe von Hofrath von Genz aus den Papieren des Fürsten Alfred Schönburg. 1822-1931", Bl. 6-9v 1828

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3959
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Schönburg, Alfred Fürst von
LocationWien
Date11. August 1828
Handwritten recordHHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora [95], Faszikel: "Briefe von Hofrath von Genz aus den Papieren des Fürsten Alfred Schönburg. 1822-1931", Bl. 6-9v
Size/Extent of item8 eighd. beschr. Seiten
IncipitIhren sehr werthen Brief aus Oponavitz
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Alfred Fürst von Schönburg Wien, 11. August 1828 Wien den 11 August 1828 Ihren sehr werthen Brief aus Oponavitz, Mein huldreicher Fürst, habe ich allerdings erhalten. Aber mein immerwährendes Hin- und Herschweifen zwischen Waltersdorff, Weinhaus und Wien, und eine Mannichfaltigkeit von Geschäften hat mich nicht dazu kommen laßen, Ihnen früher zu schreiben. Auch heute verspreche ich Ihnen keinen rechtschaffnen Brief, sondern bloß ein Paar Fragmente, weil ich erst spät Abends anfangen konnte, und doch keinen Tag länger verstreichen laßen will. Ihre Bemerkungen über die Russischen Feldzüge bestätigen sich täglich mehr; und ob es uns gleich an ganz authentischen, genauen, und vollständigen Nachrichten fehlt, so sammelt sich doch nach und nach eine Masse von Notionen, die kaum noch bezweifeln lassen, daß die Russen ungleich schwächer, die Türken ungleich stärker sind, als wir vor zwey Monaten geahnt hätten. Den Berichten aus Constantinopel [zufol] vom 25ten July zufolge (deren S u b s t a n z Sie im morgenden Beobachter finden werden, obgleich wir die D e t a i l s // nicht einmal geben durften) hatten die Russen in allen den zahlreichen Gefechten zwischen dem 7ten und 20ten July den Kürzern gezogen. Davon ist freylich in ihren Bülletins nichts zu lesen; klar aber geht selbst aus diesen hervor, daß [sie] bis zum 23ten July noch an keinen Uebergang über den Balkan zu denken war, daß Varna sowohl als Schumla sehr ernsthaft verteidigt wird, und daß die Russen vor beyden Hauptpunkten, sich v e r s c h a n z t e n, folglich entweder noch viel Zeit verlieren, oder mit sehr getheilten Kräften den Marsch gegen Adrianopel antreten werden. Wenn es gegründet ist, daß die Türken 80 bis 100,000 Mann in der Position von Schumla haben, so können 2 Monate vergehen, bevor der geringste Eindruck auf diese Position gemacht wird; und da nach unsern wahrscheinlichsten Berechnungen, das Haupt-Corps, dem diese Operation obliegt, nicht über 40,000 Mann stark seyn kan, so sieht man nicht ein, wie dieser Knoten gelöset werden wird. In jedem Fall werden die Russen, wenn sie auch von nun an, noch so rasch vorschreiten sollten, <nicht> vor dem Spätherbst in die Nähe von Constantinopel gelangen [mögten]; und die Aufgabe, welche dort sie erwartet, // ist wohl nicht von der Art, daß sie im diesjährigen Feldzuge bestritten werden könnte.Noch haben wir vom Prinzen von Hessen erst Berichte aus Galacz, die wenig Aufschlüsse geben. Wenn die Correspondenz einmal im Gange seyn wird, - zu welchem Ende zweymal in jedem Monat Offiziere von Lemberg an ihn expedirt werden - wird hoffentlich an regelmäßigen Nachrichten weniger Mangel seyn als jetzt, wo wir die einseitigen Angaben der Russen nur durch sehr unvollkommne, oder sehr entfernte Correspondenzen einigermaßen controliren können. Wenn uns der Krieges-Schauplatz jetzt etwas weniger Sorge macht, so sieht es auf dem politischen desto schlechter aus. Sie werden gewiß Mühe gehabt haben, zu glauben, oder zu begreifen, wie das Englische Ministerium zu der unseligen Französischen Expedition nach Morea seine Zustimmung geben konnte; und wenn Ihnen vollends Französische Journale zu Gesicht kommen, so werden Sie nicht ohne Schrecken inne werden, mit welchen Werkzeugen und in welchem Geiste diese heillose Expedition // geführt werden soll. Das g e r i n g s t e Uebel, welches sie stiften wird, ist, daß die Pforte, die äußerst geneigt war, mit England und Frankreich zu unterhandeln, nun von neuem gereitzt und erbittert, auf keine Friedens-Vorschläge mehr achten, und (v i e l l e i c h t zu ihrem Heil ?) nichts als ihre Verzweiflung mehr zu Rathe ziehen wird. Was aber nach diesem Probestück von Ungeschicklichkeit und Schwäche - von E n g l a n d weiter zu erwarten ist, läßt sich leicht berechnen. Verzeihen Sie, Mein Fürst, wenn ich hier, anstatt weiter zu gehen, einen Augenblick anhalte, und Ihnen einen Vorschlag thue, dessen gute Absicht Sie nicht verkennen werden, und dessen Zweckmäßigkeit Ihnen gewiß einleuchten wird. Es geht mir mit einer politischen Privat-Correspondenz ungefähr so, wie, wenn ein Freund mich bittet, ihm e t w a s z u m L e s e n zu schicken. Wenn man mir nicht einen Fingerzeig giebt, so weiß ich nicht, wo ich anfangen, und wo ich endigen soll. Ich bin gewohnt, mit Ihnen über alles, folglich über // eine große Masse von Gegenständen zu sprechen. Beym Schreiben wird mir die Wahl schwer; meine Zeit ist beschränkt; und auf mehr oder weniger unsichern Communications-Wegen darf ich Ihnen ohnehin meine Gedanken nur verstümmelt mittheilen. Ich wünschte daher, wenn Ihnen an der Fortdauer unsrer Correspondenz, die mir sehr willkommen seyn soll, gelegen ist, daß Sie mir künftig - wo möglich en forme d'interrogation - die Gegenstände bezeichneten, worüber Sie vorzüglich Auskunft von mir wünschen. Dies wird meinen Briefen eine bestimmte Richtung geben, und mich von der Gefahr befreyen, vielleicht gerade das, wovon Sie am liebsten hören oder wissen mögten, nicht zu berühren, und Sie von Dingen zu unterhalten, die Ihnen entweder gleichgültig, oder aus andern Quellen bereits vollständig bekannt sind. Ich bitte Sie, mir genau anzugeben, wann Sie wieder in Prag zu seyn, und wie lange Sie dort zu bleiben gedenken. Ich will Ihnen einige sehr interessante Briefe von Prokesch mittheilen, die, außer Ihnen, auch Windischgrätz und Clam lesen // sollen. Ich werde Ihnen alsdann auch sagen können, ob ich eine Möglichkeit absehe, Sie irgendwo, bevor Sie Böhmen verlaßen, zu treffen. Daß dies mein lebhaftester Wunsch ist, kan ich Ihnen wohl versichern; es hängt aber von mancherley Umständen ab, über welche ich mich heute nicht aussprechen kan. Sie müßen nothwendig in Prag seyn, wenn ich frey und sicher mit Ihnen communiciren soll. Die Adresse, unter welcher ich Ihnen heute schreibe, giebt mir keine hinreichende Garantie. Der Brief, dessen Abgang Sie mir meldeten, hat mir von einer Seite wahre Freude gemacht, von der andern mich herzlich betrübt, weil ich daraus deutlich ersehen habe, daß m e i n e Briefe, wie es auch kaum anders seyn konnte, weit entfernt d'améliorer mes affaires, ne sont que mettre mal à son aise, et tourmenter en pure perte une personne, trop sensée pour ne pas s'en moquer un peu, et trop bonne cependant, pour me le dire. Sie Schreibt mir: "je ne veux pas faire de plus longues phrases // qui, a p r è s m' a v o i r c o u t é b i e n d e l a p e i n e, seroient encore trouvées froides et cérémonielles." Ist dies ermunternd für mich ? Ist es nicht vielmehr eine heilsame Lection ? Hinzu kömmt nun, daß ich von dem Thun und Lassen dieser Person, die nur wie ein schöner Traum vor meiner Seele schwebt, ganz ununterrichtet bin, daß ich nicht weiß, wo sie sich jetzt aufhält, nicht, wo sie sich aufhalten w i r d, daß ich meine Briefe auf gut Glück ins Land schicken, und jedem Zufall etc. Preis geben müßte. Wenn Sie, Mein Theurer Fürst, mich wenigstens über diese Umstände aufklären wollten, so würden Sie mir schon eine große Herzens-Erleichterung verschaffen. Die Wahrheit ist, daß ich den Muth verloren habe, während alles übrige unverändert geblieben ist. Ich bringe zwey oder drey Tage jeder Woche in Waltersdorff zu. Die Fürstin ist, ich glaube im vierten Monat ihrer Schwangerschaft. Victor seit dem 1ten August hier. Wir leben alle in Einigkeit, Friede, und Freundschaft, wie die Engel im Himmel. Auch in Weinhaus herrscht der Friede wieder. Ich bin mit Lady Cowley, wie in den besten Zeiten; und wie schön mein Garten ist, können Sie Sich kaum vorstellen. Mit meiner Gesundheit // steht es, wie vorhin. Von dem einzigen Uebel, worüber ich zu klagen habe, der Brust-Beklemmung beym Gehen, hat Marenzeller mich nicht befreyt. Da ich indessen sitzen und fahren, essen und schlafen, sprechen und arbeiten kan, so tröste ich mich darüber. Mit Vergnügen ersehe ich aus Ihrem Briefe, daß auch Sie mit Ihrer Gesundheit zufrieden sind. Ich hoffe Sie schreiben mir gleich nach Empfang des gegenwärtigen, weil die verschiednen Data, die ich mir von Ihnen erbitte, mich sämmtlich sehr interessiren. Sie haben mich von jeher mit <so> ausgezeichnetem Wohlwollen behandelt, daß ich der undankbarste aller Menschen seyn müßte, wenn ich Sie nicht von Herzen verehren und lieben sollte; und in der letzten Zeit war Ihr Umgang mir eine so angenehme Gewohnheit geworden, daß ich mich jetzt recht oft nach Ihnen sehne. Wenn Sie, Mein Fürst, die Versicherung meiner treuen Ergebenheit so gütig aufnehmen, als ich sie Ihnen von Herzen darbiete, so erfüllen Sie einen der besten Wünsche Ihres alten Dieners Gentz H: HHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora, Fasz.: "Briefe von Hofrath von Genz aus den Papieren des Fürsten Alfred Schönburg. 1822-1931", Bl. 6-9v. x Bl., F: ; 8 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.