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Schlesier, Gustav ; Prokesch-Osten, Anton von
Gustav Schlesier an Anton von Prokesch-Osten, Stuttgart, 18. November 1840, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton [?], Bl. 18-19v 1840

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3957
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Schlesier, Gustav
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationStuttgart
Date18. November 1840
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton [?], Bl. 18-19v
Size/Extent of item4 eighd. beschr. Seiten
IncipitEw. Excellenz kann ich nun doch melden
Type of letterBriefe Dritter
Digital item: TextGustav Schlesier an Anton von Prokesch-Osten Stuttgart, 18. November 1840 Stuttgart, den 18. November 1840. Ew. Excellenz kann ich nun doch melden, daß endlich die längst vorbereitete Sendung an Sie der hiesigen Gesandschaft übergeben worden ist: Graf Crivelli wird die Güte haben, es der möglichsten Beschleunigung in Wien zu empfehlen. Das Paket enthält einen großen Theil der mir durch dero Güte zugekommenen Handschriften und Materialien, die ich für meine Zwecke benutzt habe und nun dankbarlichst zurücksende. Da ich einmal diese Sachen an Ew. Excellenz abgehen ließ, legte ich auch den 4 und 5ten Theil des Denkmals mit bei. Hätte ich sie an die Triester Handlung gesendet, so wäre alles auf der Mauth geöffnet worden. Ich hielt darum doch den Gesandschaftsweg für geschickter, wenn die Bücher auch etwas später, als durch direkte Mittel, in Ihre Hand kommen. Dem handschriftlichen Theil dieser Sendung sammt ihrem Zubehör liegt ein ausführlicher G e l e i t b r i e f als Inhaltsangabe bei. Mögen Sie nun auch, mein hochverehrtester Herr und Gönner, dieses neuen Theils des Gentz, die Ihnen die Grundlage ihrer Existenz verdanken, in ihrer nunmehrigen Ausführung nachsichtig aufnehmen. Wenn Sie auch in vielen einzelnen Punkten mein Urtheil und meine Ansichten nicht billigen, so lassen Sie mindestens dem Ganzen einige Gerechtigkeit widerfahren. Ich habe gestrebt ein Denkmal zu errichten, fern von der Einseitigkeit fanatischer Parteien, aber auch ungefesselt von der Hingebung der Freunde und nächsten Genossen. Ich weiß auch, daß kein solcher Standpunkt leicht den Klippen entgeht, die ihn allseits umringen. Wenn // Sie, wie Sie in Wien waren, nur etwas von den Stimmen vernommen haben, die heute über diesen Mann so laut werden, und über diejenigen herfallen, die ihn, ganz oder nicht, vertreten, sein Verdienst und seinen Geist in Ehren halten, so werden Sie billig genug denken, die Unerschrockenheit eines Dritten anzuerkennen, der treu an einem Gegenstande hält, [xxx] von dem er doch in vielfältigen Rücksichten weit genug entfernt ist. Auf dieser Linie werd' ich stehen, man mag mich verdammen, von welcher Seite man will. Ew. Excellenz haben mir durch die That bewiesen, daß Sie meinen Weg, wenn auch nicht billigen, doch gelten lassen, und die Abweichungen übersehend, dem guten Willen Ihre Theilnahme nicht versagen wollen.Für diese bin ich Ihnen so verbunden, daß nichts in der Welt meine Gesinnungen für Sie alteriren wird, und daß, wenn Sie von meinen Einsichten auch nur eine geringe Meinung haben können, doch über mein Herz nie zweifelhaft werden sollen. Ich wünschte, daß Ihnen Auswahl und Anordnung einige Billigung ablocken könnte. Der französischen Sammlung, mit der ich jetzt beschäftigt bin, durfte ich das Material nicht schmälern; Anderes mußte ich aus Rücksicht auf Lebende für eine spätere Zeit zurücklegen; einiges Andre, was ich jetzt nicht auszugeben gut fand, hab' ich mir für einen spätren Anlaß copirt, von manchen Stücken, namentlich vielen Briefen an Gentz, glaubte ich nur, als Herausgeber, Notiz nehmen zu dürfen, und hab' mir meine Notizen daraus gezogen. - Der Rest von Originalien folgt nach Beendigung der französischen Sammlung, mit gar wenig Ausnahmen, sogleich an Ew. Excellenz zurück. Ich habe inzwischen von Ihnen noch F o l g e n d e s erhalten: 1. Ew. Excellenz Brief, datirt Athen 27 August, der die Ankunft eines Theils des Revolutionstagebuchs von Gentz verkündete. Den Auftrag an Hallberger hab' ich pflichtmäßig ausgerichtet. // 2. den angekündigten Theil des Werkes von Gentz, welches Sie als Revolutionstagebuch bezeichnen. 3. eine mir durch die Cotta'sche Buchhandlung zugegangene, für mich bestimmte Sendung Gentzischer Manuskripte. Davon ist auch schon einiges in dem abgesendeten großen Paket, weil ich es benutzt habe, wieder an Sie zurückgeliefert; die übrigen Stücke, die ich bei dieser Gelegenheit erhielt und noch behalte, sind folgende. 1.) Studien über Kant (wohl aus dem Jahr 1809), 2.) Fragment einer im Mai 1782 von gehaltenen Rede gegen einen Vorschlag zur Parlamentsreform, 3.) Die unvollendete Übersetzung von Burke' Letters on peace with the regicide Directory of France, 4.) Fragment von Studien über Hume zur Geschichte des Parlaments während der Regierung der Königin Elisabeth, Jakob I und Karl I. II. 5.) Die Copie der Bemerkungen zu einigen Stellen aus Fox' Geschichte der ersten Regierungsjahre Jakob's II. Fragment, 1809 geschrieben (diese Copie bewahr' ich zum späteren Druck). Für die Fortsetzung des Denkmals, und die Publikation Deutscher Schriften von Gentz wird und muß jetzt eine gewisse Pause eintreten, deren Dauer theils von dem Succeß der eben erschienenen Theile, theils von der Wichtigkeit oder dem Reichthum [xxx] neuer Materialien abhängen wird, die mir etwa inzwischen zukommen. Ich setze inzwischen meine Vorbereitungen und Sammlungen fort, ohne das, was ich jetzt noch übrig behalte, unnütz da und dort zu verschlittern. Das thue ich wenigstens nicht gern und nur bei angenehmen Veranlassungen. In dieser Lage muß ich Ew. Excellenz bitten, mit einem Antrag wegen des größeren Werkes vorerst noch einige Zeit Geduld zu haben, um so mehr als ich aus der Probe, die Sie mir zugehen zu lassen die Güte hatten, alsbald ersehen habe, daß es k e i n T a g e b u c h, sondern ein unbeendetes, und wie es scheint, // von Gentz selbst aufgegebenes Werk über die Revolutionszeit ist. Ä u ß e r e w i e i n n e r e K e n n z e i c h e n l a s s e n d a r ü b e r k e i n e n Z w e i f e l. Im Jahr 1795 kündigte Gentz's Verleger auch schon die Chronologische Darstellung der Geschichte der Französischen Revolution von Friedrich Gentz als demnächst erscheinend an. Sie erschien aber nicht, und das unbeendigte Werk, das Sie besitzen, ist eben dieser Abriß, den Gentz damals entwarf. Dieser Umstand ist jedoch von großer Bedeutung, und ändert das Sachverhältniß sehr. Gewiß bleibt das Werk auch so interessant genug, namentlich die raisonnirenden Zwischenreden; und ich beschäftige mich fortdauernd mit der Überlegung, wie und in welcher Form sich der eigentliche Gehalt des Werkes noch jetzt mittheilen ließe. Ich zweifle gar nicht, daß man aus dem Ganzen diesen wichtigern Kern (denn das blos Faktische würde nach den Quellen, die jetzt zu Gebote stehen, <sich> vielfach bereichert und fester gestellt ergeben) herausziehen kann. Nur müßte die Ausführung bis auf die Fortsetzung des Denkmals ausgesetzt bleiben; zur besondern Publikation eignete es sich schwerlich. Erlauben Sie daher, daß ich den übersendeten Theil für jetzt treulichst bewahre, die Sache weiter verfolge und bedenke, und Ihnen, wenn er reif ist, einen entschiedenen Antrag vorlege. Fänden Sie unter den handschriftlichen Reliquien von Gentz nicht auch die Auszüge und Noten zu Rulhière ? Ich wäre sehr begierig, diese zu kennen. Bestes Gedeihn wünsche ich dero Unterhandlungen über die größeren Mémoires. Gott lasse es Ew. Excellenz auch in das neue Jahr hinüber stets wohl ergehn; und mir gestatten Sie die Bitte um Ihr fortdauerndes huldreiches Wohlwollen. In der Versicherung unbegränzter Hochachtung verharre ich Ew. Excellenz gehorsamster Schlesier. H: HHStA, Wien.Nachlaß Prokesch-Osten, Karton , Bl. 18-19v. x Bl. F: ; 4 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.