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Gentz ; Ottenfels-Gschwind, Franz von
An Franz von Ottenfels-Gschwind, Wien, 19. November 1823, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1823.g., Bl. 113-115v 1823

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3657
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Ottenfels-Gschwind, Franz von
AusstellungsortWien
Datum19. November 1823
Handschriftl. ÜberlieferungHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1823.g., Bl. 113-115v
Format/Umfang5 ¼ eighd. beschr. Seiten
IncipitIch habe Ihr Schreiben vom 25ten
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Franz von Ottenfels-Gschwind Wien, 19. November 1823 Wien den 19 November 1823. Ich habe Ihr Schreiben vom 25ten v. m. Mein Verehrter Freund, mit dem herzlichen Interesse gelesen, welches ich stets Ihren Briefen widme. Glücklicher Weise finden sich die meisten Punkte desselben durch meine letzten Zuschriften bereits beantwortet. Ueber die Reise, und die (täglich fortschreitende) Gesundheit des Fürsten, über die Geschichte Ihres Berichtes vom 30ten September ppp sind Sie hoffentlich vollkommen beruhiget. Wir erwarten in wenig Tagen, sey es von Ihnen, sey es von Strangford, einen außerordent-lichen Courier. Durch diesen erst werden wir erfahren, welche Wirkung die Lemberger Depe-schen, und die Sendung Minciacki's bey der Pforte gemacht haben [werden]. Strangford's letz-tes Schreiben an Wellesley war, nach m e i n e m Gefühl, noch sehr stürmisch, obgleich der Fürst, der nun einmal von dem Satze nicht abgeht: "Die Sache ist a u s, und alles noch Uebri-ge Kleinigkeit" - mir selbst hierin, da ich doch den Brief in originali gelesen hatte, nicht ganz beystimmen wollte. Es steht uns übrigens mit Strangford noch // ein schwerer Moment bevor, an welchen, außer mir, Niemand zu denken scheint; der Moment nehmlich, wo er die Depesche aus London vom 11ten Oktober erhalten haben wird. Der Fürst meynt indessen: Son ambition nous répond de tout; il ne p e u t pas abandonner l'affaire. Die Inspirationen des Fürsten sind so oft richtig gewesen, daß Er sich vielleicht auch diesmal nicht irrt. Ich habe verschiedentlich einen Gedanken gehabt, den ich Ihnen mittheilen muß, wenn Sie ihn auch unausführbar finden sollten. Könnten Sie nicht i n a l l e r S t i l l e den Türkischen Ministern begreiflich machen, daß sie heute nichts klügeres zu thun hätten, als von freyen Stük-ken, und ohne Minciacki's Anträge oder Drohungen [aus] abzuwarten, das ganze zu beschlie-ßen und auszuführen, was Rußland von ihnen fordere, worauf es unfehlbar bestehen wird, und was sie, nach vielen unangenehmen Discussionen zuletzt doch einräumen werden, weil sie un-möglich verblendet genug seyn können, um sich wegen der Garnisonen in den Fürstenthümern, oder wegen Villara von neuem mit Rußland zu verzürnen ? Nach meinem // Dafürhalten könn-te die Pforte jetzt keinen geschicktern diplomatischen Streich führen, als der wäre, s o f o r t den größten Theil ihrer Truppen aus den Fürstenthümern zurück zu rufen, dieser Maßregel [xxx], ohne sich darüber in irgend eine Erörterung einzulaßen, einen ganz freywilligen und selbstständigen Charakter zu geben, und auf diese Weise nicht nur allen Unannehmlichkeiten und Schikanen die ihr sicher noch bevorstehen, auszuweichen, sondern auch den Russen die Satisfaction, ihr bis auf den letzten Augenblick Gesetze vorgeschrieben zu haben, zu verküm-mern. Eben so sollte sie den elenden Villara sans dire gare, nach Hause schicken, und den Russen den Spaß verderben, über die Behandlung[en] dieses Wichtes noch zehn Deductionen zu schreiben, und vielleicht Grundsätze aufzustellen, die in der Folge viel schädlicher werden können, als eine stillschweigende Resignation in dem vorliegenden höchst unbedeutenden Fall. Denken Sie Sich, welche Sensation, welches Erstaunen, welchen Jubel es erregen würde, wenn Villara auf einmal wieder in Bucarest erschiene, ohne daß man sagen könnte, die Russen hätten ihn erlöset ! Ich weiß nicht, ob die Türkischen Minister für coups dieser Art ganz unempfäng-lich sind; // so viel ist gewiß, daß ein Europäisches Cabinet leicht Sinn dafür gewinnen würde. - Uebrigens wäre das, was ich hier vorschlage, nebenher auch, als O e s t e r r e i c h i s c h e Machination, nicht zu verachten. Und sollte vollends Strangford sich von diesen letzten Schlachten ganz zurückziehen, so würde ich, an Ihrer Stelle, alles aufbieten, um wenigstens dem Minciacki die Ehre des Sieges nicht zu laßen, und die Evacuation der Fürstenthümer ganz auf u n s r e Rechnung zu bringen. Der Fürst hatte eine andre, der meinigen nahe verwandte Idee, daß Sie nehmlich dem Reis Effendi ins Ohr sagen mögten, er sollte die Sache so einklin-ken, als ob man bloß aus Gefälligkeit für unsern Kayser oder seinen Minister, bloß aus Achtung für u n s r e Vorstellungen in die Evacuation willigte; auch auf diesem Wege würde die Su-prematie Rußlands gewissermaßen außer Evidenz gehalten werden. Vielleicht schreibt er Ihnen Selbst etwas davon. Ich gehe jetzt zu ihm, um einen andern fatalen Gegenstand abzuhandeln, worüber ich Ihnen, bevor ich meinen Brief schließe, noch ein Paar Worte zu sagen gedenke. // Der Gegenstand, dessen ich eben erwähnte, betrift eine in Turin erhobne Ausstellung ge-gen einen Artikel des Traktats mit der Pforte. Wir haben dieserhalb so eben eine lange und breite Explication mit Pralorme gehabt, und es ist beschlossen worden, vor allen Dingen den Traktat selbst abzuwarten, den noch Niemand gesehen hat. Die Ausstellung des Sardinischen Hofes geht auf die Reciprocität der Einfuhr-Zölle, und zwar bloß in Hinsicht des fremden Ge-treydes, welches Sardinien zum Schutz seiner Grundbesitzer, mit hohen Abgaben belegt hat. Ich bitte Sie inständigst, Lord Strangford vor der Hand kein Wort von diesem unerwarteten Hinderniß zu sagen, welches ihn sehr verdrießen wird, w o r ü b e r w i r a b e r i n j e - d e m F a l l o h n e g r o ß e M ü h e h i n w e g k o m m e n w e r d e n.Es ist übrigens seltsam, daß der Strangfordsche Courier sich noch immer erwarten läßt. Vermuthlich sind die Wege sehr schlecht. Von hier weiß ich weiter nichts // <zu> sagen. Wir leben in einer Art von Stillstand. Seit der Rückkehr des Fürsten ist noch kein Courier expedirt worden, und da wirklich nichts dringendes auf dem Tapet ist, so pflegen wir einmal der Ruhe, und sehen der Dinge, die da kommen sollen entgegen. Den besten Dank für den Caffee ! Sie vergessen mich nie, so wie ich gewiß auch Sie, Mein Theuerster Freund, nie vergesse. Gentz H: HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1823.g., Bl. 113-115v. x Bl., F: ; 5 ¼ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.