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Gentz ; Müller, Johannes von
An Johannes von Müller, Dresden, 3. Februar 1806, Jagellonische Bibliothek, Krakau. Handschriften der ehemaligen Preußischen Bibliothek, Sammlung Radowitz, Inv.-Nr. 6109 1806

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3597
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Müller, Johannes von
AusstellungsortDresden
Datum3. Februar 1806
Handschriftl. ÜberlieferungJagellonische Bibliothek, Krakau. Handschriften der ehemaligen Preußischen Bibliothek, Sammlung Radowitz, Inv.-Nr. 6109
Format/Umfang2 Bl., F: 228mm x 186mm; 4 eighd. beschr. Seiten
DruckorteDombrowsky, Alexander: Ein Brief von Gentz an Johannes Müller, in: Sonntagsbeilage Nr. 13 zur Vossischen Zeitung Nr. 151, Berlin, 29. März 1908, 97-98
IncipitDaß ich Ihnen so lange nicht
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Johannes von Müller Dresden, 3. Februar 1806 Dresden den 3 Februar 6. Daß ich Ihnen so lange nicht schrieb, hatte seinen Grund gröstentheils in der Art von Trägheit die allemal in eine Correspondenz einkehrt, wenn man sich einander sehr nahe befindet. Weil man so leicht mit einander communiciren kan, hält man es für weniger dringend, es zu thun; und diesmal kam nun noch der Umstand dazu, daß ich, nach allem, was ich theils von Ihnen selbst, theils durch d'Antraigues erfuhr, mit Sicherheit darauf rechnete, Sie bald persönlich zu besitzen. Diese Hoffnung nähre ich auch noch; ich gehe vor dem Monat März gewiß nicht nach Wien zurück; sollten Sie nun bis dahin nicht nach Dresden kommen - welches jedoch sehr recht, und gut, und klug, und erfreulich von Ihnen gethan wäre - so nähere ich mich späterhin Berlin, und lade Sie zu einer Zusammenkunft ein, die Sie gewiß nicht ablehnen werden. Ich brachte mehrere Tage mit dem Prinzen Louis in Zwickau zu, war auch Einen Tag mit ihm in Leipzig, und fand ihn, ernster, entschlossner, unterrichteter, und lebendiger, als je zuvor. So lange // doch solche noch leben, ist es unmöglich, an der Rettung zu verzweifeln; und vieles, was ich dort über die Stimmung in Preußen, besonders in der Armee hörte, hat mich über den eckelhaften Eindruck, den in dieser Rücksicht Schlesien auf mich machte, wesentlich getröstet. Ich las hier hinter einander alle die vortreflichen Artikel, die Sie seit dem Oktober in die Jenaer Zeitung gaben; (von dem über das d'Antraiguessche Produkt hörte ich nur vor einigen Tagen, sah ihn aber noch nicht) doch, so sehr ich mich auch an diesen Artikeln labte, so wenig konnte ich doch den Verdruß darüber, daß Sie n u r auf diesem verdeckten Wege wirken müssen, los werden. Dieser Punkt, und alles was dahin einschlägt, ist einer von denen, über welche es mir am wichtigsten seyn wird, mit Ihnen zu sprechen. Nicht eher verlasse ich Dresden, als bis die beiden Schriften, die ich in hiesiger Nachbarschaft drucken laße, die Ihnen bekannte über den Spanischen Krieg, und eine andre, // wobei Sie wirklich mehr den guten Willen als die Ausführung zu loben haben werden, fertig sind. Ich gebe beide mit meinem Nahmen heraus; auf alle daraus entspringenden Folgen bin ich gefaßt; wissen müssen die Tyrannen, daß einige noch leben, mit denen sie keinen Frieden zu hoffen haben; und, wenn die Feigen Anstoß daran nehmen, so mögen sie sich von mir kehren; ich will lieber mit Würde ganz allein, als, mir selbst zur Last, auf dem lebendigsten Schauplatze leben. Der Aufenthalt in Dresden hat großen und mannichfaltigen Reitz für mich. Wenige Orte vereinigen so alles, was man braucht; an wenigen ist so große Freiheit, neben so zahlreichen Ressourcen zu finden. Der Umgang mit Adam Müller würde mir schon allein auf eine Zeitlang eine Wüste erheitern. Ich habe diesen merkwürdigen Jüngling zu einer Unternehmung bewogen, wovon Sie hier den Plan, und das erste Spezimen erhalten*. Für das gemischte Auditorium ist freilich die // Sprache noch etwas zu hoch; und Müller ist zu jung, um in irgend einem Sinne populär seyn zu können; aber S i e werden wohl aus diesen Stücken aufs neue sehen, was es mit ihm auf sich hat. Erkundigen Sie Sich doch, ob B r i n k m a n n noch in Berlin ist; und, wenn Sie ihn sehen sollten, so sagen Sie ihm, bloß die Ungewißheit, o b er noch dort sey, habe mich abgehalten, ihm wieder zu schreiben. - Ich las vor einigen Tagen den Anti-Leviatan von Buchholz; und noch kan ich mich von der schauerhaften Lectüre nicht erholen. Solche Bestien h e r r s c h e n jetzt fast ausschließend in den Journalen. Mit Sehnsucht erwarte ich einen Brief, der mich über Ihre weitern Projekte belehre. Bleiben Sie mir nur fernerhin gut. Gentz * Anmerkung von der Hand Müllers auf dem unteren Rand der Seite: Je l'ai prêté; dès qu'on me l'aura rendu, je le communiquerai. JM. H: Jagellonische Bibliothek, Krakau. Handschriften der ehemaligen Preußischen Bibliothek, Sammlung Radowitz, Inv.-Nr. 6109 2 Bl., F: 228mm x 186mm; 4 eighd. beschr. Seiten. D: Dombrowsky, Alexander: Ein Brief von Gentz an Johannes Müller, in: Sonntagsbeilage No. 13 zur Vossischen Zeitung No. 151, Berlin, 29. März 1908, 97-98.