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Gentz ; Ompteda, Ludwig Karl Georg von
An Ludwig Karl Georg von Ompteda, Prag, 7. Januar 1808, In Privatbesitz. (Bartuschek) 1808

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3555
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Ompteda, Ludwig Karl Georg von
LocationPrag
Date7. Januar 1808
Handwritten recordIn Privatbesitz. (Bartuschek)
Size/Extent of item4 Bl., F: 256mm x 185mm; 8 eighd. beschr. Seiten
Places of printOmpteda-Nachlass, I, Nr. 213, 340-342 (tlw.)
IncipitIch hätte schon früher geschrieben
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Ludwig Karl Georg von Ompteda Prag, 7. Januar 1808 Prag den 7ten Januar 1808. Ich hätte schon früher geschrieben, wenn ich nicht Leontieff's Abreise noch näher geglaubt hätte, als sie war, oder, wenn irgend etwas E r h e b l i c h e s vorgegangen wäre. Wir schleichen aber hier noch immer so im alten Geleise fort; und das Wichtigste, was in der Welt vorgeht, erfahren S i e, wie i c h - und wie Jeder, seitdem es keine Cabinetter mehr giebt - durch die Zeitungen. Höchst seltsam ist denn aber doch, so viel ich sie fasse und begreife, die Geschichte mit Adair. Er schrieb mir einige lakonische Briefe, voll Schwermuth und Verzweiflung, aus denen ich aber nichts bestimmtes lernte. Nebenher schrieben mir Ligne und andre, "qu'il étoit fort à craindre, que Monsieur Adair ne sortit de Vienne - par le D a n u b e, ou par un coup-de-pistolet; car sa mélancholie est trop noire." - Gestern erhalte ich auf einmal einen Brief von der Gräfin Wrbna, // durch die er mir schreiben läßt: "Er habe immer g e h o f f t, die Bombe würde früher platzen, weil er dann Mittel gehabt haben würde, sich wenigstens auf eine b e q u e m e Weise nach England zu transportiren; da er jetzt aber g e z w u n g e n s e y, Wien v o r d e r Z e i t zu verlaßen um Paget (!) P l a t z z u m a c h e n, so sehe er sich genötigt, einen Theil der Seinigen voran zu schicken, und laße mir dies melden, zu etwanigem Gebrauch" - Hieraus werde nun der Teufel klug ! Die Sache ist nicht anders zu erklären, als daß er (vermuthlich durch eine Depesche, die der am 28ten November von London abgegangne <Oesterreichische> Courier Maynz mitgebracht hat) von s e i n e m Ministerium r a p p e l l i r t worden ist, welches er mir zwar nie geschrieben, ich aber aus einigen sehr bittern Aeußerungen gegen die Minister, wohl hätte vermuthen können. Durch eben diesen Courier muß Paget in Wien angemeldet worden // seyn. Begreifen Sie aber, daß das zitternde Wiener Cabinet, welches nicht den Muth hatte, Adair zu behalten - einen so übel-berüchtigten Minister, wie Paget, annehmen sollte ? - Dies muß sich nun in kurzem aufklären. So viel ist gewiß, daß (die Schande abgerechnet) Adair - oder gar kein Englischer Minister in Wien - ganz auf Eins hinausläuft. Denn, daß Adair nie viel Gutes gestiftet hat, ist sicher; und daß er in der letzten Zeit durchaus unnütz geworden war (wozu die unglückliche Ankunft seiner Frau noch vieles beygetragen haben soll) ist noch sichrer.Uebrigens werden Sie hoffentlich mit dem jetzigen Ministerium zufrieden seyn; die Schritte, die es in der letzten Zeit gethan, waren alle eben so wohl berechnet, als groß und kühn. Wenn sie so fortfahren, ist wenig oder nichts zu fürchten. Mohrenheim hat mir von Ihrer Lage in Teplitz eine Schilderung gemacht, die so reitzend ist, daß ich mich gleich hätte aufsetzen mögen, um zu Ihnen zu eilen. Er sagt unter andern, sehr schön: "Vous m'avez souvent parlé avec admiration de la fermeté de Monsieur d'Ompteda; mais sans vouloir atténuer son mérite, j'ai pourtant compris, q u' i l é t o i t m o i n s d i f f i c i l e d' e t r e f o r t, q u a n d o n s a i t ê t r e a u s s i h e u r e u x." - Haben Sie denn Ihre Wohnung unverändert ? Er spricht "d'un p e t i t l o g e m e n t c h a r m a n t, d'où l'on découvre une rue délicieuse ? - Den grellsten Contrast mit dieser Schilderung bildete das, was Sie mir von Canicoff schrieben, und was ich ihm um so weniger verzeihe, weil er gegen mich, Gott weiß warum, immer eine ganz verschiedne Sprache geführt hat. Mit der äußersten Bescheidenheit und Mäßigung hat er sich stets über // England ausgedrückt; und nun vollends die Russische Declaration zu verteidigen - das fiel ihm keinen Augenblick ein. Er ist aber ein schwacher, und unzuverläßiger Mensch, ohne Grundsätze und Charakter; ein Spiel jeder Laune, und jedes Windes. Er hat mir hier viel Höflichkeit und Freundschaft erwiesen; dies werde ich jederzeit mit Dank erkennen; indessen [xxx] gestehe ich Ihnen freymüthig, und unter uns, daß ich froh bin, ihn nicht mehr in meiner Nähe zu wissen. - Einige platte, und g a n z schlechte Weiber, wie die Roisin und die Stillfried, née Favras, hatten ihn zuletzt völlig verrückt gemacht. Mit ganz andern Empfindungen sehe ich Leontieff und seine Frau von uns scheiden. Dies ist ein wahrer, und schmerzhafter Verlust. Es fühlen ihn mehrere mit mir; und ich kan wohl sagen, daß unter andern Pauline in meiner Neigung und Achtung sehr gestiegen ist, durch // ihre lebhafte Anhänglichkeit an diese Frau, und durch ihren tiefen Kummer über ihre Abreise. In ungefähr 8 Tagen werde ich Ihnen meine Bemerkungen über das Russische Manifest schicken, mit denen Sie gewiß nicht unzufrieden seyn werden; sie sind viel ausführlicher geworden, als es anfänglich mein Wille war; dafür hoffe ich aber auch, daß sie den Gegenstand von den meisten Seiten erschöpfen. Es gehört etwas p o e t i s c h e Stimmung dazu, vier Wochen lang an einer Sache zu arbeiten, die eigentlich kaum für 5 oder 6 Menschen bestimmt seyn kan; indessen hat Gott mir diese bescheert; und ich versichre Ihnen, daß ich nicht mit größrer Lust geschrieben hätte, wenn gleich 10,000 Exemplare in alle Länder geschickt werden könnten.Bonaparte's Decret vom 17 December ist wieder eine merkwürdige Erscheinung. Sollte man, wenn man dies Bubenstück lieset, [nicht] // wohl ahnden, daß die Brittischen Verordnungen vom 11ten November etc. bloß G e g e n w e h r wider die aller-empörendste Tyranney waren ? Sollte man nicht glauben, diese Verordnungen wären aus bloßem M u t h w i l l e n entsprungen ? - Es ist entsetzlich; aber die heillose Verblendung von Millionen ist immer das Entsetzlichste. In Ansehung dessen, was Sie mir über den verlornen Brief von Tettenborn sagen, muß ich erklären, daß nach m e i n e r Ueberzeugung ein solcher Brief wirklich abgegangen ist. Ob Sie viel verloren haben, indem Sie ihn nicht bekamen, ist eine andre Frage. Tettenborn war in einer so gränzenlosen Verlegenheit, und so total ruinirt, daß, wenn er nicht in seinem Vaterlande, wohin er sich nun begeben hat, die Ressourcen findet, auf die er zu rechnen scheint, man es kaum für möglich hält, daß er je wieder hieher zurück kehrte. // Ich freue mich unendlich, zu hören, daß es allen den Ihrigen wohl geht. Ich bitte Sie, mich Frau von Ompteda, die ich als eine meiner vortreflichsten Freundinnen verehre, und dann Theodor insbesondre, und Carl insbesondre, und Fritz insbesondre zum freudlichen Andenken zu empfehlen. Denken Sie Sich, daß mein kleiner Hund an der Räude gestorben ist; leben denn Ihre noch ? - Jetzt vermacht mir die Leontieff - eine göttliche K a t z e, die viel zu meinem Glück beytragen wird. In Wien beschäftigt man sich nur mit zwey Gegenständen; mit den Hochzeit-Festen, und mit Frau von Stael, die eine ungeheure Sensation zu machen scheint. Sie hat in einer ihrer ersten Unterredungen viel von m i r gesprochen, bedauert, daß sie mich nicht kennen lernte, und einige ganz merkwürdige Dinge über mich gesagt. - Mir alles gleich; ich bin froh, daß ich nicht in Wien seyn m u ß, und befinde mich in dieser Einöde (denn das ist Prag diesen Winter buchstäblich) sehr wohl. Gern mögte ich S i e wieder einmal sehen. Gentz. H: In Privatbesitz.(Bartuschek) 4 Bl., F: 256mm x 185mm; 8 eighd. beschr. Seiten. D: Nachlaß Ompteda, Abt. I, Nr. 213, 340-342 (tlw.).