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Gentz ; Ottenfels-Gschwind, Franz von
An Franz von Ottenfels-Gschwind, Wien, 1. Juni 1824, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1824.g., Bl. 79-83v 1824

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3419
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Ottenfels-Gschwind, Franz von
LocationWien
Date1. Juni 1824
Handwritten recordHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1824.g., Bl. 79-83v
Size/Extent of item8 ¾ eighd. beschr. Seiten
IncipitIhre Depeschen vom 17ten, Mein Vortreflicher Freund
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Franz von Ottenfels-Gschwind Wien, 1. Juni 1824 Wien den 1ten Juny 1824. Ihre Depeschen vom 17ten, Mein Vortreflicher Freund, lauten überaus günstig; und ich hoffe, wir werden <es> bald überwunden haben. Die Antwort, welche der Fürst der Wallachey auf die Anfrage des Groß-Veziers erteilt hat, war klug und besonnen; er garantirt die Sicherheit der im Fürstenthum zurückbleibenden Truppen contre tout danger provenant du pays même. Die Antwort des Moldauers kennen wir noch nicht. Was mir aber in dieser Correspondenz nicht gefällt, ist, daß der Großvezier die Zahl von 1000 Mann, mit Einschluß der Beschlis, für die Wallachey bestimmt ausspricht. Ich besorge, daß dies, wenn man nicht vielleicht in Constantinopel eine geringere Zahl substituirt, neuen Anstoß geben wird. Indeß scheint das Russische Cabinet nun wirklich ganz entschlossen, die Discussion zur Botschaft zu bringen; und so wird man sich denn wohl über etwanige Differenzen in der Vollziehung auszugleichen wißen. Lord Strangford's dortige Stellung wird durch seine letzten magern Instructionen aus London nicht sonderlich verbessert worden seyn. Die Abberufung einiger Offiziere, - die vermuthlich nicht darauf achten werden - und eine kalte Einschärfung der Neutralität - // werden die Englischen Autoritäten in Corfu wie einen coup d'épée dans l'eau betrachten, und so wird es auch den Türken erscheinen. Die Ankunft der e r s t e n 40,000 Pfund Sterling in Zante, zu deren sichrer Ablieferung an die Griechen, trotz Byron's Tode, der Gouverneur Adam alle mögliche Anstalten getroffen zu haben scheint, hat etwas mehr Gewicht und Bedeutung als eine nothgedrungen kahle Depesche. Die Nachbarschaft der Jonischen Inseln ist bey dem Geiste der die Regierung und die Bewohner derselben gleichmäßig beherrscht, ein so entscheidender Vorteil für die Griechen, daß die Türken große Mühe haben werden, sich in Epirus und Albanien zu behaupten, wenn sie auch ganz anders zu Werke gingen, als bisher geschehen ist. In diesen Ländern scheinen aber ihre Sachen unendlich schlecht zu stehen. Nach den Berichten aus Corfu vom 17ten May machte der Pascha von Scotra nicht einmal Mine, eine Armee zusammen zu ziehen, und ersann täglich neu Pfiffe, um nichts unternehmen zu dürfen. Auf Omer Vrione ist noch weniger zu rechnen. - Ob es in den Central-Provinzen besser geht, weiß ich nicht; mir scheint aber, der wahre Augenblick ist schon wieder verspielt. Man wird den Griechen Zeit laßen, ihre innern Zwiste [zu] beyzulegen; und ehe ein // Türkisches Armee-Corps sich nur in Marsch setzt, werden sie alle Zugänge so gesperrt haben, daß an Land-Operationen nicht mehr zu denken seyn wird. Von der Flotte erwarte ich nichts. Was sollen 4 bis 5000 Mann, meist Janitscharen, die ihre Laufbahn schon rühmlich begonnen haben, ausrichten. Den Griechischen S c h i f f e n wird der Capudan Pascha in diesem Jahre so wenig furchtbar seyn, als im vorigen; und was den Pascha von Aegypten betrift, so sehe ich in seiner Expedition bisher nur noch ein Mährchen aus T a u s e n d u n d E i n e r N a c h t. Ich zittre vor dem Ausgang dieses Feldzuges. - Ich habe Sie oft genug mit meinen finstern Prophezeyungen gequält; ich verschone Sie heute damit. Ich begreife Ihre - sey es nun wahre, oder scheinbare - Gemüthsruhe nicht. Vielleicht liegt ein Schleyer auf meinen Augen. Vielleicht denke ich mir die Folgen der bevorstehenden Begebenheiten - denn über die Begebenheiten selbst kan ich mich kaum irren - schwerer als sie seyn werden. Die Zeit wird entscheiden. Ich hoffe - wenigestens habe ich sehr darauf gedrungen - daß man Sie von den in Ansehung der Consulate im Adriatischen Meer vorläufig beschlossnen Maßregeln unterrichtet haben wird. Sicher ist es jedoch, daß ich Ihnen selbst etwas darüber sage. Hauenschild, ein geborner Siebenbürger, den ein Zufall in Russische Dienste geführt, und der 10 oder 12 Jahre dem Cadetten-Institut // in Petersburg vorgestanden, seit zwey Jahren aber, durch Intriguen verdrängt, Rußland - mit allen Ehren, mit vollkommner Zufriedenheit des Kaysers, den Titel Staats-Rath und zwey Orden, verlaßen hat, war uns zuerst durch Lebzeltern, dann durch andre rühmliche Zeugnisse ganz vorzüglich empfohlen; da aber seine Anstellung im Innern, wie Sie wohl denken können, große Schwierigkeiten fand, so waren wir froh, daß er selbst auf den guten Gedanken kam, sich um eine Consulats-Stelle zu bewerben. Seit langer Zeit haben wir keine bessre Acquisition gemacht. Er ist ein Mann von ausgebreiteten Kenntnissen, der die alten, und die meisten neuen Sprachen vollkommen besitzt, gründlicher Geschichtsforscher, Uebersetzer der Russischen Geschichte von Karamsin ppp dabey von durchaus rechtlichem, bescheidnem, liebenswürdigem Charakter, einer Gewissenhaftigkeit ohne Gleichen einer Liebe für Oesterreich, wie man sie selten findet. Nicht nur der Fürst, auch der Präsident Stahl, später auch der Baron Stürmer, kurz alle, die ihn kennen gelernt, sind von ihm eingenommen; und mir ist er in der letzten Zeit so werth geworden, daß ich ihn höchst ungern verloren habe; welches ich heute von nicht vielen Individuen sagen würde. Dies zur Einleitung. Nach mannichfaltigen Verhandlungen, die hier auseinander zu setzen unmöglich wäre, ist // es endlich so weit gediehen, daß ihn der Kayser auf einen Vortrag des Fürsten zum C o n s u l i n Z a n t e ernannt hat. Dies geschah vor ungefähr vier Wochen. Da die Abberufung des Weiss zu gleicher Zeit beschlossen, auch der Kayser ganz damit einverstanden war, so hatte der Fürst eigentlich in petto, ihn auf eine oder die andre Art nach Corfu zu ziehen. Indessen traten Zögerungen in der Ausführung ein - - - Die Sache gerieth wieder in Stockung - - - enfin Vous connoissez tout cela ! - Baron Stürmer und ich arbeiteten mit vereinten Kräften daran, die Abberufung des Weiss wenigstens vor der Abreise des Fürsten noch durchzusetzen. Es gelang uns erst am l e t z t e n Tage ! Nun war nicht mehr Zeit, in Ansehung Hauenschild's eine vernünftige Einleitung zu treffen. Es ward ihm also bloß aufgetragen, sich fürs erste nach Triest zu begeben, und dort weitre Ordre abzuwarten. Er ist vor 5 oder 6 Tagen dahin abgegangen. Noch hatte er aber Wien nicht verlaßen, als durch einen eignen Zufall die Nachricht von Zen's Tode eintraf. Weiss soll in der Mitte des July abgehen. Jetzt ist also weder über Corfu noch über Zante etwas bestimmtes verfügt. Wir haben den Fürsten aufs allerdringendste gebeten, zur Regulirung der Sache zu schreiten. Ich bin untröstlich darüber - daß sie s o geführt worden ist. Es hätte gleich zu einer Total-Reform geschritten werden müßen. - Mein Wunsch war <überdies>, und ich höre auch nicht // auf daran zu arbeiten, daß, unabhängig von allen Consulats-Posten, ein tüchtiger O f f i z i e r, wie es ehmals so oft geschehen, insgeheim in jene Länder geschickt werde, der uns p o l i t i s c h und m i l t ä r i s c h schnell, und zuverläßig informiren könne. Es ist von höchster Wichtigkeit für uns, nicht bloß die Griechen, sondern auch die Engländer g e n a u zu beobachten. Wir sind in der schmählichsten Unwissenheit. Was auf der Linie von Prevesa bis an die Südspitze von Morea [xxx] vorgeht, erfahren Sie in Constantinopel viel zu spät, und viel zu unvollständig, als daß Ihre Berichte darüber Aufschlüsse geben könnten. Wenn i c h nicht noch, mit unsäglicher Mühe, aus zerstreuten Elementen, aus interceptierten Briefen, und andern, oft wenig zuverläßigen Quellen, ein Bild des Zustandes der Dinge zusammenstoppelte, das doch einigermaßen die Wahrheit abspiegelt - so wären wir über Länder, deren Schicksal uns so nahe angeht, schlechter unterrichtet, als über Columbia und Neu-Californien. Außer mir denkt Niemand dran. - Für diese strafbare Vernachläßigungen wird die Nemesis nicht ausbleiben ! Ich hoffe Ihnen in meinem nächsten Brief, da der Fürst sich nun doch erklären muß, [was] wie es mit Corfu und Zante gehalten werden soll, von den fernern Resultaten dieser mir eben // so interessanten als verhaßten Verhandlungen einige Rechenschaft geben zu können. Der Fürst wird, wenn in seinem Plan keine Veränderung vorgangen ist, heute von Tegernsee abgereiset seyn. Morgen geht die Fürstin mit ihren Kindern, auch Tatischeff, nach Johannisberg; Mercy und Depont haben sich vor einigen Tagen nach Frankfurt verfügt. Ich halte jetzt mit Baron Stürmer allein hier aus; zum Glück sind wir die besten Freunde, und verstehen uns über alles. Wacken zieht sich immer <mehr> von den Geschäften zurück, und denkt nur an seine Herrschaft. Caraman wird allem Vermuthen nach ebenfalls nach Johannisberg wandern; Fürst Hatzfeld von Berlin aus gewiß. Es wird eine große cohue dort geben. - Von dem o b e r n Corps diplomatique bleibt in Wien Niemand zurück als Wellesley, gerade der, welchen ich mir selbst ausgesucht haben würde, und der sich zu meinem besondern Wohlgefallen im ehmaligen Van der Nüllschen Garten in Weinhaus, nahe neben mir, niedergelaßen hat. Wenn es solcher Engländer noch viele gäbe, könnten wir über die Zukunft ruhiger seyn. Mit den mir gütigst zugedachten Pistazien hat es eine üble Wendung genommen. Die Büchse ist, wahrscheinlich durch ein Versehen von Hackenau, auf den gewöhnlichen Postwagen gerathen; und Sie werden erstaunen, wenn ich Ihnen sage, daß man mir dafür 96, Schreibe Sechs und Neunzig Gulden Conventions-Geld P o s t p o r t o abgefordert // <hat. D i e s> zu bezahlen, fand ich denn doch z u stark; der Postverwalter Giuliani rieth es mir selbst ab, und versicherte mich, daß die einfache Zurüksendung der Büchse für den Absender gar keine Inconvenienz haben würde. Ich habe daher diese Partie, die Sie sicher nicht mißbilligen, ergriffen. Sollte Ihnen die Sache dennoch unangenehm seyn, so bitte ich Sie tausendmal um Verzeihung; und sollten Ihnen gar durch die Zurücksendung Kosten zugezogen werden, so versteht sich von selbst, daß ich alles ersetze. Sie haben Unrecht, in allen solchen Fällen, wo irgend ein Bedenken obwaltet, mir Briefe oder Pakete durch die Staatskanzley zukommen zu laßen, solche nicht ein für allemal an M a t u s c h in H e r m a n s t a d t zu adressiren. Dieser Mann ist sicher und zuverläßig, wie das reinste Gold. Ich stehe nun seit 11 Jahren in immerwährender Verbindung mit ihm; er hat mich kein einziges Mahl compromittirt, er hat keinen einzigen Fehler begangen. Ihm würde ich die gefährlichsten Aufträge anvertrauen; und was aus seiner Hand den Couriers überliefert wird, kömmt jederzeit unmittelbar, und so promt als möglich, i n m e i n e H ä n d e, ohne irgend eine fremde Schau zu passiren. Glauben Sie mir - und Sie begreifen es wohl sehr // leicht: meine Correspondenz mit Ihnen, - uns beyden gewiß nützlich und angenehm - und wahrlich [xxx] für das Interesse des Dienstes und des Staates nicht ohne Werth - könnte in der Art, wie sie von m e i n e r Seite geführt wird, durchaus nicht Statt finden, wenn ich dies Communications-Mittel nicht hätte. Ich habe keinen besondern Grund anzunehmen, daß meine Briefe geöfnet werden, glaube vielmehr, [xxx] nahmentlich wenn sie an Sie gerichtet sind, das Gegentheil. Sobald ich mich aber ganz frey bewegen, und alles sagen soll, was ich auf dem Herzen habe, bedarf ich vollkommner und a b s o l u t e r Sicherheit; und diese kan ich mir nur auf jenem Wege verschaffen, der mich übrigens im Durchschnitt ungefähr 1000 Gulden Conventions-Münze jährlich kostet, die ich aber mit dem größten Vergnügen dafür hingebe. Ihren nächsten Berichten sehe ich mit der Ahndung, daß sie besonders interessant seyn werden, [xxx] entgegen. Möge diese Ahndung nur in einem guten und erfreulichen Sinn realisirt werden ! Vale et fave ! Gentz H: HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1824.g., Bl. 79-83v. x Bl., F: ; 8 ¾ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.