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Gentz ; Ottenfels-Gschwind, Franz von
An Franz von Ottenfels-Gschwind, Weinhaus, 2. Juli 1823, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1823.g., Bl. 70-73v 1823

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id3247
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Ottenfels-Gschwind, Franz von
LocationWeinhaus
Date2. Juli 1823
Handwritten recordHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1823.g., Bl. 70-73v
Size/Extent of item8 eighd. beschr. Seiten
IncipitIch bin seit ungefähr 8 Tagen
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Franz von Ottenfels-Gschwind Weinhaus, 2. Juli 1823 Weinhaus den 2 July. Ich bin seit ungefähr 8 Tagen an athritischen Beschwerden so leidend, daß ich nur wenig das Bette verlaßen kan. Auch gegenwärtiges schreibe ich im Bette. Die Correspondenz mit Ihnen, Mein Verehrter Freund, interessirt mich aber viel zu sehr, als daß ich einen Posttag könnte vorübergehen laßen, ohne Sie zu begrüßen. Ueber Ursprung und Sinn der in Rußland Statt gehabten Veränderungen werden Sie nun hoffentlich g a n z beruhiget seyn. Strogonoffs Zurückberufung ist gerade so falsch, wie die Resurrection des Capodistria, und die Ungnade die Nesselrode getroffen haben soll. Alles lauter Lügen, während der Kayser mehr als je beschäftiget ist, das Band, welches Ihn an uns und Unsre Politik knüpft, enger zusammen zu ziehen. Sie wißen davon etwas. Welchen Werth könnten Sie noch auf Nachrichten von O d e s s a (?) legen ? // Ich habe mich vorgestern auf ein Paar Stunden in die Stadt geschleppt, weil der Fürst seiner Seits ebenfalls durch einen starken Schnupfen im Bette fest gehalten wurde, welches er auch gestern noch nicht verlaßen hatte. Die Promenade bekam mir schlecht; aber sie gewährte mir den Vortheil über den gesammten Ertrag der Türkischen Post vom 10 Juny mit dem Fürsten ausführlich sprechen zu können. Er war mit Ihren Depeschen, und das von Rechtswegen, sehr zufrieden. Bey den Discussionen über die angehaltnen Russischen Schiffe wiederholte er mehrmals die Bemerkung: Warum theilen diese Stockfische wenn sie die Illegalität einer Seefahrt p a r d e s p r e u v e s i r r é f r a g a b l e s darthun können, uns ihre Beweise nicht mit ? Dann würden wir dem Russischen Cabinet ganz anders zu Leibe gehen können. - Ich habe über diesen Gegenstand eine eigne Depesche an Sie aufgesetzt, besorge aber, wir werden nicht viel damit [ausdrücken] ausrichten. - Ob die bloße Loslaßung der in Beschlag genommnen // Schiffe, und die Erlaubniß, unverrichteter Sache in ihre Heimath zurück zu kehren, viel ausgeben wird, weiß ich nicht. Sind indessen die Schiffe einmal mit Grund verdächtig, so kan kein billiger Mensch der Pforte zumuthen, sie passiren zu laßen. Nur hätte sie in diesem, wie in allen ähnlichen Fällen, gleich nach erlangter Ueberzeugung die Rückkehr verfügen, und nicht erst danach eine Arrestation, zu welcher sie allem Anschein nach gar nicht berechtigt war, großen Lärm schlagen sollen. Doch über das alles läßt sich in der Entfernung schwer urteilen. So viel scheint mir gewiß: Da Sie die regelmäßige und legale Russische Schiffarth bey jeder Gelegenheit mit so glücklichem Erfolg geschützt haben, wofür Rußland Ihnen wahren Dank schuldig ist, so sollten Sie auch nicht anstehen, einen Mimbelli, oder irgend einen gleichen Gelichters, sobald Sie die Ueberzeugung von seiner Unredlichkeit gewinnen (was denn doch nicht ein für allemal // unmöglich seyn kan) ohne alle Schonung zu entlarven. Ein einziger Bericht, der Thatsachen dieser Art enthielte, würde uns gegen Tatiszeff, und gegen sein Cabinet stärker machen als alle allgemeine Discussionen. Meine Erwartung ist äußerst gespannt auf den Effekt der durch den Courier vom 21ten v. M. an Sie erlaßnen Communicationen und Instructionen. Ich würde mir wenig Gutes davon versprechen, wenn es mir nicht in manchen Augenblicken g a r z u unbegreiflich schiene, wie, selbst bey der ärgsten Verstocktheit und dem unsinnigsten Hochmuth, die Türkischen Minister, denen man doch gesunden Verstand unmöglich absprechen kan, nicht fühlen sollten, in welcher halsbrechenden Crisis sie schweben. Wenn ein Stral des Lichtes die Nebel von welchen sie umringt sind, zerstreuen könnte, so müßte ihr erster Gedanke seyn, daß sie nur noch d u r c h d e n B e y s t a n d der Europäischen Mächte, ihre Herrschaft über die Insurgenten // wieder erlangen, und den tausendfältigen Gefahren entgehen können, welche das Türkische Reich in Europa, wenn jene Herrschaft unwiederbringlich verloren geht, bedrohen, und in wenig Jahren auflösen würden. Glauben denn diese verblendete Menschen, die Griechische Insurrection werde v o n s e l b s t aufhören ? Rechnen sie noch im Ernst auf den Erfolg der unzulänglichen, elenden Maßregeln, mit welchen sie dagegen kämpfen ? Oder was können sie sonst für einen Plan haben ? Ich weiß wohl, daß sie lieber zu Grunde <zu> gehen, als ihre Rettung den Europäischen Mächten <zu> verdanken wünschten. Aber sollte denn, da ihre Lage täglich bedenklicher wird, nicht zuletzt das B e d ü r f n i ß fremder Hülfe sich in ihnen melden ? Schreiben Sie mir hierüber einmal Ihre reine und gründliche Ansicht ! Früher oder später, und vielleicht spätstens im nächsten Jahre m u ß ja die Frage: was aus den Griechischen Ländern und ihrem Verhältniß zur Pforte werden soll - ein Objekt der ernstlichsten Erwägungen für die Europäischen Cabinette werden. Es ist ein // Zeitpunkt, vor welchem ich zittre, der aber eintreten m u ß, wenn wir nicht noch ganz andern Revolutionen, als der bloßen Losreißung der Griechen im Archipelagus auf gut Glück entgegen gehen wollen. Ich weiß nicht, ob der Fürst Ihnen heute überhaupt wird schreiben können und ob und was er Ihnen in Hinsicht auf die Englische Politik schreiben wird. Von einem Minister wie Canning muß man freylich auf alles gefaßt seyn, und er wird uns in den Orientalischen, wie in andern Verhältnissen, gewiß noch mehr als einen hämischen Streich spielen. Indeß sehe ich vor der Hand noch keinen Grund zu besorgen, daß er sich in den Türkisch-Griechischen Angelegenheiten einen wesentlichen Absprung von dem bisher befolgten System e r l a u b e n könnte. Die durch den letzten Courier Ihnen mitgetheilten Londner Piecen werden Sie überzeugt haben, daß er von Separat-Unterhandlungen // mit den Griechen nichts wißen will. Die Verfügung an die Englische Faktoraria in Constantinopel so unangenehm sie auch für Lord Strangford seyn mag, und so willkührliche Schlüsse auch die Freunde der Griechen daraus ziehen mögen, beweiset doch eigentlich n i c h t s, als daß die Brittische Regierung - was sie auch früher bereits erklärt hatte - in dem Kampf zwischen den Türken und Griechen dieselbe strenge Neutralität beobachten will, die sie in dem Kampf zwischen Spanien und dessen insurgenten Colonien Jahre lang beobachtet hatte, und selbst jetzt in einem Kriege, der [zwischen] von den Wiederherstellern der rechtmäßigen Macht in Spanien gegen die Revoluzionärs dieses Landes geführt wird, zur Regel genommen hat. Es versteht sich von selbst, daß nach unsern Grundsätzen diese Art von Neutralität den schwersten Tadel verdient; da England aber einmal diesen schlechten Weg betreten // hat, so ist es nicht zu verwundern, daß es auch die Griechischen Blockaden respectirt sehen will; und so schädlich diese Maßregel auch für das Interesse der Pforte seyn mag, so giebt sie doch noch keinen Grund, positive Schritte zu Gunsten der Rebellen zu befürchten. Bloß zu Ihrer Notiz muß ich noch bemerken, daß ich jetzt die v o l l e G e w i ß h e i t in Händen habe, daß die Erklärungen der Pforte über die Verhaftung des Villara durchaus falsch waren. Ghika hatte nicht den geringsten Theil an diesem Schritte, und nicht die geringste vorläufige Kenntniß davon. Die Russen mögen immer glauben, daß die Sache sich so verhielt, wie sie in Constantinopel dargestellt wurde; unser Interesse ist nicht, sie darüber weiter zu belehren. Gut aber ist es immer, wenn w i r die Wahrheit wissen. Der Himmel erhalte Sie, Mein Verehrter Freund ! Gentz H: ZDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1823.g., Bl. 70-73v. x Bl., F: ; 8 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.