These titles were already interesting to you:

Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Wien, 17. Juli 1829, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 61-64v 1829

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2869
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationWien
Date17. Juli 1829
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 61-64v
Size/Extent of item8 eighd. beschr. Seiten
Places of printProkesch-Osten, Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 266-270
IncipitIhre beyde Schreiben vom 19ten
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Anton von Prokesch-Osten Wien, 17. Juli 1829 Wien den 17ten July 1829. Ihre beyde Schreiben vom 19ten und 26 (??) v. M. Mein Hochgeschätzter Freund, haben mir in jeder Rücksicht unendliche Freude gemacht. Seit drey Monaten nichts von Ihnen gehört zu haben, war mir um so empfindlicher, als kurz vor Ihrer letzten großen See-Expedition, allerley nachtheilige Gerüchte über den Zustand Ihrer Gesundheit sich hier verbreitet hatten. Ihr gänzliches Stillschweigen über diesen Punkt mußte mich freylich einigermaßen beruhigen; und der Umstand selbst, daß Sie die Expedition unternommen hatten, schien alle Besorgnisse zu widerlegen. Nichts desto weniger bedaure ich, daß Sie in Ihren neusten Briefen eines für Ihre Freunde so interessanten Gegenstandes gar nicht erwähnen, will aber gern hieraus abermals ein günstiges Omen ableiten. Daß der Ihnen gewordne Auftrag zu Ihrem Ruhm ausschlagen würde, war ich im Voraus überzeugt; der Erfolg Ihrer Reise hat alle meine Erwartungen bestätiget. Mit welchem Vergnügen ich Ihren Bericht gelesen, kan ich Ihnen kaum sagen. // Er hat aber nicht auf mich allein einen so vorteilhaften Eindruck gemacht. Der Fürst ist recht eigentlich entzückt davon, und hat vor einigen Tagen, [bey] auf Veranlaßung dieses Berichtes (den er jetzt für das Englische Ministerium abschreiben läßt) in Ausdrücken über Sie gesprochen, die Ihnen jeden Zweifel an der vollkommensten Anerkennung Ihrer Verdienste auf immer benehmen würden. Der Fürst hat auch Ihr Privat-Schreiben äußerst wohlwollend aufgenommen. Sie haben Sich in wenig Jahren eine Bahn gebrochen, die, nach allen vernünftigen Wahrscheinlichkeiten, Ihnen, eine ehrenvolle Zukunft bereiten muß. Ihr Expeditions-Bericht, so lehrreich er auch ist, hat mir doch noch einen großen Wunsch zurückgelassen. Ohne allen Zweifel haben Sie so interessante Gegenden, wie St. Jean d'Acre, Jerusalem, Alep, Cypern, Rhodus u.s.f. nicht besucht, ohne ein Journal zu führen, wovon Ihr Bericht vermuthlich nur die Quintessenz enthält. Wenn Sie Zeit finden, das Journal in Ordnung // zu bringen, könnten Sie mir und andern Ihrer Freunde ein köstliches Geschenk damit machen; und sollten Sie es etwa zum Druck bestimmt haben, so würde ich jede unbescheidne Mittheilung sorgfältig vermeiden. Ich begreife, daß das Protokoll vom 22ten März wie ein Donnerschlag auf Sie gewirkt hat. Mich, der ich nun seit acht Jahren den beyspiellosen Gang dieser Angelegenheit Schritt vor Schritt verfolgt <habe>, und in alle Geheimnisse der Treulosigkeit und Bosheit von einer Seite, der Schwäche, der Blindheit, der Sinnlosigkeit von der andern, hinlänglich eingeweiht bin, mich hat selbst diese Erscheinung nur mittelmäßig überrascht. Es bedarf nur einer geringen Dosis politischer Beurteilungs-Kraft, um voraus zu sehen, daß die Anwesenheit der Botschafter in Constantinopel, wenn gleich in andrer Rücksicht v i e l l e i c h t nützlich, für die Beförderung des Friedens ohne allen Erfolg seyn wird. Ich gestehe Ihnen, daß ich mir von dieser Unterhandlung, selbst wenn sie auf die Basis des Protokolls // vom 16 November gestellt worden wäre, nie viel versprochen haben würde, weil ich (so sehr auch andre das Gegentheil glaubten) die Pforte weder vor 6 Monaten, noch heute, für die Idee einer wenn auch nur beschränkten, Emancipation der Griechen, r e i f hielt, und halte, und daher (wie Sie aus dem Ihnen bekannten Memoire vom 15ten März 1828 gesehen haben werden) jederzeit der Meynung war, daß, wenn denn einmal der unselige Londner Traktat ausgeführt werden s o l l t e und m ü ß t e, eine faktische Unabhängigkeits-Erklärung von Seiten der Mächte, auf Morea und die Cykladen beschränkt, der einzige vernunftmäßige, praktische Ausweg war. - Das Protokoll vom 22 März hat nun vollends das Problem der Pacification Griechenlands durch die von den Höfen gewählten Mittel, unauflöslich gemacht. Nichts als der dereinstige Friedensschluß zwischen der Pforte und Rußland wird diese, wie alle andre Fragen, zur Entscheidung bringen. Noch mehr. Wenn der Krieg nicht einen für die Türken [xxx] gar zu verderblichen // Ausgang nimmt, so werden sie vielleicht, in Bezug auf die Griechische Sache, von Rußland leichtre Bedingungen erhalten, als von den beyden andern Höfen, da die liberale Eitelkeit und bodenlose Falschheit der Franzosen, und der Mangel an Energie den fast jeder Schritt der Engländer verräth, jede Hoffnung eines glücklichen Resultats der gemeinschaftlichen Negoziation niederschlägt. Ich mache der Pforte nicht zum schweren Vorwurf, daß sie sich die Provinzen diesseits des Isthmus sans coup férir entreißen ließ. Ich sehe vielmehr in diesem Vorgange einen unverkennbaren Beweis ihrer Hülflosigkeit und Ohnmacht; sie hat diese Provinzen verloren, weil sie sie nicht retten k o n n t e, weil sie ihre mühsam zusammen gerafften Kräfte, gegen den furchbarsten Feind verwenden mußte, weil sie auf die Albaneser nicht rechnen konnte, kurz, weil sie auf allen Punkten von fortschreitender Auflösung bedroht ist. Gleichwohl hat mich nichts so verdrossen, als die Kühnheit und der Stolz, womit Capodistrias diese Conjunkturen zu benutzen wußte; und, // <wenn> die Englische Regierung die schnöden und schimpflichen Antworten, die er dem Herrn Dawkins gegeben hat, ruhig einsteckt, so weiß ich nicht mehr, was ich von ihr denken soll. Ich habe mit der größten Aufmerksamkeit gelesen und beherziget, was Sie in Ihrem Schreiben vom 19ten über den diesjährigen Donau-Feldzug sagen. Sie kannten damals noch nicht die Schlacht bey Schumla, und die Uebergabe Silistrias. Redgid Pascha hielt ich nie für mehr als einen mittelmäßigen Feldherrn; und mich dünkt, seine Operationen in den ersten 14 Tagen des Juny (wovon man freylich in Constantinopel nach den Berichten vom 26ten v. M. die falschesten und abgeschmacktesten Vorstellungen hatte) gereichen ihm zu geringer Ehre. Wenn ich das Schicksal des Türkischen Reiches von dem Widerstande [xxx] gegen die Russische Invasion abhängig glaubte, würde ich längst verzweifelt haben. Ich rechne auf andre Bundesgenossen; nicht etwa auf auswärtige; wie es sich mit diesen verhält, und ferner verhalten wird, weiß ich z u gut. Aber der materielle und moralische Zustand der Russischen Armee - // die Hindernisse mit welchen sie kämpft, und die, welche sie jenseits des Balcan erwarten - der, von Ihnen höchst richtig gewürdigte Entschluß, die Haupt-Operation über Varna zu leiten, - die Krankheiten, die gebenedeyte Pest - endlich der a u f r i c h t i g e, sehnliche, durch zahllose Organe beurkundete Wunsch des Kaysers, dem Kriege ein Ziel zu setzen, wenn es auf l e i d l i c h e Bedingungen geschehen kan - das allein sind jetzt meine Hoffnungen. Ich fürchte die Hartnäckigkeit der Pforte mehr noch als den Uebermuth der Russen, so sehr ich auch jene, bey der überwiegenden Gerechtigkeit ihrer Sache, in ihrem Prinzip zu schätzen weiß, und so tief ich auch diesen verabscheue. Sehr froh bin ich übrigens, daß Sie wieder an Ort und Stelle sind, und daß unsre Correspondenz keine weitre Unterbrechung zu besorgen hat. Ich esse heute in Dornbach bey Schwartzenbergs, die ich seit dem Empfang Ihrer Briefe noch nicht gesehen habe, und mache mir ein Fest daraus, viel von Ihnen dort erzählen zu können. Ich werde auch den Fürsten Dietrichstein dort finden, mit welchem ich, über alles andre in beständigem obschon freundschaftlichem Kriege, // nur über Sie allein, Ihre Verdienste, Ansprüche, und Schicksale, vollkommen einig bin. Ich danke Ihnen für das Vertrauen, welches Sie mir fortdauernd schenken. In so fern Gesinungen hierüber entscheiden, verdient es gewiß Niemand in höherm Grade, als Ihr treuer Freund und Diener Gentz.N. S. Ich sehe aus den Berichten des Grafen Apponyi, daß Admiral Rigny, der in Paris die Sprache eines äußerst aufgeklärten, und eben so rechtlichen Mannes führt - wollte Gott, daß man ihn hörte ! - von Unsrer Marine überhaupt, - nahmentlich von dem Grafen Dandolo - und ganz besonders auch von I h n e n, mit ausgezeichnetem Lobe geredet hat. Ich weiß ihm nicht geringen Dank dafür ! H: HHStA, Wien. Nachlaß Prokesch-Osten, Karton 27, , Bl. 61-64v. x Bl., F: ; 8 eighd. beschr. Seiten. D: Prokesch-Osten: Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 266-270.