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Gentz ; Stanhope, Philip Henry Earl of
An Philip Henry Earl of Stanhope, Wien, 19. Januar 1829, The Centre for Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590 Ref. C 189, 1-2 1829

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2629
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Stanhope, Philip Henry Earl of
AusstellungsortWien
Datum19. Januar 1829
Handschriftl. ÜberlieferungThe Centre for Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590 Ref. C 189, 1-2
Format/Umfang2 Bl., F: 232mm x 181mm; 3 ½ eighd. beschr. Seiten
IncipitEs giebt Tage im Leben
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Philip Henry Earl of Stanhope Wien, 19. Januar 1829 Wien den 19 Januar 1829. Es giebt Tage im Leben, Mein Theurer Graf, die den Menschen, der sie erlebt, um Jahre älter machen. Ein solcher war der vorgestrige, mir, und vielen andern, unvergeßliche 17ten Januar. Um 8 Uhr Morgens überfiel mich die Trauerpost, daß die Fürstin Metternich so eben, am 10ten Tage nach einer glücklichen Entbindung, am weißen Friesel verschieden war. Sie werden begreifen, wie sehr mich diese Begebenheit erschüttern mußte. Die intimen Verhältnisse, in welchen ich mit dem Fürsten stehe, machten mir zur Pflicht, Ihm so viel Trost und Beystand zu leisten, als unter so verzweifelten Umständen möglich war. Ich begab mich zu Ihm, und verließ ihn erst um 3 Uhr, äußerst ermüdet und erschöpft. Denken Sie Sich, MyLord, wie mir zu Muthe werden mußte, als [ich] mich beym Eintritt in mein Zimmer die zerschmetternde Nachricht trift, daß unser Freund Adam Müller zwey Stunden zuvor, von einem Nervenschlag // getroffen, seinen großen und edeln Geist aufgegeben hatte. Er hatte mir noch an demselben Morgen über den vor kurzem in Dreßden erfolgten Tod Friedrich Schlegels ein wehmüthiges, aber sehr ruhiges Billet geschrieben. Um 10 Uhr vernahm er den Tod der Fürstin Metternich, und diese unerwartete Nachricht scheint seine, seit einiger Zeit sehr schwach und reitzbar gewordne Nerven so affizirt zu haben, daß sie, wenn gleich nicht die eigentliche Ursach, doch die unmittelbare Veranlaßung seines eignen Todes ward. Um 11 Uhr ward er vom Schlage gerührt, und um 1 Uhr lebte er nicht mehr. An ihm verliere ich meinen ältsten und vertrautesten Freund, und weit mehr noch als das: einen von früher Jugend an mit meinem Geiste so nahe verwandten, für meine intellectuelle Existenz so nothwendigen, mit mir so enge verwachsnen Geist, daß mich der Himmel nicht härter hätte strafen // können, wenn er <mir> einen wesentlichen Theil meines Selbst aus der Seele gerissen hätte. Was die Welt, was die gute Sache an ihm verliert, brauche ich Ihnen, der Sie ihn kannten, [nicht] und zu schätzen wußten, nicht zu sagen. Gleich nach diesem Todesstreiche erhielt ich Briefe aus London, und unter andern die Ihrigen vom 28ten Dezember und 6 Januar. Neumann schrieb mir, Sie hätten s e i t d e m schlechte Neuigkeiten aus Rio Janeiro erhalten. Gott gebe, daß es keine hoffnungslose seyn mögen ! - Dann las ich, was Sie mir über meine Angelegenheiten meldeten; an diesem schwarzen Tage sollte kein Lichtstrahl mich erfreuen. Ihre Briefe haben den letzten Funken von Muth in mir ausgelöscht. Ich weiß jetzt was ich zu erwarten habe, und werde nichts unternehmen. Das Leben verliert immer mehr und mehr allen Reitz für mich. Ich bin höchst // unzufrieden mit meiner eignen Lage, und nichts weniger als erbaut von dem Gange der öffentlichen Geschäfte. Ich sehe von allen Seiten nichts als Zeichen der Schwäche, der Auflösung, Vorboten des Unterganges. Bewahren Sie mir Ihre Freundschaft; sie gehört unter die wenigen wahren Güter, deren ich mich noch erfreue; und wenn ich sie zu verdienen glaube, so ist es in dem Gefühl der unwandelbaren, zärtlichen Ergebenheit, womit ich verharre Ihr treuer, und sehr betrübter Diener Gentz H: The Centre for Kentish Studies, Maidstone (England). Stanhope Papers, U 1590 Ref. C 189, 1-2. 2 Bl., F: 232mm x 181mm; 3 ½ eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.