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Gentz ; Ottenfels-Gschwind, Franz von
An Franz von Ottenfels-Gschwind, Wien, 19. Juli 1825, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1825.g., Bl. 104-107v 1825

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id257
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Ottenfels-Gschwind, Franz von
LocationWien
Date19. Juli 1825
Handwritten recordHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1825.g., Bl. 104-107v
Size/Extent of item8 eighd. beschr. Seiten
IncipitIch habe meinen letzten Brief
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Franz von Ottenfels-Gschwind Wien, 19. Juli 1825 Wien den 19 July 1825. Ich habe meinen letzten Brief, Hochgeschätzter Freund, unter den peinlichsten Empfindungen aller Art geendet; mein Körper leidend, mein Gemüth voll Unruhe und Sorgen. Heute, Gottlob, befinde <ich> mich in beyden Hinsichten besser. Ich bin zwar nicht vollkommen hergestellt; aber seit 14 Tagen bewohne ich wenigstens nicht mehr das Bette; und obgleich zu jeder ernsthaften Bewegung unfähig, genieße ich doch die frische Luft und die Blumendüfte meines Gartens. In die Stadt, wo ich freylich auch nichts zu suchen habe, da Baron Stürmer so gütig ist, oft zu mir heraus zu kommen, habe ich seit 4 Wochen keinen Fuß gesetzt. Von einer andern Seite ist mein Geist mächtig erheitert und gestärkt, seitdem ich wieder mit dem Fürsten in naher und leichter Verbindung stehe. Er ist am 11ten d. in Ischel angekommen, und hat mir am 13ten einen Fünf Bogen langen höchst interessanten, und nicht weniger beruhigenden Brief geschrieben. Er betrachtet die Repulse der Pforte, wie ein Incident, worauf man längst // vorbereitet seyn mußte, und welches in der Sache selbst keine wesentliche Veränderung bewirken wird. Die Acteurs, sagt er, bleiben dieselben, ihre Dispositionen, Fähigkeiten, Kräfte dieselben; folglich die Schwierigkeiten dieselben; aber auch die Mittel, sie zu überwinden, dieselben. Er schwört mir, die Neuigkeiten aus Constantinopel hätten ihn nicht im geringsten affizirt; und wenn sich nicht, bey jedem Schritt in diesem fatalen Geschäft, ein Gefühl der Verachtung, des Widerwillens, und des Eckels seiner bemächtigte, so würde er jede neue Complication desselben, wie ein s c h l e c h t e s M e l o d r a m a behandeln. Er scheint durchaus an keine gefährliche Folgen dieses diplomatischen Schiffbruches zu glauben, und beurteilt das Russische Cabinet - gerade wie er es bisher beurteilt hatte. Er will sich übrigens mit Instructionen nicht übereilen, zumal da die Abwesenheit Unsers Kaysers, den man nicht vor dem 12ten August in Wien erwartet, Ihm hiezu den schicklichsten Vorwand giebt. Er will erst vernehmen, [in] welchen Ton man in Petersburg anstimmen wird, und hienach den seinigen bestimmen. // Der ganze Brief ist in so guter Laune, in einer so glücklichen Mischung von Ernst und Spott geschrieben, daß man mehr als verzagt seyn müßte, um nicht davon ermuntert zu werden. Auch hat er alle trübe Wolken wieder aus meiner Seele verbannt.Ich habe aus Ihrer Expedition vom 25ten mit Verwunderung ersehen, daß Sie an einer günstigen Erklärung von Seiten der Pforte noch immer nicht verzweifelten. M i r, das gestehe ich Ihnen, schienen die sämmtlichen Antworten des Reis Effendi nicht ein Wort, das eine solche Erwartung begründen könnte, zu enthalten. Selbst das von Ihnen so vorteilhaft ausgelegte: Pourquoi ne Vous adressiez-Vous pas d'abord aux Grecs ? hätte ich eher für eine Aeußerung des Unmuthes und der Bitterkeit, als für ein indirectes Einlenken gehalten. Doch das sind Dinge, die Sie an Ort und Stelle besser beurteilen müßen. - Als ein für S i e sehr glänzender Sieg, [würde mich] und auch als abermaliger Zeitgewinn, würde mich eine Sinnesänderung der Pforte äußerst freuen; ich sehe aber nicht ab, wie sie von ihren ersten sehr // positiven, schneidenden Worten, den Uebergang auch nur zu einer [xxx] dilatorischen Erklärung finden sollten. Ich sehe aus Intercepten, daß die k l e i n e Diplomatie in Constantinopel der Meynung ist, es sey Oesterreich kein Ernst, die Beystimmung der Pforte zu der Intervention zu erhalten; Sie sowohl als Testa führten eine Sprache, aus der sich vermuthen ließe, daß die Weigerung der Pforte Ihnen eher lieb als unlieb sey ppp Es ist schwer zu begreifen, was zu so unsinnigen Vermthungen Anlaß geben konnte, wenn nicht Bosheit dabey zum Gunde liegt. Denn was, in aller Welt, könnte uns bewegen, die Fortdauer des gespannten Zustandes zwischen Rußland und der Pforte gern zu sehen. Der Fürst hatte bisher den Werth der Prokeschschen Arbeiten nur, so zu sagen, auf Treu und Glauben, angenommen, ohne sich selbst recht davon zu überzeugen - weil er sich nicht Zeit nehmen wollte, sie aufmerksam zu lesen. Jetzt aber schreibt // er mir von Ischel, wie sehr er mit diesen Arbeiten zufrieden sey; er laße sie ins Französische übersetzen, um in Paris davon Mittheilung zu machen etc. etc. Melden Sie das doch dem Verfasser sobald Sie Gelegenheit dazu finden; es wird ihm zur Ermunterung dienen. Das Geschenk des Reis-Effendi hat mir mehr Freude gemacht, als Sie vielleicht glauben. Mit E u r o p ä i s c h e m Beyfall bin ich gesättigt; und, da ich in frühern Zeiten das Glück gehabt, principibus placuisse viris, so ist mir an dem Urteil der heutigen Steuermänner (den Unsrigen allein ausgenommen) nicht eben viel gelegen. Daß man aber auf einem ganz verschiednen Terrain, in einem ganz andern Clima von mir Notiz nehme, und mir einige Gerechtigkeit widerfahren laße (welches ich freylich bloß Ihrer guten Meynung von mir zu danken habe) das schmeichelt meiner Eitelkeit, wie ein neuer Genuß, und Seida's Caffee-Sack ist mir lieber, als die prächtigste Tabatière aus Paris oder Petersburg. Der Caffee selbst ist überdies von einer Vortreflichkeit, wie ich ihn - wenn nicht // die Einbildung dabey etwas im Spiel ist - noch nie geschmeckt habe. Ich muß Ihnen natürlich ganz überlaßen, in welchen Formen und Worten Sie ihm meinen Dank ausdrücken laßen wollen; Sie können ihm aber nach meinem Wunsche nie zu viel sagen; und daß die Türkische Regierung keinen aufrichtigern und thätigern Freund in Europa hat, das mögen Sie ihm bey jeder schicklichen Gelegenheit wiederholen. Für eine gerechte Sache gegen die Narrheit und Verruchtheit einer ganzen vom Teufel besessnen Welt zu streiten - die Revolution, nachdem ich Sie mein Leben hindurch, im Mittelpunkt von Europa bekämpft habe, auch noch auf den Gränzen von Asien zu verfolgen - darauf bin ich wahrhaft stolz; und das Zeter-Geschrey unsrer zahllosen Feinde tönt mir wie ein Loblied in die Ohren. Der Fürst hat durch die heutige (morgen abgehende) Post an Sie schreiben wollen. // Noch ist aber, wie ich eben von Baron Stürmer gehört, nichts eingelaufen. Er wollte Ihnen besonders den Punkt wegen der Naschli-Agar dringend ans Herz legen, scheint aber vergessen zu haben, was dieserhalb bereits von Mayland an Sie ergangen ist. Mittlerweile wird er aus einem Ihrer letzten Berichte ersehen, daß auch in dieser Sache wenig oder nichts zu hoffen ist. Es würde uns allerdings gegen Rußland einen nahmhaften Vorteil gewähren, wenn die Pforte sich entschließen könnte, nach so vielen Weigerungen hier einmal eine Probe vernünftiger Nachgiebigkeit abzulegen, bey welcher sie durchaus nichts verlieren [könnte] würde. Ich fürchte aber, es wird nicht geschehen, und zwar zur großen Satisfaction des Russischen Cabinets, welches froh ist, ein Gravamen mehr gegen die Pforte aufstellen zu können. Es thut mir herzlich leid, dem Fürsten nicht in Ischel Gesellschaft leisten zu können. Aber, die Reise ungerechnet, die ich jetzt doch noch nicht unternehmen mögte, // würde ich auch dort, wo gute Beine ein nothwendiges Requisit sind, und wo es mir an allen Bequemlichkeiten fehlen würde, eine schlechte Figur spielen. Der Fürst will 25 Bäder nehmen; er wird also bis zum 10 August gewiß wieder in Wien seyn. Leben Sie wohl, theurer Freund, und erfreuen Sie uns mit guten Nachrichten, wo nicht aus dem Cabinet des Reis-Effendi, doch vom Krieges-Schauplatze; denn, wie es nun auch ferner noch kommen mag, das erste bleibt immer: Deleatur Carthago ! Gentz H: HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Faszikel 1825.g., Bl. 104-107v. x Bl., F: ; 8 eighd. beschr. Seiten.D: bisher ungedruckt.