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Wallmoden, Ludwig Georg Thedel Graf von ; Gentz
Von Ludwig Georg Thedel Graf von Wallmoden, Breslau, 6. April 1813, HHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora 95, Faszikel "Gentz: Fleischhackl, Wallmoden, Styx", Bl. 3-6v 1813

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2283
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Wallmoden, Ludwig Georg Thedel Graf von
Addressee of letter
Gentz
LocationBreslau
Date6. April 1813
Handwritten recordHHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora 95, Faszikel "Gentz: Fleischhackl, Wallmoden, Styx", Bl. 3-6v
Size/Extent of item7 ½ eighd. beschr. Seiten
Places of printKlinkowström, Staatskanzlei, Nr. XLIII, 104-108
IncipitDer Kayser hat mir als General-Lieutenant
Type of letterBriefe an Gentz
Digital item: TextVon Ludwig Georg Thedel Graf von Wallmoden Breslau, 6. April 1813 Abschrift, Auszug Von Gentzens Hand: (Der erste Theil des Briefes betrift seine Privat-Verhandlungen mit Lord Cathcart, wovon das Resultat war, daß er dem von England ihm angebotnen Commando der Deutschen Legion vor der Hand entsagte. Folgendes ist die wörtliche Abschrift des fernern Inhalts:) Der Kayser hat mir als General-Lieutenant das Commando des äußersten rechten Flügels übertragen. Hier soll ich die Detachements von Tschernitscheff, Tettenborn, Dörnberg, Benckendorff vereinigen, d. i. leiten, und nach Umständen zusammen ziehen. Dazu ist mir die ganze leichte Artillerie der Cosacken gegeben worden. Ferner soll ich alle neue Formationen, deren einige schon schlagfertig sind, an mich ziehen, Jäger-Bataillons errichten, kurz von allem Gebrauch machen, was Zeit und Umstände an die Hand geben mögen. So wie die ersten Russischen Verstärkungen ankommen, so wie die Schweden sich nähern, und die Operationen sich ausdehnen, wird // das Corps nach Maßgabe verstärkt, welches eigentlich der erste Kern der Nord-Armee ist, die der Kronprinz von Schweden commandiren wird. Dieser kömmt den 20ten mit 12000 Mann; - 6000 sind schon in Stralsund - und mit Ende April kommen 12000 andre. So kündigte es sein Adjudant, Graf Essen, dem Kayser vor einigen Tagen an. Fürs erste werde ich also etwa 6000 Pferde, 24 Kanonen, und 4 bis 5000 Mann leichter Artillerie verschiedner Art haben können. Wäre das Wort Insurgenten nicht ein so kützliches Wort, so würde ich sagen, daß ich deren wohl bisweilen eine große Anzahl, wenn die Localitäten günstig sind, versammeln würde; - mais glissons là-dessus ! - Unterdessen habe <ich>, sobald wir über der Elbe sind, uneingeschränkte Vollmacht, zu organisiren, disponiren etc. nur unter Berufung der alten Autoritäten. Weit kan das Feld werden; möge es Früchte tragen, und gedeihen ! Ich konnte mir wenigstens hier nichts bessres // wünschen, und gehe denn endlich morgen zu diesem Zweck in das Wittgensteinsche Haupt-Quartier in der Gegend von Wittenberg ab, um meine bestimmtere Ordre zu erhalten. Nun zu den allgemeinen Ansichten ! Der Kayser Alexander hat wirklich aus Chevalerie diesen Krieg fortgesetzt, und wird ihn fortsetzen, so lange er glauben kan, Deutschland wolle sich helfen. Wäre das aber nicht, so würde wohl bloß die Unterstützung Preußens sein Augenmerk werden müßen, dem, wie Sie Sich denken können, er immer einen Frieden verschaffen würde. Um Deutschland in den Stand zu setzen, seine guten Absichten zu benutzen, werden die Armeen vordringen, so weit sie können, und innerhalb 4 Wochen mit einer großen Kraft auf dem Schauplatz stehen. Rußland hat jetzt an 130,000 Mann diesseits der Weichsel. Wenn Sie aber bedenken, daß die Festungen // belagert und bloquirt werden, daß Sacken bisher die Pohlen observiren mußte, so begreift es sich leicht, daß disponibel wohl nur 60 bis 70,000 Mann seyn können, wovon ein großer Theil bisher jenseits der Oder geblieben, jetzt aber sich an die Elbe begiebt, an der übrigens die Avant-Garde dieses Corps, die sogenannte Haupt-Armee weil das Haupt-Quartier mit ihr ist, commandirt vom General Miloradovitsch, sich schon beynahe befindet, da seine Cavallerie in Bautzen steht. Die Garden und 2 Grenadier-Divisionen machen die Arrière-Garde davon, und marschiren heute aus der Gegend von Kalisch ab. Die Completirungen der Regimenter, welche in geschlossnen Bataillons und Escadrons bestehen, werden mit Ende dieses, Anfang May, eintreffen, und betragen über 60,000 Mann, wobey 90 Escadrons Cavallerie, die vor 3 Wochen bey Grodno den Niemen passirten. Die Completirungen // aus den Spitälern, die täglich kommen, haben, seit das Haupt-Quartier sich in Kalisch befand, über 20,000 Mann betragen. Gut war es, glaube ich, daß man ausruhte; denn die Anstrengungen waren so groß, daß ich mich nun vollkommen überzeugt halte, daß keine andre Nation, nicht Menschen, nicht Pferde, sie so hätten leisten können. Sie sehen hieraus, daß mäßig gerechnet, die Russen im May gegen 180,000 Mann an der Elbe oder jenseits haben können. Von den Reserve-Armeen rede ich nicht. Man giebt solche sehr hoch an; indessen so viel ist gewiß, sie sollen sämmtliche Blocaden, und die Beobachtung Pohlens formiren; und dazu müßen sie stark genug seyn. Die Stärke der m o b i l e n Preußen mag seyn, oder innerhalb wenig Wochen 80,000 Mann werden. Die gesammte disponible v o r w ä r t s s t e h e n d e Cavallerie ist wenigstens 40,000 Mann, d. i. kan es binnen 14 Tagen werden. Die noch disponible // Russische Artillerie ist 800 Kanonen. Bey den Armée-Corps verteilt, an der Elbe, mögen mit den Preußischen 400 seyn. Ganze Batterien, z. B. beinahe 2/3 der Garde-Artillerie sind am Niemen gelaßen worden, um wieder bespannt zu werden, und kommen nun mit den Completirungen nach. Die Frage: Kan der Feind in den ersten 4 oder 5 Wochen durch Uebermacht bedeutende Vorteile erlangen ? - vermag ich nicht zu beantworten, weil ich die Stärke der Franzosen, ihre bereiten Mittel, nur nach Gerüchten kenne. Es heißt, ihre bey Erfurt versammelte Macht ziehe gegen Cassel; dies wäre nicht vorwärts gegangen. Ihre Verteidigung der Elbe trägt das Gepräge der Unentschlossenheit. Magdeburg ist der gröste Stein des Anstoßes. Sobald sich die sämmtlichen Corps von Wittgenstein, York, Blücher, und Wintzingerode, am linken Elb-Ufer werden vereinigt haben, wird sich das Räthsel wohl lösen. Ist der Feind stark // und verwegen, so wird er trachten, sich Magdeburg zu nähern. Ist er es nicht, rückwärts defensiv bleiben. Gelingt ihm auch jenes so spielt er doch gleich ein gewagtes Spiel; denn gegen 40,000 Mann Cavallerie führt man keine Offensiv-Operationen aus, wenn man deren auch 10,000 hätte; und selbst davon ist kein Gedanke. Kurz, ich habe die besten gegründetsten Hoffnungen. Die wirkliche Beendigung des Trauerspiels kan indessen doch nur Oesterreich herbeyführen; und jeder Tag später kan nur Chancen für Frankreich hervorbringen, auf jeden Fall aber Ströme von Blut kosten. Dies letzte Argument scheint mir unwiderleglich. Der Kayser hat mir einigemale von Oesterreich sehr vertraulich gesprochen. Ich habe Lebzeltern meine Aeußerungen mitgetheilt. Was meine sehnlichsten Wünsche mir auch nur als wahrscheinlich vorstellten, habe ich für gewiß angenommen, und ausgesprochen; denn ich sah Augenblicke von Besorgniß und // Zweifel, die mir unwillkührlich aufstiegen. So viel ich von der Sache einsehe, kan gewiß keine politische Rücksicht Oesterreich hinderlich seyn; denn man wünscht hier so aufrichtig diesen Kampf ehrenvoll zu beendigen, daß alle Neben-Absichten für den Augenblick schweigen; und nie hat Oesterreich s o sicher gehen können. Deutschland ist und bleibt doch eine verlaßne Waise, so lange der Kayser nicht auftritt, und ins Reine bringt, was, ohne seine Mitwirkung, Anlaß zu vielen Unordnungen und Mißgriffen geben kan. H: HHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora 95, Fasz.: "Gentz: Fleischhackl, Wallmoden, Styx", Bl. 3-6v. x Bl., F: ; 7 ½ eighd. beschr. Seiten. D: Klinkowström, Staatskanzlei, Nr. XLIII, 104-108.