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Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Wien, 17. Oktober 1828, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 47-50v 1828

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id227
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationWien
Date17. Oktober 1828
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 47-50v
Size/Extent of item8 eighd. beschr. Seiten
Places of printProkesch-Osten, Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 199-202
IncipitDie letzten Briefe, die ich
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Anton von Prokesch-Osten Wien, 17. Oktober 1828 Wien den 17ten Oktober Die letzten Briefe, die ich von Ihnen erhalten habe, waren vom 9ten und 18 September. Seitdem sind in Ihrer Nachbarschaft große Veränderungen vorgefallen. Wenn die uns vorgestern durch einen Russischen Courier zugekommnen Nachrichten gegründet sind, so hätten die Türken [die Moreot] auf die Besetzung der Moreotischen Festungen freywillig Verzicht gethan, die Franzosen die drey südlichen, und die Griechen Patras besetzt. Aus Constantinopel vernehmen wir (vom 25ten v. M.) daß die Pforte alles, was in Morea geschieht, wenigstens scheinbar, mit vollkommner Gleichgültigkeit ansieht, nichts sanctioniren, nichts anerkennen, aber auch nichts activ hintertreiben will. Ich kan unter den jetzigen Umständen, wo alles darauf ankömmt, den Hauptfeind abzuwehren, und den Weg nach der Hauptstadt zu decken, dem Sultan (der sich übrigens jetzt in einem großen // Charakter zeigt), aus dieser Politik eben so wenig einen Vorwurf machen, als aus seiner anscheinenden Gleichgültigkeit bey den Eroberungen der Russen in Asien; denn Silistria, Schumla und Varna sind heute wichtiger, als drey Asiatische Provinzen. Während die drey Gesandten mit Capodistrias über die Gränzen des künftigen Griechenlands berathschlagen, geht die Tripel-Allianz (endlich !) ihrer Auflösung entgegen. Das Englische Ministerium hat in unzweydeutigen Worten erklärt, daß, wenn Rußland auf der beabsichteten Blockade der Dardanellen besteht, England keinen weitern Antheil an den Operationen im Archipelagus nehmen kan. Von dieser Erklärung bis zum Bruche, und bis zum Widerstande, ist der Sprung nicht schwer. Ich fürchte nur, der Kayser wird n i c h t darauf bestehen, da diese Maßregel, die ihm wirklich nur die Verzweiflung eingegeben hat, ohnehin in der jetzigen Jahreszeit so viel als nichts zu bedeuten haben würde. Seit 18 oder 20 Tagen wissen wir von Varna nur das einzige, daß die Belagerung // fortdauert. Der Kayser m u ß das Aeußerste versuchen, um diesen Platz zu nehmen; und ich fürchte daher, daß er ihn, trotz der tapfern Verteidigung, zuletzt nehmen w i r d. Daran ist aber nur so viel gewonnen, daß er nicht mit Schimpf und Schande bedeckt, nach Petersburg zurückkehrt. Der Ruin seiner Armee bleibt immer vollständig genug; und der Rückzug über die e i n z i g e (!!) Brücke bey Isatschka kan noch mancherley Verderben herbey führen. Silistria war bis zum 1ten Oktober nicht einmal belagert, und wird also wohl in diesem Feldzuge nicht fallen. Von Schumla ist gar keine Rede mehr; und, ungeachtet des angeblichen Sieges, den Geismar am 26ten über 25,000 Türken aus Widdin erfochten haben soll, wird die kleine und große Wallachey durch häufige Incursionen von Calafat, Nicopolis, und Giurgewo aus heimgesucht und geängstiget. Wenn die Türken diesmal nicht, wie in frühern Kriegen, im Oktober auseinander laufen, so wird es mit den Russischen Winter-Quartieren sonderbar aussehen. Die Lection war empfindlich, und heilsam. Für den Augenblick hat das prestige der Unwider//stehlichkeit Russischer Armeen einen heftigen Stoß erlitten, und Europa, welches einstimmig die Türken verloren glaubte, <ist> wie aus einem schweren Traume erwacht. Dennoch halte ich den Frieden nicht für möglich; es ist aber kein kleiner Vorteil für uns, daß im nächsten Feldzuge alles von Frischem anfangen muß. Denn Varna allein scheint mir keine hinreichende Basis zu fernern Operationen; so lange Schumla und die Donau-Festungen nicht bezwungen sind. In einer Beylage werden Sie meine Aeußerungen über Ihr Manuscript finden. Die Sache Ihres Verwandten habe ich dem Bundestags-Präsidenten, dem Bruder des Staatsraths Münch der seit 8 Tagen in Wien ist, dringend empfohlen. Wenn alle, die mehr vermögen als ich, mit mir gleichstimmig, nicht bloß dächten, sondern auch handelten, so bliebe gewiß keiner Ihrer Wünsche unerfüllt. Ihren Verdiensten Gerechtigkeit angedeihen zu laßen, ist ein schwaches Verdienst; denn man darf nur die Augen aufthun um sie zu erkennen, und erkennt sie wirklich. Aber - virtus laudatur et alget ! Das Wenige, was i c h vermag, ist Ihnen jederzeit gesichert ! Gentz // Beilage Seit ich Ihnen, Mein Hochgeschätzter Freund, von Ihrem Manuscript über Griechenland, welches mir damals nur durch ein Gerücht bekannt war, Erwähnung that, ist [mir] der Inhalt und die Geschichte dieses Manuscripts zu meiner nähern Kenntniß gelangt. Graf Sedlnitzky, der, als Präsident der Censur-Hof-Stelle davon unterrichtet war, und der meine freundschaftlichen Verhältnisse mit Ihnen kennt, ließ es mir mittheilen, und sagte mir dabey, daß es nach Herrn Armbrusters Anzeige f ü r e i n a u s w ä r t i g e s J o u r n a l bestimmt sey. Ich ging sogleich an die Lectüre der bisher vorhandnen Hefte (über Milo, Paros, Antiparos, Skyros und Candia) und fand sie höchst interessant. Da von Seiten der Censur nicht das geringste Bedenken dagegen Statt finden konnte, und der gewöhnliche Censor, der sie zuerst gelesen, sogar die Bemerkung gemacht hatte, es sey zu w ü n s c h e n, daß sie i m L a n d e gedruckt würden, so ließ ich Herrn Armbruster, den // ich persönlich nicht kenne, durch einen Dritten um nähere Auskunft über Ihre eigentliche Absicht mit diesem Manuscript bitten. Zugleich meldete ich ihm, daß ich mir die Freiheit nehmen <würde>, einige unbedeutende Kleinigkeiten [zu] (in Hinsicht auf die Schreibart) zu berichtigen, und bot ihm an, auf den Fall, daß er es hier drucken laßen wollte, die Correctur zu übernehmen, weil mir daran liege, die Schrift in einer möglichst tadellosen Gestalt erscheinen zu sehen. Herr Armbruster nahm dies alles mit der größten Bereitwilligkeit an; das Manuscript ist seit einigen Wochen wieder in seinen Händen; was er aber über den Druck desselben definitiv beschlossen hat, oder beschließen wird, habe ich bis jetzt nicht erfahren können. Aus einem mir ebenfalls mitgetheilten Schreiben von Ihnen ersehe ich jedoch, daß Sie ihm dieserhalb gänzlich freye Hand gelaßen haben. // Ich begreife nicht, warum dieses Manuscript, welches Ihrem Geiste und Ihren Kenntnissen Ehre macht, und gewiß viele Leser finden wird, nicht ohne Weitres, Heftweise hier gedruckt und debitirt werden sollte. Eben so wenig verstehe ich, wie eine jetzt schon so voluminöse, und noch auf viele Fortsetzungen hinweisende Schrift, in einem auswärtigen J o u r n a l erscheinen könnte, in welchem es vielfältig zerstückelt werden, und ganze Jahrgänge durchlaufen müßte. Da ich aber nicht weiß, was Ihr Wille bey der Sache ist, noch was Sie darüber etwa früher mit Armbruster, oder irgend einem auswärtigen Buchhändler verabredet haben, so gebe ich Ihnen obige Bemerkungen bloß zu eigner Ueberlegung anheim, und erwarte nun, was entweder Sie Selbst weiter beschließen, oder wie etwa Armbruster sich gegen mich erklären mögte. In dem Manuscript selbst habe ich mir nur äußerst wenige Abänderungen erlaubt, und durchaus keine wesentliche. Die stärkste Freiheit die ich genommen habe, war die, daß ich die Mottos // aus Lord Byron wegstrich; sie schienen mir nicht besonders charakteristisch, werfen einen falschen Schein von Empfindsamkeit auf die Schrift, welchen doch der Inhalt derselben nicht rechtfertigt, und konnten Neben-Begriffe rege machen, zu welchen in Ihren eben so treuen als lebendigen Schilderungen weder Grund noch Veranlaßung lag. - Es wurde hin und her darüber gesprochen, ob nicht neben Ihrem Nahmen, auch Ihr militärischer Titel genannt werden sollte. Dieser Meynung bin ich aber so wenig, daß ich lieber auch Ihren Nahmen weglaßen würde, ohne jedoch auf irgend eine Weise verschweigen oder verbergen zu wollen, was ohnehin wohl vergeblich wäre, daß Sie der Verfasser sind. In jedem Fall wird Ihnen die Aufmerksamkeit, die ich dieser Sache gewidmet habe, beweisen, wie sehr mir alles, was Ihren Ruhm und Ihr Interesse betrift, am Herzen liegt. H: HHStA, Wien. Nachlaß Prokesch-Osten, Karton 27, Bl. 47-50v. x Bl., F: ; 8 eighd. beschr. Seiten. D: Prokesch-Osten: Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 199-202.