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Gentz ; Ottenfels-Gschwind, Franz von
An Franz von Ottenfels-Gschwind, Wien, 19. April 1823, HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1823.g., Bl. 48-51 1823

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2227
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Ottenfels-Gschwind, Franz von
LocationWien
Date19. April 1823
Handwritten recordHDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1823.g., Bl. 48-51
Size/Extent of item6 ¾ eighd. beschr. Seiten
IncipitIch erhielt mit großem Vergnügen
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Franz von Ottenfels-Gschwind Wien, 19. April 1823 Wien den 19 April 1823. Ich erhielt mit großem Vergnügen, Mein Verehrter Freund, und diesmal früh genug, Ihre werthen Schreiben vom 25 und 26ten v. M., und Sie waren abermals mit einer langen Epistel von mir bedroht; aber eine Expedition nach Paris, an welcher ich bis diesen Morgen zu arbeiten hatte, hielt mich davon zurück; und es bleibt mir jetzt nur übrig, einige Haupt-Punkte Ihrer Briefe, in derselben Reihe, wie sie sich darin vorfinden, aphoristisch zu beantworten. 1. Ich bin ziemlich ruhig über die Aufnahme der Türkischen Note in Petersburg. Der Kayser ist mit den Angelegenheiten des Westlichen Europa so lebhaft, so anhaltend beschäftigt, daß Er einer definitiven Beendigung der Oestlichen gewiß keine unnütze Schwierigkeiten in den Weg legen wird. Er formirt eine Armee von 120 oder 150 000 Mann an seinen Westlichen Gränzen, die aber // keinen Nachbar beunruhigen oder belästigen, und bloß den Anhängern der revoluzionären Faction zum Schrecken gereichen wird. Ihr Schreiben an Lebzeltern über die dortige Lage der Dinge ist äußerst zweckmäßig. Damit Sie keine falsche Zeit-Berechnungen machen, benachrichtige ich Sie, daß die Communication der Pforte, erst am 7ten d. M. von hier nach Petersburg gesendet worden ist. 2. Ich danke Ihnen recht sehr für alles, was Sie mir über Ghika schreiben, und werde Ihnen immer ganz besonders verbunden seyn, wenn Sie mir alles mittheilen, was Sie in Bezug auf ihn erfahren. - Sie haben, früher als wir, den unerwarteten Gewaltstreich vernommen, den man sich gegen den Bojaren Willara erlaubt hat, und erhalten heute den Befehl, dieserhalb einen sehr starken Schritt bey den Ministern der Pforte zu thun. Meine Meynung ist, daß der Pascha von Silistria in dieser Sache nicht nach einem positiven, und am wenigsten nach einem n e u e r n Befehl der Pforte, sondern, durch Intriganten in der Wallachey // selbst aufgewiegelt, de son propre chef gehandelt hat. In jedem Fall muß diese Geschichte, bey welcher unsre Ehre und Redlichkeit aufs greulichste compromittirt ist, vollständig aufgeklärt werden. 3. Ueber Samourkasz haben Sie mir die Notiz, welche ich mir erbat, n i c h t gegeben. Es liegt aber nicht mehr viel dran, da es entschieden ist, daß er nicht wieder in die Wallachey zurückkehren wird.4. Mit dem vortreflichen Caffee sind Sie meinen Wünschen zuvorgekommen. Ich bitte Sie jedoch inständigst, diese nicht buchstäblich zu nehmen. Es wäre die höchste Unverschämtheit, im Ernst von Ihnen zu verlangen, daß sie mir mit jedem Courier ein Päckchen Caffee schicken sollten. Nur von Zeit zu Zeit, und wenn es Ihnen gerade bequem ist, werden Sie dies gütigst bewerkstelligen. Etwas peinlich ist es auch für mich, daß Sie mir diese Sendungen als Geschenk übermachen. Wenn ich sie nicht bezahlen soll, so muß ich nothwendig auf irgend ein Gegen-Geschenk (vielleicht in Büchern !) bedacht seyn. // 5. Ihr Bericht über den jetzigen Großvezier hat mich sehr erfreut. Wenn dieser Mann den Erwartungen, welche die competentesten Richter von ihm hegen, entspricht, so wird dem Sultan und dem Türkischen Reiche in ihm ein neuer Kinperli erstehen, der vielleicht der ganzen Regierung ein neues Leben einhaucht. Nieman kan sich dafür lebhafter interessiren als ich; die Türken haben wie Sie wißen, an mir einen ihrer aufrichtigsten Freunde; und ob ich gleich ein bessrer Christ bin, als alle die revoluzionären Hunde, die heute gegen die ungläubigen Barbaren bellen, so wünsche ich doch dem Osmanischen Reiche eine lange, und gesicherte Dauer, und werde von diesem Wunsche nicht weichen, wenn zuletzt auch ganz Europa gegen mich aufstehen sollte. 6. Was Sie von [Beo] den Türkischen Artikeln im B e o b a c h t e r sagen, ist mir nicht ganz klar. Ich hoffe, Sie werden in diesen Artikeln keine Indiscretionen gefunden haben. Freylich erlaube ich mir manchmal unter der Firma Constantinopel verschiednes einzuführen, was nicht gerade in Ihren Berichten steht, zumal, da wir die Nachrichten aus Corfu und Zante gewöhnlich früher und vollständiger // erhalten, als Sie sie liefern können. Uebrigens werden diese Artikel nach und nach immer beschränkter ausfallen. Die allgemeine Lage der Dinge ist nichts weniger als günstig für die Pforte; und wenn sie auf den Pascha von Scutari rechnet, so stehen ihre Sachen verdammt schlecht. Nur gewaltige Energie (wovon ich noch keine Spur sehe) oder baldige, große Concessionen, können jetzt die Insurrection tödten, wenn diese nicht etwa durch ihre eigne innre Zwietracht gestürzt wird, worauf man denn doch nicht mit Zuversicht rechnen kan. - Einer der neusten und stärksten Beweise der Unverschämtheit und Lügenhaftigkeit der fremden, besonders der Deutschen Zeitungen sind wohl die zahlreichen Artikel, welche in der Allgemeinen Zeitung über die Feuersbrunst zu Constantinopel erschienen, ehe der authentische Bericht von uns geliefert werden konnte ! Das Publicum verschluckt aber alles, was im Sinn der geliebten Rebellen geschrieben ist. Es verlohnt kaum mehr der Mühe, den weitverbreiteten Unsinn zu bekämpfen, der in dieser Sache überdies mit der unseligen Prädilection für alles Revoluzionäre genau zusammenhängt. //7. Es ist mir sehr lieb zu hören, daß Lord Strangford seinem bisherigen Gange noch immer getreu blieb. Unterdessen werden Sie aus Zante die Bestätigung dessen, was ich Ihnen über General Maitland's Unterhandlungs-Versuche meldete, erhalten haben, Sich auch überzeugen, daß meine frühern Vermuthungen nicht ganz aus der Luft gegriffen waren. Ich bedaure sehr, daß Sie über diese, wie mir scheint, höchst wichtige Sache das vollkommenste Stillschweigen beobachten, hoffe aber in einem Ihrer nächsten Briefe einige Aufschlüsse darüber zu finden. 8. Die Französische Armee ist wirklich in Spanien eingerückt. Unsre besten Wünsche, und selbst unsre Hoffnungen, obgleich mit mancherley Besorgnissen gemischt, begleiten sie. Wenn diese Sache so geführt wird, daß sie einen glücklichen, und w a h r h a f t b e f r i e d i g e n d e n Ausgang gewinnt, so [ist dies] wird das großentheils wieder das Verdienst Unsers Fürsten seyn, der dem Anfänglich ziemlich unsichern und schwankenden Gange des Französischen Ministeriums durch Seine stets-erneuerten Rathschläge, Erinnerungen, Belehrungen, oft auch herbe Straf-Predigten, einen ganz neuen Schwung gegeben hat. - In Ansehung Englands sind wir nun vollkommen ruhig. Zur größten // Verzweiflung aller Revolutions-Freunde in Europa bleibt man dort auf der Linie der Neutralität; wie sich aus den zwischen dem 10 und 14 d. M. dem Parlament gemachten Eröfnungen hoffentlich nun bald ergeben wird. 9. Nach des Fürsten sehr huldreicher Aeußerung wird Ihr letzter Antrag wegen des Vorschusses gewiß nicht die geringste Schwierigkeit finden; und ich halte mich auch fest überzeugt, daß Er die Hauptfrage durchaus im Sinne Ihrer Wünsche, Bedürfnisse, und gerechten Ansprüche entscheiden wird. Suchen Sie nur Ihrer Seits diese Entscheidung auf alle Weise zu beschleunigen ! Kan ich dabey auch nur auf ganz untergeordnete Art mitwirken, so bitte ich Sie, unbedingt auf mich zu rechnen. Jetzt glaube ich ungefähr alle Hauptpunkte Ihrer letzten Schreiben berührt zu haben, empfehle mich Ihrer fernern Freundschaft, und wünsche recht bald wieder viel Gutes, und viel Angenehmes für Sie, von Ihnen zu vernehmen. Gentz H: HDA, Zagreb. FA Ottenfels, Karton 14, Konvolut 1823.g., Bl. 48-51. x Bl., F: ; 6 ¾ eighd. beschr. Seiten.D: bisher ungedruckt.