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Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Wien, 19. Februar 1828, HHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora, Faszikel 78 (alt 95), Relicta Schlitter, Bl. 14-15v 1828

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id219
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationWien
Date19. Februar 1828
Handwritten recordHHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora, Faszikel 78 (alt 95), Relicta Schlitter, Bl. 14-15v
Size/Extent of item4 eighd. beschr. Seiten
Places of printProkesch-Osten, Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 109-111
IncipitEs fehlt mir, leider, an Zeit
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Anton von Prokesch-Osten Wien, 19. Februar 1828 Wien den 19 Februar 1828. Es fehlt mir, leider, an Zeit, Ihnen Mein Geehrter Freund, einen ausführlichen Brief zu schreiben; ich kan es aber unmöglich länger aufschieben, Ihnen wieder einmal für Ihre regelmäßig fortgesetzten vortreflichen Zuschriften, wovon die letzte vom 18 Januar war, recht herzlich zu danken, und Ihnen von neuem zu Versichern, daß von allem, was ich aus dem Orient erhalte, sehe, und lese, Ihre Briefe mir immer und immer das Interessanteste und Lehrreichste sind. So schwer und schwarz auch der Himmel über uns hängt, so giebt es doch unbezweifelt einige Conjunkturen, die wir benutzen könnten, und w ü r d e n, wenn die Pforte uns nur einigermaßen zu Hülfe kommen wollte. Die wichtige Ministerial-Veränderung in England, die entscheidende Wendung, die dort die öffentliche Meynung genommen, der Abscheu vor der Verlängerung dieses unnatürlichen Krieges, die absolute Nullität Frankreichs, der Einfluß, // den dies alles mehr oder weniger auch auf Rußland haben muß - hier sind Anhalts-Punkte genug, um etwas Gutes zu stiften. Wenn uns aber die Türken schlechterdings nicht secundiren wollen, so sind wir an Händen und Füßen gelähmt. Die Anträge, welche wir diesen Stockfischen neuerlich gemacht haben, und worauf ich jetzt die Antwort mit wahrer Seelen-Angst, und fast ohne Hoffnung, erwarte, gehen sämmtlich darauf hinaus, daß sie, da unbedingte Rückkehr zum Alten durchaus unmöglich geworden ist, aus freyer Bewegung den Moreoten und Insulanern eine politische Organisation bieten sollen, die ungefähr das Aequivalent der im Londner Traktat - so weit dies sinnlose Document sich verstehen läßt - beabsichteten war. Mit einer solchen Concession würden wir heute [weit] eine gute Strecke Weges vorwärts kommen. Aber mit einem Ultimatum, wie das vom Reis-//Effendi in der Conferenz vom 24 November ausgesprochne, und vollends mit einer Politik, wie die, welche der tolle Firman an die Ayans athmet, kan nur ein unmittelbares Wunder das Türkische Reich vom Untergange retten. Aus einem Bericht Acerbi's vom 26ten Dezember habe ich gestern vernommen, daß der Vize-König zum General-Lieutenant in Asien (Anatoli Valessi) und Ibrahim zu gleichem Range in Europa (Rumeli Valessi) erhoben worden, daß man Jenem überdies die drei Paschaliks von Syrien untergeordnet hat, daß er nach Damascus aufbrechen, und dort eine Armee von 300,000 Mann creiren will, wenigstens dies zu wollen vorgiebt. Acerbi setzt aber hinzu, daß seine Finanzen u n h e i l b a r erschöpft sind, daß er 50 Millionen T h a l e r Rückstände und Schulden hat, und daß seine neuen, offenbar phantastischen Projekte ihn weit wahrscheinlicher völlig ruiniren, als befestigen werden. Dabey ist er immer noch klug und besonnen genug, um dem Sultan // ohne Unterlaß F r i e d e n u m j e d e n P r e i s zu predigen. Die 300,000 Mann die er in Asien, und andre 300,000 die sein Sohn in Europa (!) aufbringen wird, sollen bloß der Kern einer neuen Macht seyn, womit die Pforte dereinst, unter bessern Auspizien, alle vergangne und jetzige Schmach rächen würde. - Die Idee wäre so übel nicht, wenn sie jemals mehr als ein Traum werden könnte. Sollte es Ihnen nicht möglich seyn, mir noch ein Paar Exemplare von den beyden letzten Blättern des Spectateur zu schicken ? Blaque hat freylich übereilt und unklug gehandelt; aber die beyden Artikel, so wie manche andre in diesem Blatt, haben nichts desto weniger tausendmal mehr Werth als ganze Jahrgänge der verworfnen Europäischen Journale. Daß die Kaufleute in Smyrna mit den Türkischen Autoritäten gegen Guilleminot und Stratford Canning gleichsam gemeinschaftliche Sache gemacht, ist die erste gerechte Strafe, welche diese großen Missethäter trift, ich hoffe aber, die Nemesis wird noch andre über sie verhängen. Fahren Sie fort, mich mit Ihren Briefen zu erfreuen. Ich weiß und begreife, daß Ihnen ohnedies Geschäfte genug auf dem Nacken liegen; daß aber keins Ihnen größern Dank erwirbt als dieses glaubt mit einiger Zuversicht behaupten zu dürfen Ihr sehr ergebner Freund und Diener Gentz H: HHStA, Wien. Staatskanzlei, Interiora, Fasz. 78 (alt 95), Relicta Schlitter, Bl. 14-15v. x Bl., F: ; 4 eighd. beschr. Seiten. D: Prokesch-Osten: Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 109-111.