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Stanhope, Philip Henry Earl of ; Gentz
Von Philip Henry Earl of Stanhope, Chevening, 1. November 1828, Universitätsbibliothek, Amsterdam. Handschriftenabteilung, Signatur: Cm 1 1828

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id2077
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Stanhope, Philip Henry Earl of
Addressee of letter
Gentz
LocationChevening
Date1. November 1828
Handwritten recordUniversitätsbibliothek, Amsterdam. Handschriftenabteilung, Signatur: Cm 1
Size/Extent of item4 eighd. beschr. Seiten
Places of printSchlesier, Schriften, V, 136-138 (tlw.)
IncipitIch hatte vorgestern das Glück
Type of letterBriefe an Gentz
Digital item: TextVon Philip Henry Earl of Stanhope Chevening, 1. November 1828 Chevening, der 1ten November, 1828. Mein theuerer und verehrter Freund Ich hatte vorgestern das Glück bey meiner Rückkehr aus London Ihren Brief des 19ten v. M. zu erhalten, und erfuhr zu meiner sehr grossen Zufriedenheit daß Sie meine beyden Briefe von September richtig bekommen hatten. Es war mir eine herzliche Freude von Neumann sowohl als vom Grafen Lebzeltern, den ich das Vergnügen wieder zu sehen hatte, zu erfahren daß Sie einer sehr guten Gesundheit geniessen. Möge Sie immer, mein theuerster Freund, diese und jede andere Wohlthat von der Vorsehung erhalten. Es ist Ihnen schon bekannt daß die Regierung von ihrem langen Schlummer endlicht erwachet ist und einen der Haupt-Aufwiegler Lawless arretiert hat, doch wird diese Maßregel, wenn ich mich nicht irre, zu einer Niederlage führen, weil man die Vorsicht nicht hatte die Habeas Corpus Akte vorläufig suspendieren zu lassen. So allgemein und so fürchterlich ist der Schrecken den die Aufwiegler verbreitet haben daß die Geschwornen es kaum wagen würden ihn schuldig zu erklären, und wenn sie ihn frey sprechen so würde es für ihn ein Triumph und für alle seine Anhänger eine Aufmunterung werden. Die Mitglieder der sogenannten Brunswick Clubs und die übrigen Protestanten // würden sich ohne Zweifel durch Tapferkeit auszeichnen so oft als sie in corpore handeln, es sind aber wenige die bereit wären sich einzeln und persönlich der Rache einer wüthenden Parthey auszusetzen, und sich freywillig entschliessen den Dolchen von Meuchelmördern Trotz zu biethen. Einige Irländer die, wie viele unter ihren Landsleuten, alles schief beurtheilen, behaupten daß nichts zu befürchten sey weil alles sehr ruhig ist. Die Thatsache ist begründet, sie ist aber keiner Beweis des Schlusses indem die Rotte, die vires acquirit eundo, besorgt seyn muß ihre Kräfte nicht theilweise oder ohne gehöriger Vorbereitung zu verschleudern. Ein fremder Gesandter sagte mir neulich daß er gehört hatte, man wäre in Irland mit der Verfertigung von Piken beschäftigt, und daß man einem Regiment, worin 300 Irländer also mehr als der Drittheil dienten, nach Irland schicken wollte, daß diese 300 ihre Unzufriedenheit darüber äusserten, und daß man daher sich genöthigt fand sie unter andern Regimenter zu zerstreuen. Ich weiß nicht ob oder in wie ferne diese Erzählungen gegründet sind. Auch hier sind Unruhen zu befürchten, nicht jetzt aber später, wegen des Getreide Mangels. Seit einem Monathe haben wir herrliches Wetter, und ich beschäftige mich sehr mit ländlichen Arbeiten die meinen Landsitz noch verschönern. Man erzählt, ich kann aber nicht dafür bürgen, daß der König gesagt habe, sollte die Emancipation jemahls zu Stande kommen so geht der König Arthur in die Hölle und König Georg nach Hannover. // Lord Strangford ist nach einer langsamen und zum Theile stürmischen Reise in Madeira am 12ten September angelangt, wollte aber nicht landen und schien auf seiner Rückreise mit Ungeduld entgegen zu sehen, indem er den Wunsch äusserte daß man zu diesem Zwecke einen Kriegs-Schiff in Bereitschaft halten möge. Ich bitte Sie mir gütigst zu melden ob unser Freund Müller einen Brief von mir nebst einem Buche erhalten habe. Ich weiß nicht das Datum, glaube also daß er in July oder August geschrieben wurde. Noch immer, ich begreife nicht warum, ist kein Nachfolger des Lord Ellenborough als Privy Seal ernannt worden, und man sieht jetzt daß der Parlament nur zu der gewöhnlichen Zeit zusammen berufen seyn wird, daß die Regierung also die ganze schwere Verantwortlichkeit welche der Zustand von Irland bringt sich aufbürden läßt. Der alte treue Watchman hat eine Auferstehung gehabt und erscheint jetzt täglich als eine Fortsetzung der New Times <die aufgehört haben> unter dem Nahmen des Morning Journal. Der Redacteur ist derselbe der den Watchman führte und wird, wie ich hoffe und glaube, dieselbe Grundsätze standhaft vertheidigen. Ich muß aber bedauern daß er gar zu eifrig wider die Katholiken ist, und daß er nur sehr unziemende Sprache in Rücksicht auf die Angelegenheiten Portugals führt indem er dreist behauptet daß der Don Miguel der rechtmässige Beherrscher sey, ob er gleich von keinem Monarchen und sogar von seinem // eignen Oheim nicht anerkannt wird. Man hat mir gesagt daß man sehr zuverlässig weiß daß dieser Redacteur im Solde des Miguel stehe, und der Palmella und seine Parthey haben die Times und noch eine andere Zeitung für sich gekauft. Man sagt ferner daß es Miguel gänzlich am Gelde fehlt, und daß die Truppen sogar einen Rückstand von 1 oder Monathe haben. Der Graf Villa Real ist, wie ich höre, mit seiner Familie nach Brüssel abgegangen. Ich erfahre heute mit vielem Verdrusse daß Varna bey den Russen erobert wurde und wie es scheint durch Untreue und Bestechung eines Theils des Hafens. Der Besitz ist vielleicht wichtig weil er die Verbindung mit dem Schwarzen Meere eröfnet, man hofft aber daß die Russen, da sie sie Ehre ihrer Waffen einigermassen gerettet haben, mehr geneigt zu einem Vergleiche seyn werden und daß der Sultan ebenfalls etwas nachgeben wird. Ich bin sehr begierig Ihre Meynung darüber zu erfahren. Ich höre daß ein Oesterreichischer Courier übermorgen abgehen wird, und ich hoffe also daß Sie bald diese Zeilen erhalten werden die aber von wenigem oder keinem Interesse sind, und Ihnen wie immer die Versicherung bringen werden daß ich verbleibe Ihr treuer, liebender Freund Graf Stanhope. H: Universitätsbibliothek, Amsterdam. Handschriftenabteilung, Signatur: Cm 1. x Bl., F: ; 4 eighd. beschr. Seiten. D: Schlesier, Schriften, V, 136-138 (tlw.).