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Gentz ; Müller, Adam
An Adam Müller, Teplitz, 1. November 1807, Schiller-Nationalmuseum / Deutsches Literaturarchiv, Marbach a. N. Nachlass Hauff-Kölle, Kasten 124, Mappe 1, Nr. 12, Inv.-Nr. 34705 1807

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id1831
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Müller, Adam
LocationTeplitz
Date1. November 1807
Handwritten recordSchiller-Nationalmuseum / Deutsches Literaturarchiv, Marbach a. N. Nachlass Hauff-Kölle, Kasten 124, Mappe 1, Nr. 12, Inv.-Nr. 34705
Size/Extent of item2 Bl., F: 236mm x 187mm; 4 eighd. beschr. Seiten
IncipitMein letztes, kurzes, und noch matteres
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Adam Müller Teplitz, 1. November 1807 Teplitz den 1ten November. 1807. Mein letztes, kurzes, und noch matteres Billet, kan Ihnen von meinem damaligen physischen Zustande keine glänzende Vorstellung gegeben haben; was Nostitz Ihnen von mir gesagt hat, weiß ich nicht; nur so viel weiß ich, daß er, vermöge seiner, unglücklicher Weise täglich zunehmenden Red- und Erzählseligkeit, einen halben Tag, meinem Bette gegen-über zubrachte, ohne zu bemerken, daß ich von zwanzig seiner Worte kaum Eins mehr zu h ö r e n die Kraft hatte. - Das Faktum ist aber, daß ich einen ernsthaften und harten Anfall überstanden habe; daß ein durchaus-geschwollner Hals, mit einem beträchtlichen Fieber verbunden, mich fünf Tage lang äußerst mitgenommen hat, daß, wenn der geringste Grad von Entzündung eintrat, nach Ambrosi's heutigem Geständniß, der Fall s o f o r t tödtlich geworden wäre; daß, um diesem vorzubeugen, eine Combination von Arzneyen, Ketaplasmen, Versicatorien ppp nötig wurde, deren vereinte Wirkung (bey absoluter Schlaflosigkeit // und völliger Unmöglichkeit, auch nur etwas einem Nahrungs-Mittel ähnliches zu genießen) die vorige Woche in eine der fatalsten meines Lebens verwandelte. Seit gestern bin ich auf dem Wege der Genesung; das heißt, vom Fieber, von aller Drüsen-Geschwulst, und von allen Pflastern und Umschlägen befreyt, die meinen Körper bedeckten. Daß ich mich wohl fühlte, kan ich indessen nicht sagen; das Gefühl von Wieder-Aufstreben zur Kraft, was man sonst in der Genesungs-Periode hat, und dessen ich mich aus meinen ehmaligen dreytägigen Fiebern sehr wohl erinnre, habe ich nicht; ich bin im Gegentheil äußerst matt, ohne Neigung zu Nahrungsmitteln, die mich wieder aufrichten müßen, und, so ungern ich mir dies auch gestehe, ohne eigentliches Vertrauen auf die radikale Hebung der Krankheit; obgleich ich sehr fest überzeugt bin, daß Ambrosi alles aufgeboten und erschöpft hat. - Der Ursprung dieser Krankheit war höchst sonderbar. Ich zog mir vor etwa 14 Tagen, des Morgens // früh, eine sehr heftige Erkältung zu. Ich bemerkte es kaum; und da denselben Tag ein mildes, köstliches Wetter eintrat, so fuhr ich mit Ompteda's spatzieren, war äußerst vergnügt, aß mit ihnen, sprach viel und lebhaft, und bemerkte erst mitten im Gespräch, daß ich Kopf- und Hals-Schmerzen hatte. Den Abend hatte ich einen leichten Fieber-Anfall; den folgenden Tag war alles vorbey; doch blieb ein Husten zurück, der mich des Nachts oft sehr quälte, der aber mehr krampfhafter als schleimigter Natur zu seyn schien. Während der [ganzen Zeit, daß dieser dauerte] <8 Tage, die auf diesen ersten Anfall folgten>, war ich in einem solchen Zustande von innrer Thätigkeit und Exaltation, als ich mich nicht erinnre, seit vielen Jahren erlebt zu haben. Ich arbeitete den ganzen Tag; bloß aus Pflicht legte ich um 1 oder 2 Uhr Morgens mich zu Bette; meine Ideen waren von einer Klarheit, Ordnung, und Reife, daß es mir vorkam, als müßte ich die ganze Welt damit erleuchten und beherrschen. Vorigen Sonntag, als am letzten Tage dieser glänzenden Epoche, bleibt auf einmal jener krampfhafte Nacht-Husten, wovon ich Ihnen gesprochen, // rein aus; Montag früh verdickt sich mein Hals, und Montag Abend wußte ich kaum mehr von mir selbst. Wenn nicht irgend etwas dazwischen kömmt, worauf man nicht rechnet, so hat mir Ambrosi heute bestimmt erlaubt, Donnerstag von hier abzugehen; alle meine Anstalten dazu sind gemacht; und dies wird also der letzte Bote seyn, den ich von hier aus an Sie abfertigte. Ich kan Ihnen nicht herzlich und freundlich genug für den höchst interessanten Brief danken, den Sie den letzten Paketen beygefügt hatten. Am Tage, da ich ihn erhielt, war ich so angethan, daß ich nicht einmal die Lust hatte, ihn zu lesen, o d e r e i n s d e r P a k e t e z u e r ö f n e n. (Glauben Sie also, daß ich krank war ?) Sobald ich nur aber zum Sonnenlicht zurück kehrte, wurde er meine erste, und wichtigste Lectüre, und hat mir v i e l e und l a n g e Nahrung gegeben. Nach Anleitung dieses Briefes, will ich nun noch über Verschiednes mit Ihnen plaudern, so weit mein Kopf mich tragen wird. [Der Rest der Handschrift ist verschollen.] H: Schiller-Nationalmuseum / Deutsches Literaturarchiv, Marbach a. N. Nachlaß Kölle-Hauff, Kasten 124, Mappe 1, Nr. 12, Inv.-Nr. 34705. 2 Bl., F: 236mm x 187mm; 4 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.