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Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Wien, 17. Juli 1831, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 51-56v 1831

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id1825
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationWien
Date17. Juli 1831
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 51-56v
Size/Extent of item12 eighd. beschr. Seiten
Places of printProkesch-Osten, Briefwechsel mit Gentz und Metternich, II, 41-43 (tlw.)
IncipitAus Ihrem neusten Bericht, Mein
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Anton von Prokesch-Osten Wien, 17. Juli 1831 Wien den 17 July 1831 Aus Ihrem neusten Bericht, Mein Theurer Freund habe ich ersehen daß Sie einige Tage nach dem 15ten Bologna zu verlaßen gedachten; die gegenwärtigen Zeilen werden daher morgen oder übermorgen nach Rom expedirt. Ihre letzter Bericht enthält, neben mancherley bösen Ahndungen, doch auch einige Beruhigungs-Gründe; und en dernière analyse scheinen Sie an einen nahen Wieder-Ausbruch der Insurrection n i c h t zu glauben. Dies, und die aus den Pariser Expeditionen vom 7ten und 9ten d. M. hervor leuchtende Zufriedenheit // der Französischen Regierung, welche die Italienische Frage als ganz abgethan betrachtet, ist mir v o r d e r H a n d genug. Wer kan und wird sich heute den Kopf darüber zerbrechen, was in zwey oder drey Monaten geschehen mögte. Vivre le jour la journée, ist noch viel zu viel gesagt, in einer Zeit, wie die jetzige. Grata superveniet quae non sperabitur h o r a ! Das ist mein Wahlspruch geworden ! Ich habe weder Zeit noch Lust, halte es auch für überflüßig, Sie von dem neusten Stande der Dinge in Frankreich, England ppp zu unterhalten; in Rom werden Sie so viel davon erfahren, als Ihnen etwa zu wissen nötig // ist, und vermuthlich mehr als Ihnen lieb seyn wird. Ich sage Ihnen nur so viel, daß wir über Italien, und selbst über Belgien (vergleichungsweise gesprochen) ohne Furcht sind, daß aber alle große Besorgnisse sich heute auf die Pohlnische Frage werfen, die, i n j e d e m F a l l e, die Russen mögen, bey ihren jetzt vorbereiteten Operationen siegen, oder geschlagen werden, die größten politischen Bewegungen in Europa veranlaßen wird. Der Sohn des Périer ist am 8ten nach London gesendet worden, um das Englische Cabinet zu einem gemeinschaftlichen, und nachdrücklichen Interventions-//Schritt gegen Rußland aufzufordern; und, sollte man auch in London wo man übrigens g a n z mit Frankreich einverstanden ist, den Augenblick noch nicht geeignet finden, um an diesem Schritte Theil zu nehmen, so geschieht er dennoch von Französischer Seite u n f e h l b a r. Dann fängt unsre, und Preußens dringende Noth an; um diese recht zu begreifen, müßten Sie wissen, in welcher A u s d e h n u n g, und in welchem G r a d e die Sache der Unabhängigkeit Pohlens in allen Ländern - die unsrigen nicht ausgenommen - populär geworden ist. Auf dieser Linie umarmt sich Krieg und Frieden, Leben und Tod für Europa. // Das Resultat der Französischen Wahlen ist für das Ministerium ungleich günstiger ausgefallen, als man erwartet hatte; a l l e Parteyen [auch] aber, auch die gemäßigsten, vereinigen sich in dem Satze, daß man, was es auch kosten möge, P o h l e n retten müße; und weder Périer, noch Louis Philippe selbst, können sich zwey Monat lang behaupten ohne diesem Wunsche nachzugeben. Uebrigens stehen die Dinge in Frankreich selbst noch immer sehr zweifelhaft; denn obgleich die Chancen in der neuen Deputirten-Kammer den Ministern günstig scheinen, müßen wir doch noch den Monat July und August abwarten, bevor wir eine neue Haupt-Katastrophe aus unsern Calcüls ganz weglaßen dürfen. Ich hoffe, Sie werden mich bey Zeiten von Ihren fernern Aussichten unterrichten. Ich verstehe unter A u s s i c h t e n Ihre W ü n s c h e; denn ich weiß wohl daß die weitre Bestimmung Ihres Schicksals nicht von Ihnen abhängt. Unterdessen wiederhole ich Ihnen, daß Ihr bisheriger Aufenthalt in Italien, in der Meynung des Fürsten, und aller derer, denen hierüber ein Urteil zusteht, eine für Sie höchst vorteilhafte Wirkung gehabt hat, und daß es mit dem T . . zugehen müßte, // wenn Sie nicht, auf eine oder die andre Art, die Früchte Ihrer dortigen Geschäftsführung einerndten sollten. Mit welchem Verlangen, mit welcher Sehnsucht i c h Ihrer Rückkehr nach Wien entgegen sehe, vermag ich Ihnen nicht auszudrücken. Sie können Sich nicht vorstellen, in welcher Gemüthsstimung ich mich befinde, und ich d a r f Ihnen nicht beschreiben, wie alles, was mich umgiebt, mir täglich enger und enger die Brust zuschnürt. Die schweren und schwarzen Gedanken, die jeder Tag in mir erzeugt, erzeugen m u ß, verfolgen mich bis in den Schoß des einzigen Verhältnisses, aus welchem noch Friede und Lebenslust mich anlächeln; und ich // bedarf dringend eines Freundes, mit welchem ich meine geheimen Sorgen, - schrecklicher als die am Tage liegenden - theilen kan. Ihr Brief an Fanny machte mir so viel Freude, daß ich es mir nicht versagen konnte, ihn der Herzogin mitzutheilen; und wie er auf diese gewirkt hat, mögen Sie aus beyliegendem Zettel schließen, mit welchem sie mir ihn heute früh zum zweytenmahle abforderte. Mein nächstes Schreiben wird Ihnen vermuthlich eine freundliche Erinnerung von ihr bringen. Pauline wird zwar von den Aerzten außer Lebensgefahr erklärt, ist aber immer noch in einem Zustande, der alle Hoffnung auf gänzliche Wiederherstellung ausschließt. Mit Fanny capitulire ich alle Tage über die Ihnen schuldige // Antwort. Sie fühlt, mit aufrichtiger Beklemmung, daß sie sich an Ihnen vergeht, wenn sie nicht dazu schreitet; aber die Arme wird, theils durch ihre ermüdenden Dienst-Geschäfte, theils durch ihre Ihnen bekannte Bescheidenheit, die sich, Ihnen gegen über, als Furcht oder Ehrfurcht zeigt, zurückgehalten. Uebrigens hat sie heute den Brief, als ich ihn von ihr für die Herzogin verlangte, an ihre Brust gedrückt, und zärtlich geküßt; und ich melde Ihnen diesen Umstand, weil Sie darin den Beweis, daß sie den Werth Ihrer Freundschaft zu schätzen versteht, finden werden. Zwey bevorstehende Uebel tragen nicht wenig bey, mich zu beängstigen. Das eine, und, leider wohl gewisse, ist, daß ich Fanny im September wieder auf ein // Paar Monate verliere, weil sie im vorigen Jahre in Berlin, und zwar gegen den König selbst, ein Engagement eingegangen ist, [wenn] von dessen Erfüllung Vernunft und Gewissen mir nicht gestatten, sie abzuhalten; um so weniger, als es sehr viel einbringen wird. Das andre Uebel, - nehmlich die fortschreitende Annäherung der Cholera - ist zwar noch problematisch; aber die allgemeinen Besorgnisse, und die von Morgen bis Abend nicht mehr versiegenden Gespräche darüber gehören zu den ärgsten Qualen meines, durch die politischen Gefahren schon hinreichend heimgesuchten Lebens. Einen seltsamen Trost finde ich in der Constellation, daß wenn die Cholera uns - wie einige // Aerzte [weiss], ungeachtet aller militärischen Cordons und so fort weissagen - [uns] in 6 oder 8 Wochen wirklich erreichen sollte, sie in die Zeit fallen würde, wo Fanny von Wien abwesend seyn wird, so daß ich wenigstens f ü r s i e nicht zu fürchten hätte, und auch selbst, in Hinsicht auf eine etwanige Auswanderung, freyer und leichter fühlen würde. Es ist gewiß eine höchst sonderbare Fügung, daß R u ß l a n d welches vor zwey Jahren, unter andern Gründen zur Rechtfertigung des ungerechtesten aller Kriege, auch den, daß das Türkische Reich die Heimath der P e s t sey, aufstellte, jetzt, seiner Seits, Europa mit einer neuen Pest überschwemmt ! Ueberhaupt ist die Analogie // zwischen der weyland Griechischen, und heutigen Pohlnischen Sache, zwischen dem Gange der Tripel-Allianz gegen den Sultan, und dem, welcher Frankreich und England gegen ihren gewesnen Alliirten einschlagen wollen, etwas so frappantes daß mir jeden Augenblick das - Discite justitiam - in den Sinn kömmt. Leben Sie wohl, Mein Theurer Freund; mit Ungeduld erwarte ich Ihre nächsten Briefe, und besonders die aus Rom. Für einen Dichter - Kunstkenner - und Alterthumsforscher, wie Sie welch ein Genuß ! Vergessen Sie darüber nicht Ihren treuen GentzH: HHStA, Wien. Nachlaß Prokesch-Osten, Karton 27, , Bl. 51-56v. x Bl., F: ; 12 eighd. beschr. Seiten. D: Prokesch-Osten: Briefwechsel mit Gentz und Metternich, II, 41-43 (tlw.).