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Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Baden, 11. August 1831, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 59-64v 1831

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id1691
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationBaden
Date11. August 1831
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 59-64v
Size/Extent of item12 eighd. beschr. Seiten
Places of printProkesch-Osten, Briefwechsel mit Gentz und Metternich, II, 47-49 (tlw.)
IncipitIch erhielt gestern Abend, Mein
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Anton von Prokesch-Osten Baden, 11. August 1831 Baden den 11 August 1831. Ich erhielt gestern Abend, Mein Theurer Freund, Ihr Schreiben aus Rom vom 1ten d. Es nach Würden zu beantworten, erforderte mehr Zeit und mehr Gemüthsruhe als [xxx] mir jetzt zu Gebot steht. Ich muß mich heute mit dem Nothwendigsten begnügen. Einen Freund von I h r e r Art zu besitzen - erkenne ich als eine der größten Wohlthaten, welche das Schicksal, oder die Welt-Regierung mir je verliehen hat, oder verleihen konnte. Das fühle ich in jeder Zeile Ihrer Briefe; und ich lese sie daher mit einem Interesse, welches durch das Wohlgefallen an ihrem geistreichen // Inhalt keinesweges vollständig erklärt wird, welches nur die Sprache des Herzens zum Herzen erweckt. Ich habe heute früh den größten Theil Ihres letzten Schreibens dem Fürsten vorgelesen; und ich kan Ihnen heilig versichern, daß Er ihn sehr gut aufgenommen hat. Er hat den Willen - und ich glaube, den aufrichtigen und festen Willen - zuerst an der Wiederherstellung Ihres Ranges in der Armee [auf] ernstlich zu arbeiten; was Er mir über diesen Punkt gesagt, schließt jeden Zweifel aus. Er sieht ferner vollkommen ein, daß es eben so unklug als ungerecht wäre, einen Mann von // Ihren Talenten nicht auf alle Weise zu benützen und zu ermuntern; Er hat endlich - selbst, indem er das H u m o r i s t i s c h e Element in Ihrem Charakter mit etwas zu viel Strenge beurteilt - sehr wohlwollende und freundschaftliche Gesinungen für Ihre Person. Ich darf Ihnen, weil der gegenwärtige Brief so manchen Chancen ausgesetzt ist, seine ipsissima verba nicht wiederholen; Sie können aber dem, was ich Ihnen hier melde, u n b e d i n g t e n Glauben schenken, auch versichert seyn, daß [xxx] nicht der Wunsch Sie augenblicklich zu beruhigen, sondern die Pflicht, Sie zu unterrichten, wie es in der Wirklichkeit, und nach meiner besten Ueberzeugung, mit Ihren Aussichten // in die Zukunft (in so gern sie vom Fürsten abhängen) steht, mich bey dieser gedrängten Mittheilung eines ziemlich langen und interessanten Gespräches, ausschließend geleitet hat. Jetzt muß ich Sie in wenig Worten mit meiner dermaligen Lage bekannt machen. Seit einem Monat schwebt die Furcht vor dem Einbruch der Cholera über unsern Häuptern. In dieser Crisis, welche selbst den politischen Verwicklungen einen Theil unsrer Aufmerksamkeit entspricht, hat der Fürst plötzlich - ob in Bezug auf diese Gefahr, oder aus andern zufälligen Gründen weiß ich selbst nicht genau - den Entschluß gefaßt, ein Haus in Baden zu miethen, woselbst // der Kayser noch durch diesen ganzen Monat, wenn die Umstände es erlauben, bleiben will. Der Fürst bot mir in diesem Hause eine Wohnung an; und hier sind wir nun seit 8 Tagen etablirt. So weit wäre nun alles noch erträglich, obschon der Aufenthalt in Baden, bey meiner eingewurzelten Antipathie gegen diesen Ort, und da er mich von Wien entfernt, nichts sehr erwünschtes hat. Das Schreckliche ist aber, was und b e v o r s t e h t. Es ist nehmlich beschlossen, daß, w e n n die Cholera, den, leider schon ziemlich nahen Cordon, der uns von dem angesteckten Ungarn trennt, überschreiten sollte, der Kayser, der Fürst Metternich, das nöthige Geschäfts-Personal, und sogar ein Theil // des diplomatischen Corps sich in Schönbrunn einzuquartieren, und dort von aller Welt abgesperrt, so lange bis die Gefahr vorüber ist, wohnen sollen. In welche Perplexität mich dieses Projekt versetzt, kan ich Ihnen unmöglich beschreiben. Noch habe ich keinen definitiven Entschluß gefaßt; noch weiß ich nicht, ob ich mich dieser grausamen Gefangenschaft unterwerfen, oder, was auch geschehen möge, meine Freiheit reclamiren werde. Da man sich immer noch mit der, vielleicht eiteln, Hoffnung schmeichelt, von dieser Extremität verschont zu bleiben, so suspendire ich, gegen mich selbst und Andre jeden Ausspruch über ein so höchst peinliches Dilemma. Indessen können // Sie Sich leicht vorstellen. wie sehr die Ungewißheit in der ich schwebe, und demnächst die e w i g e n G e s p r ä c h e über das, was uns erwartet, die fast jede andre Unterhaltung verdrängt haben, mit jede Stunde meines hiesigen Aufenthaltes verbittern. Fanny hat, sogleich als die Niederlaßung in Baden beschlossen ward, hier eine Wohnung genommen, und ich habe also wenigstens f ü r j e t z t den Trost, nicht ganz von ihr gerissen zu seyn. Da sie aber, des Theaters wegen, oft in die Stadt muß, so genieße ich ihre Gegenwart nur Tageweise. Jetzt sah ich sie durch drey Tage nicht; morgen erwarte ich sie wieder auf 2 oder 3 Tage. - Sollte das Gefürchtete über uns aus//brechen, so würde ich selbst darauf dringen, daß sie ihre vorhabende Reise nach Berlin beschleunigte. - Das Unglück ist aber, daß Berlin nicht weniger von der Seuche bedroht ist, als Wien. - Sie sprechen von Gratz - Mayland ! - und Neapel !! - Dies ist die einzige Stelle in Ihrem sonst so vortreflichen Briefe, die ich g r a u s a m finde. Wenn Sie wüßten, w i e mir zu Muthe ist, hätten Sie sie gewiß nicht geschrieben. Die Krankheit selbst fürchte ich wenig oder gar nicht. Es fällt mir nicht ein, daß sie, bey meiner einförmigen und mäßigen Lebensweise mich treffen könnte. Aber die Gegen-Anstalten, die Trennungen, die Entbehrungen, die fürchterliche Dunkelheit der // nächsten Zukunft, die Verwirrung und Auflösung aller öffentlichen und Priavt-Verhältnisse - die machen mich zittern; und ich betrachte wirklich als ein Wunder, daß meine Gesundheit unter diesen Umständen bisher unerschüttert geblieben ist. Welch ein Glück, und welch eine Hülfe wäre es für mich, wenn ich S i e jetzt in meiner Nähe hätte ! Von Politik sage ich Ihnen nur wenig. Ich glaube weniger als je an den Krieg. Der tolle und verruchte Entschluß des Königes von Holland schreckt mich nicht. Ich betrachte ihn fast wie ein Glück, weil er, allem Vermuthen nach, das Ministerium Perier von neuem befestigen wird. // Von Eroberung Belgiens kan die Rede nicht seyn. Frankreich handelt im Sinne der Londner Conferenzbeschlüsse, und wird hoffentlich mit England in Gemeinschaft, den König von Holland bals zur raison bringen. - Die Pohlnischen Sachen beurteilen Sie sehr richtig. Daß es dem Französischen Cabinet mit der Intervention kein Ernst ist, bedarf keines weitern Beweises; und das Englische hat sie ganz abgelehnt. Die Russen standen am 4ten d. 12 oder 15 Meilen von Warschau, und wahrscheinlich wird in 8 Tagen das unglückliche Drama ausgespielt seyn. - Der Himmel gebe nur, daß I t a l i e n ruhig bleibe ! // Was Sie von der Herzogin sagen ist so schön und so wahr, daß ich mich versucht fühle, es ihr mitzutheilen. Mit der armen Pauline aber ist es so gut als aus. Nachdem sie durch zwey Monate dem Tode nahe gewesen, scheint jetzt wohl die Gefahr vorüber; sie ist aber in einem solchen Zustande von Schwäche, oder vielmehr, von gänzlicher , daß sie weder gehen, noch sprechen, noch irgend eine Lebens-Function mehr verrichten kan, Sie sieht keinen Menschen, außer ihren Schwestern, scheint sogar das Gedächtniß verloren zu haben, und soll einem Schatten ähnlicher seyn, als einer Lebenden. Die heftigen Mittel // die man anwenden mußte, um sie zu erhalten, haben ihre letzten Kräfte verzehrt; ich glaube nicht, daß wir sie je wieder sehen werden. Die Fürstin Metternich schreitet in ihrer Schwangerschaft sichtbar vorwärts, und und befindet sich dabey wohl. Ich habe Ihren Auftrag bestellt. Nach Graf Senffts und Reymond's Aussagen ist die bewuste Geld-Rimesse bereits seit 8 Tagen - wo nicht wirklich abgegangen, doch angeordnet. Ich schreibe so eben dieserhalb nach Wien. Dieser Brief wird Sie hoffentlich noch in Rom finden. Hören Sie ja nicht auf, zu schreiben Ihrem treuenGentz H: HHStA, Wien. Nachlaß Prokesch-Osten, Karton 27, , Bl. 59-64v. x Bl., F: ; 12 eighd. beschr. Seiten. D: Prokesch-Osten: Briefwechsel mit Gentz und Metternich, II, 47-49 (tlw.).