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Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Wien, 1. Juni 1827, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 14-17v 1827

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id1593
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationWien
Date1. Juni 1827
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 14-17v
Size/Extent of item8 eighd. beschr. Seiten
Places of printProkesch-Osten, Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I, 19-23
IncipitMein sehr geehrter Herr und Freund!
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Anton von Prokesch-Osten Wien, 1. Juni 1827 Wien den 1ten Juny 1827 Mein sehr geehrter Herr und Freund ! - Ich glaube mich gegen einen Mann Ihrer Art der Kanzley-Titulaturen entschlagen zu können. Seit zwey oder drey Jahren war der Anblick Ihrer Briefe und Berichte mir jederzeit äußerst erfreulich; denn ich wußte immer zum voraus, daß ich sie nicht ohne großes Interesse lesen, ohne vollkommne Befriedigung aus der Hand legen würde. Zum erstenmahle wurde meine Erwartung vereitelt, als mit der Nachricht von Ihrer Rückkehr nach Europa, zugleich Ihre letzte Expedition von Alexandria, und Ihre Schreiben an den Fürsten, an den Obrist Kavanagh, und an mich, zu meiner Kenntniß gelangten. Ich mache Ihnen keine Vorwürfe darüber. Ich bin Ihnen so viel angenehme Stunden schuldig, daß es höchst unbillig wäre, über eine unangenehme viel zu klagen. In I h r e m Interesse // aber, eben so sehr als in dem unsrigen, muß ich mich offenherzig über die unglückliche Auslegung erklären, die Sie, ohne allen Grund der Ihnen zu Theil gewordnen Bestimmung gegeben haben. Sie kennen unsre Dienstverhältnisse, und die tausend Schwierigkeiten, mit welchen Männer von den vorzüglichsten Eigenschaften zu kämpfen haben, um einen ihren Talenten und ihrer Brauchbarkeit angemessnen Standpunkt zu erreichen. In die gewöhnliche Laufbahn zurück zu treten, konnte unmöglich Ihr Wunsch seyn. Ihnen eine ganz neue zu eröfnen - wozu es an gutem Willen wahrlich nicht gefehlt haben würde - lag außer den Gränzen der Macht des Staatskanzlers. Es giebt wenig diplomatische Posten, zu welchen ich Sie nicht fähig glaubte; und der Fürst denkt hierin ganz so wie ich. Wenn Sie Selbst aber den bezeichnen sollten, der, so wie die Sache nun einmal stehen, Ihnen verliehen werden könnte, Sie würden in nicht geringrer Verlegenheit [gewesen] seyn, als wir. // Ich wünschte, Sie sprächen Sich über diesen Gegenstand ohne allen Rückhalt gegen mich aus. Vielleicht, ob mir dies gleich nicht wahrscheinlich ist, schwebt Ihnen irgend eine Perspective vor, auf die unsre Blicke nicht fielen; in diesem Falle würde ich mit dem größten Vergnügen alles aufbieten, um Ihren Wünschen entgegen zu kommen. Doch, so fest ich auch glaube, daß, früher oder später, gerade ein solcher Wirkungskreis für Sie gefunden werden m u ß und w i r d, so wenig sehe ich leider jetzt noch ab, von welcher Seite wir dazu gelangen könnten.Unter diesen Umständen war der Gedanke, Ihnen eine möglichst zweckmäßige und thätige Stellung auf der Escadre anzuweisen, wenigstens g u t g e m e y n t; und Obrist Kavanagh und ich hatten gewiß in der besten Absicht an der Beförderung dieser Maßregel gearbeitet. Ich gestehe indessen, daß mir damals verschiedne Data unbekannt waren, die ich erst später in Erfahrung gebracht. Fürs erste wußte ich nicht, // daß Sie überhaupt der Verwendung im Seedienste in jeder Gestalt abgeneigt waren; und eben so wenig wußte ich, wie Sie über den neuen Commandanten dachten. Von den Rang-Verhältnissen hatte ich ebenfalls keine recht deutliche Vorstellung, rechnete aber darauf, daß Kavanagh, der sich eben so lebhaft für Sie interessirt, wie ich, nichts vorschlagen oder unterstützen würde, das mit Ihrer Zufriedenheit im Widerspruch stehen könnte. Ist hiebey gefehlt worden, so kan ich mich nur einer falschen Ansicht, aber sicher keiner Vernachläßigung Ihres Interesses anklagen. Unbegreiflich bleibt es mir aber, wie Sie in den Irrthum gerathen konnten, daß Ihre neue Bestimmung dem Verhältnisse, worin Sie bisher mit dem Fürsten Metternich gestanden haben, den geringsten Abbruch thun sollte. Die Aufrechthaltung dieses Verhältnisses war ja vielmehr der oberste Zweck, den wir im Auge hatten. Nur augenblicklicher Unmuth macht es einigermaßen erklärbar, daß Sie // in Ihrem Schreiben an den Staatskanzler von "Abtreten", und gar von "U n g n a d e" sprechen konnten. Wenn Sie auch von der Gerechtigkeitsliebe des Fürsten eine noch so schwache Vorstellung haben sollten, so hätte Ihnen doch einleuchten müßen, daß er seinen eignen Vorteil und den Vorteil des Dienstes nicht so ganz verkennen würde, um sich einer Correspondenz zu berauben, auf welche er jederzeit einen ausgezeichneten Werth gelegt hat. Ihr Aufenthalt in Egypten, und Ihre dortigen meisterhaften Verhandlungen, die uns um so mehr in Erstaunen setzen mußten, als uns nicht entgehen konnte, daß Sie, bey sehr unvollkommner Kenntniß des diplomatischen Standes der Dinge, fast alles aus den Quellen Ihres eignen Scharfsinns geschöpft hatten, - waren gewiß nicht dazu geeignet, die von Ihren Leistungen längst gefaßte Meynung herab zu stimmen. Sie werden in Kurzem von dem Fürsten selbst ein Schreiben erhalten, welches das hier gesagte vollkommen bestätigen wird. Ich überlaße Herrn Obrist von Kavanagh Ihnen zu melden, was von Seiten des Hofkriegesraths eingeleitet und versucht worden ist, um Ihre Lage wenigstens einigermaßen zu verbessern. Von den Schritten des Fürsten Metternich mag ich Sie nicht unterhalten, bevor ich über den Erfolg derselben Gewißheit haben werde. Ich will nicht Stoff zu neuen Erwartungen geben, deren Realität ich nicht zu verbürgen im Stande bin. Wenn Sie wüßten, mit wie vielfachen Hindernissen wir in allen Angelegenheiten dieser Art zu kämpfen haben, Sie würden uns mit mehr Nachsicht beurteilen. Auf der einen Seite der Hofkrieges-Raths-Präsident, der nicht der Mann ist, auf den sich irgend rechnen ließe, der vielmehr immer in einer gewissen Opposition steht, von blindem Hochmuth besessen, und nicht einmal fähig zu begreifen, wie und warum ein aufgeklärter Minister vom gewöhnlichen Wege abweichen will, wenn es darauf ankömmt nicht-gewöhnliche Dienste zu würdigen. Auf der // andern Seite der Monarch, bey dem es täglich schwerer hält, irgend einen außerordentlichen Antrag durchzusetzen, und über dessen Entschlüsse, besonders wenn die geringste neue Ausgabe damit verknüpft seyn sollte, auch der Fürst Metternich, sollte er auch noch das Meiste vermögen, weniger als Sie glauben, vermag. Hinge Ihr ferneres Schicksal von diesem Minister ab, so würden Sie Sich nicht mehr zu beklagen haben. In jedem Falle, Mein lieber Prokesch, fordre ich Sie auf, mir Ihre eignen Ideen, Wünsche, und Sorgen, mit unbedingtem Vertrauen mitzutheilen. Ich bin viel zu ohnmächtig, um das zu bewirken, was nach meiner vollen Ueberzeugung geschehen sollte. Ein guter Rath aber hat manchmal auch seinen Werth. Sie sehen aus gegenwärtigem Briefe, daß Ihre Zufriedenheit mir wirklich am Herzen liegt; daß ich Sie zu schätzen weiß, müßen Sie bereits früher gewust haben. Aus der mir mitgetheilten Abschrift // Ihres Schreibens an Oberst Dandolo ersehe ich mit Vergnügen, was ich ohnehin nie bezweifelt hätte, daß Sie den Sinn der Supplementar-Instruction richtig auffaßten. Da [ich] diese Instruction durchaus mein Werk ist, und ich der Italienischen Uebersetzung nicht unbedingt traue, so liegt mir einigermaßen daran, daß Sie das Original kennen lernen, und ich werde Ottenfels bitten, Ihnen eine Abschrift davon zukommen zu laßen. Sie werden bemerken, daß in diesem Reglement eigentlich zum ersten Mahle eine correkte Definition u n s r e r Neutralität worüber eine Menge schiefer Vorstellungen im Gange sind, gegeben worden ist. Ich hoffe nächstens interessante Berichte von Ihnen zu sehen; denn noch in keinem Moment waren die diplomatischen, wie die militärischen Ereignisse auf dem dortigen Schauplatz in einer so bodenlosen Verwicklung als heute. Nehmen Sie die Versicherung meiner ganz besondern Hochachtung, und aufrichtigen Ergebenheit an ! Gentz H: HHStA, Wien.Nachlaß Prokesch-Osten, Karton 27, , Bl. 14-17v. x Bl., F: ; 8 eighd. beschr. Seiten. D: Prokesch-Osten: Briefwechsel mit Gentz und Metternich, I. 19-23.