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Gentz ; Prokesch-Osten, Anton von
An Anton von Prokesch-Osten, Wien, 4.-9. März 1832, HHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 174-186v 1832

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id1591
Issuer of letter
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Addressee of letter
Prokesch-Osten, Anton von
LocationWien
Date4.-9. März 1832
Handwritten recordHHStA, Wien. Nachlass Prokesch-Osten, Karton 27, [?], Bl. 174-186v
Size/Extent of item26 eighd. beschr. Seiten
Places of printProkesch-Osten, Briefwechsel mit Gentz und Metternich, II, 71-78 (tlw.)
IncipitIch habe bis jetzt 2 Briefe
Type of letterBriefe von Gentz
Digital item: TextAn Anton von Prokesch-Osten Wien, 4.-9. März 1832 Wien den 4ten März 1832. Ich habe bis jetzt 2 Briefe von Ihnen, Mein Theuerster, einen aus dem Lazareth vom 20ten, und einen aus Bologna vom 25ten, nebst einem Tagebuch voll der interessantesten Notizen. Das nenne ich Menschen und Verhältnisse beobachten. Sie können Sich vorstellen welchen fatalen Eindruck die Nachricht von der gewaltthätigen Besetzung von Ancona hier gemacht hat. Ich kan Ihre ruhige und besonnene Haltung und Aeußerungen bey diesem Vorfall nicht genugsam rühmen; aber ich bin über die Folgen desselben nicht ohne große Besorgniß. Ob die Französische Regierung // den modum procedendi gut heißen, oder desavouiren wird, weiß ich nicht; das Prinzip des Schrittes wird sie sicher hartnäckig verteidigen. Dem Artikel im Journal des débats vom 20ten, ist ein andrer am 25ten gefolgt, beyde von Perier selbst (der in dieser Sache De Cazes und Bertin de Vaux zu Rathe gezogen hat)* herrührend, beyde bey Uns mit großer Erbitterung aufgenommen. Perier hat den guten Ruf und die Gunst, die er sich in der letzten Zeit auch hier, wo man eben nicht geneigt ist, die Französische Regierung mit Vorliebe zu beurteilen, erworben hatte, durch diesen einzigen, freylich falsch berechneten Entschluß, auf lange, wo nicht auf immer verscherzt; und er müßte eine // kaum zu erwartende Nachgiebigkeit und Gewandheit an den Tag legen, wenn nicht schon die d i p l o m a t i s c h e n Verhandlungen einen sehr unangenehmen Charakter annehmen sollten. Was ist aber von der Sache selbst zu denken ? Unsre schönen Evacuations-Projekte sind ja offenbar vereitelt. Die Neapolitanischen Schweitzer, auf welche wir so sicher gerechnet, die man uns wirklich versprochen hatte, werden uns versagt; ich verstehe nicht, wie Lebzeltern nicht Himmel und Erde bewegen konnte, um diese plötzliche Defection abzuwenden. Von der andern Seite ist die Gegenwart unsrer Truppen nothwendiger als jemals; denn daß die Gährung in den Gemüthern, // und die Hoffnung der Uebelgesinnten durch die Ankunft der Franzosen ungeheuer steigen müßen, ist wohl klar genug. Wie nun, wenn wir, um Ruhe und Ordnung zu erhalten, unsre Streitkräfte vermehren müßten ? Wenn dann die Franzosen sich berechtigt und berufen glaubten, ein Gleiches zu thun ? Wenn es ihnen einfiele sich nicht auf den rayon von Ancona zu beschränken ? Wenn in dem engen Raume zwischen Ancona und Rom zwey, so ungleichartige, so incompatible Armee-Corps neben, und durch einander regieren wollten ? Würde der beste Wille, und die höchste Weisheit die heftigsten Collisionen verhindern können ? // Und das alles in einem Lande, dessen Regierung so beschaffen ist, wie Ihre treffende Bemerkungen sie schildern ! wo Niemand zu befehlen, und Niemand zu gehorchen weiß, wo kein Rad ins Andre greift, und alle öffentliche Angelegenheiten das Spiel elender Cabalen sind ! Allerdings war das einzige Mittel, dort Ordnung zu schaffen, daß sorgfältig gewählte Oesterreichische Autoritäten das Land vollständig organisirt, und es dann dem Pabste wieder übergeben hätten. Würde aber der Römische Hof einem solchen Plan je beygestimmt haben ? Und, wenn es möglich gewesen wäre, ihn mit Kunst oder Uebermacht // auszuführen, dürfte man noch davon träumen, seitdem die Franzosen sich zu unsern c o - a r b i t r e s aufgeworfen haben ? Wir sind, indem ich dies schreibe noch auf die ersten Berichte von Bandiera, auf das, was Sie am 20 und 25ten von Bologna aus schrieben, und auf ein Paar Depeschen von Lützow, der damals noch wenig mehr wußte, reduzirt. Der Courier der am 26ten von Rom abgegangen seyn muß, wird in der künftigen Nacht, oder morgen früh erwartet. Ich begreife, daß Ihnen zu Privat-Briefen wenig Zeit bleiben wird; aber in der concisen Form eines Tagebuchs, die Sie so glücklich gewählt haben, wird es Ihnen doch möglich seyn, // mir, wenn nicht jeden Tag, doch oft eine Viertel- oder halbe Stunde zu schenken; und in der jetzigen Crisis werden I h r e Mittheilungen vom größten Werthe für mich seyn. In den ersten Tagen nach Ihrer Abreise habe ich mit Irene einige trübe, und ich kan wohl sagen, schwere Stunden zu überstehen gehabt. Ihr Gemüth war sehr zerrissen; alle frühern Zweifel und Sorgen, selbst solche, die ich nicht zu heben vermag, weil sie ihren Grund in der innern Natur des Verhältnisses haben, versammelten sich mit erneuerter Gewalt, um ihr leidendes Herz. Doch war, und blieb sie, zum Glück, meinem beruhigenden // Zuspruch stets offen; und ich kan mir in der That schmeicheln, heilsam auf sie gewirkt zu haben. In meinen beyden letzten Gesprächen mit ihr fand ich <sie> sehr ruhig und gefaßt. Ich kenne ihre Freundin Pauline zu wenig, um beurteilen zu können, wie sie mit dieser eigentlich steht. Es scheint mir aber, daß die hohe Meynung, die sie von ihr hat, und das mächtige Ascendent über S i e, welches sie ihr zuschreibt, auf Irene eher beunruhigend als calmirend wirkt. Ob hiebey ein, ihr vielleicht selbst nicht bewußtes Gefühl von Eifersucht (in so fern diese in einem so edeln Herzen wohnen kan) im Spiel ist, wage ich nicht zu entscheiden, und habe es nicht weiter untersuchen mögen. // Vergangnen Dienstag (28) Abends ward mir das Glück, Fanny wieder zu sehen. Trotz aller Mühseligkeiten und Anstrengungen - schöner als je; ungeachtet aller, fast ins Unglaubliche gehenden Huldigungen, die ihr in Berlin täglich und stündlich zu Theil wurden, so einfach, so anspruchlos, so bescheiden, so kindlich, und so lieb, wie Sie sie immer gekannt haben. Mit i h r bin ich daher im höchsten Grade zufrieden, und müßte mich des schwärzesten Undanks anklagen, wenn es anders wäre. Ich muß aber das bittre Geständniß gleich hinzufügen daß ich es mit m i r nicht bin. Der wieder gesunde Genuß dieser meiner einzigen Seligkeit auf Erden, wirkt nicht so auf mich, wie er wirken s o l l t e. Ich fürchte, ich // habe verlernt glücklich zu seyn. Anstatt des lebendigen, frohen Gefühls, wovon ich beseelt seyn müßte, versank ich bald nach ihrer Ankunft in einen Zustand von Beklommenheit, von Mißmuth, von Zweifel an mir selbst, der bisher nur in einzelnen bewegten Momenten einer bessern Stimmung Platz gemacht hat. Wenn Sie bey mir wären, würde ich versuchen, Ihnen die Ursachen dieser seltsamen Erscheinung (wie ich sie mir denke) darzustellen; schriftlich mag <ich> es nicht thun, um Sie nicht zu betrüben, oder mich nicht einer Straf-Predigt auszusetzen. Nur das muß ich, zu Vermeidung jedes möglichen Mißverständnisses, bemerken, daß meine Liebe ganz unverändert geblieben, und daß Fanny für das, was an mir [xxx] nagt, auf keine Weise verantwortlich ist. // Montag den 5ten März. Ich habe (durch Zufall) erst heute Ihren Bericht aus Ancona vom 27ten v. M. gelesen. Der Fürst ist mit Ihren Aeußerungen gegen Cubières nicht ganz zufrieden, ob er dies gleich nur sehr leise und freundschaftlich zu erkennen gegeben hat. Auch mich, Mein lieber Freund, haben sie etwas befremdet, wiewohl ich einigermaßen darauf vorbereitet war. Ich hatte nehmlich, nicht ohne Verwunderung, aus Ihrem Schreiben vom 20ten ersehen, daß der Artikel im Journal des débats vom 10ten Ihren unbedingten Beyfall gefunden zu haben schien. Nur bey einer flüchtigen Lectüre (und vermuthlich war Ihnen keine andre gestattet) [daß dieser Artikel] hat Ihnen entgehen können, // daß dieser Artikel, neben den Inductionen, die Sie daraus zogen, einen Satz aufstellte, den wir, sowohl in Hinsicht auf unser unmittelbares politisches Interesse, [noch] als auch in a l l g e m e i n e r V ö l k e r - R e c h t l i c h e r B e z i e h u n g, nie und nimmermehr gelten laßen können; den Satz, daß, weil w i r, aus guten, rechtlichen, von Frankreich selbst anerkannten Gründen, vom [Pabst] Pabst a u f g e f o r d e r t, ihm Hülfe leisteten, Frankreich ipso facto befugt, [seyn] ja seiner Ehre und Würde schuldig sey, aufgefordert oder n i c h t, ein Gleiches zu thun. Dieses rein-willkührliche, im vorliegenden Fall die schädlichsten und gefahrvollsten Maßregeln beschönigende System, welches in // dem spätern Artikel vom 25ten mit dem Charakter eines n o t h w e n d i g e n Co-Arbitrage bekleidet wird, trägt so offenbar die Farbe Französischer Anmaßung, daß Sie ja keinen Augenblick darüber in Zweifel seyn konnten, wie es bey Uns beurteilt werden würde. Nicht bloß die gewaltthätige Ausführung, auch das P r i n z i p der Expedition nach Ancona konnten wir nicht gut heißen, ohne zuzugeben, daß, sobald wir i r g e n d w o, in Kraft eines - höchst merkwürdiger Weise n u n auch von F r a n z ö s i s c h e n Publizisten förmlich anerkannten <uns zustehenden> I n t e r v e n t i o n s - R e c h t e s - handeln zu dürfen glauben, Frankreich ebenfalls, sans rime sans raison, bloß, damit // nicht Oesterreich etwa a l l e i n die Ordnung herstellen mögte, auf den Schauplatz u n s r e r Wirksamkeit, die s e i n i g e deployiren müße - sollte auch dadurch der Zweck verfehlt, ein dem beabsichteten gerade entgegen gesetzter Erfolg herbeygeführt, und nebenher die ärgste politische Complication gestiftet werden. Ich vermuthe mit Recht, daß Sie, indem Sie dies lesen, einen Irrthum, der offenbar auf Ihr Gespräch mit Cubières noch Einfluß gehabt hat, bereits inne geworden sind. Ich hielt es jedoch nicht für überflüßig, Sie darauf aufmerksam zu machen, weil heute so viel daran gelegen ist, daß Sie nicht bloß in der Haupt-Sache, sondern auch in allen Nuancen // der Ansicht und Sprache des Cabinets pünktlich [xxx] treu bleiben, und alles, was man Ihnen ungünstig auslegen könnte, mit Sorgfalt vermeiden. Wir erwarten in zwey oder drey Tagen die ersten Worte aus Paris; hoffentlich werden wir sie noch vor dem Schluß dieses Briefes (der, wie ich höre, erst F r e y t a g abgehen kan) vernehmen. Saint-Aulair soll, wie Maison hier, und, wie wahrscheinlich jeder vernünftige Französische Geschäfts-Mann, über dies Ereigniß in Ancona, in voller Verzweiflung seyn. Wir werden uns vor der Hand in keine große directe Erörterungen mit dem Französischen Cabinet einlaßen. Wir haben das Attentat // für ein E u r o p ä i s c h e s erklärt, und überlaßen es zunächst dem Pabste und dann den andern Höfen die nicht dazu schweigen werden, ihren Unwillen darüber auszusprechen. Wenn der Pabst die Sache so ernsthaft nimmt, wie es nach einigen Berichten aus Rom den Anschein hat, wird Périer einen schweren Stand haben. Seine innern Feinde werden ihm heftig zu Leibe gehen, und - was ich am meisten fürchte - ihm jeden Rückzug abzuschneiden suchen.Neben dieser neuen Italienischen Verwicklung tritt die, immer noch unaufgelösete, Belgische, einigermaßen in den Schatten; und bevor man das Resultat der Sendung des Grafen Orloff kennt, der am 20ten in Haag angekommen war, und z e h n Tage dort verweilen wollte, läßt sich auch kein Fortschritt in dieser Angelegenheit erwarten. // Mittwoch den 7 März Heute haben wir eine Expedition aus Paris vom 27ten erhalten, wo man von den Ereignissen zu Ancona noch nichts wissen konnte. Der ganze Inhalt und Ton dieser Depeschen, und besonders die Gespräche, die Apponyi mit Perier und Sebastiani geführt, beweisen mir aufs augenscheinlichste daß die Unternehmung gegen Ancona, weit entfernt, die Folge eines tief-angelegten, noch auch nur eines gehörig überdachten Planes zu seyn, mit einem u n e r h ö r t e n L e i c h t s i n n beschlossen, und ins Werk gerichtet wurde. Sie hatten schlechterdings keinen andern Grund als "pour pouvoir répondre aux // Orateurs de l'opposition." Daß sie auch diesen Zweck verfehlen wird, versteht sich von selbst. Es scheint, daß Perrier in einer unglücklichen Stunde die Idee in seinem eignen Kopfe erzeugt hat, und daß sie nur von einigen wenigen Vertrauten gebilligt worden ist, während die größten und besten Autoritäten sich dagegen erklärten. Das Journal des debats war, wie sich jetzt ergiebt, k e i n e s w e g e s Triebfeder oder Gewährsmann; die Artikel vom 10 und 25 Februar sind von Saint-Marc Girardin, der seit vielen Jahren einer der vornehmsten Arbeiter von dem Journal ist, der gegenwärtig die historische Lehrkanzel, auf welcher Guizot sich so berühmt gemacht hat, einnimt, und der // ein intimer Freund St. Aulaires, welchen er aber (wie Sebastiani versichert) bey dieser Gelegenheit durchaus mißverstanden, oder sehr schlecht bedient hat. Es ist sogar die Rede davon gewesen, jene Artikel in einem andern Ministeriellen Journal anzugreifen, und man glaubt, Perier werde sich bey der ihm bevorstehenden Haupt-Schlacht in der Deputirten-Kammer gegen dieselben aussprechen. Dies letzte glaube ich aber n i c h t; denn er k a n sich auf keine andre Weise rechtfertigen, als indem er den Grundsatz, "Oesterreich dürfe nicht a l l e i n die Wiederherstellung der Ordnung in den Päbstlichen Staaten bewirken" als den seinigen aufstellt. // Die von Cubieres erlaßne Proclamation enthält zwar nichts anstößiges; daß aber das gewaltsame Verfahren bey der Einnahme von Ancona darin ganz mit Stillschweigen übergangen ist, gefällt mir nicht. Indessen können wir froh seyn, daß Cubières nicht einen Tag später eintraf, weil sonst die von Gallois abgefaßte, wie man versichert, bereits gedruckte, im feindseligsten Sinne gegen Oesterreich, und im Einklang mit den scheußlichsten Maximen der revoluzionären Propaganda geschriebne Proclamation, erschienen wäre. Indessen wird dies, obschon in der Geburt erstickte, Operat Unheil genug stiften; denn es werden Abschriften davon über ganz Europa verbreitet; und die geringste Anklage, die es begründen wird, ist die, daß das Französische // Ministerium mit wirklich strafbarer Nachläßigkeit, die Ausführung einer an und für sich so gewagten Maßregel, Leuten wie Gallois und Combé überlaßen konnte. Wenn es sich bestätiget, daß die Päbstlichen Truppen sich aus den Legationen entfernt, und Umbrien besetzt haben, und wenn von der andern Seite, wie ich vernehme, Monate verfließen müßen, ehe Schweitzerische an Ort und Stelle seyn können, so ist wohl an Abkürzung des Aufenthalts der unsrigen sobald nicht zu denken. Und da die Protestationen des Pabstes wie Krieges-Manifeste lauten, so sehe ich auch nicht ab, wie, wenn Frankreich ihm nicht irgend eine feyerliche Satisfaction giebt (wozu es sich doch schwerlich entschließen wird) // der Französische Botschafter in Rom künftig auch nur an den Unterhandlungen über das Schicksal der Legationen Theil nehmen kan. Ueber alle diese Verwicklungen werden S i e hoffentlich die besten Aufschlüsse geben. Den 8ten März Wir werden vermuthlich zwischen Heute und morgen die ersten Nachrichten von dem Effekt, den das Attentat von Ancona (diesen Nahmen trägt es nun auf immer) in Paris gemacht haben wird, erhalten. Ich aber will diesen Brief heute schließen, damit derselbe, wenn sich auch keine außerordentliche Gelegenheit ergiebt, doch morgen, mit dem gewöhnliche Courier nach Rom gehen kan. // Wenn ich hierin Unrecht thue, wenn überhaupt dieser Brief sehr spät in Ihre Hände gelangt, so ist es allein Ihre Schuld, Mein Wehrter Freund; denn seit dem 25ten haben Sie weder mir, noch Irenen irgend eine Instruction gegeben; und wir müßen es dem bloßen Zufall überlaßen, ob und wann unsre Briefe Sie erreichen. Ich übersende Ihnen mit gegenwärtigen, 1, ein Schreiben von Irene 2, ein an Sie gerichtetes Schreiben aus Constantinopel 3, einen kurzen Bericht aus Alexandria 4, eine veraltete Communication zu welcher der Fürst, die Veranlaßung gab. Die Fürstin ist am 27ten Februar sehr glücklich von einer Tochter entbunden worden. Ich // habe sie seitdem noch nicht gesehen höre aber, daß sie sich besonders wohl befindet.Fanny läßt Sie recht herzlich grüßen. Ich bin zu meiner alten Lebensweise zurückgekehrt, und bringe jeden Abend ein Paar Stunden, die einzigen erträglichen - weil ich nicht sagen darf, glücklichen - deren ich jetzt noch habhaft werden kan, bey ihr zu. Ich kan sie nicht genugsam rühmen, Sie behandelt mich mit einer Zartheit und Geduld, die meine üble Laune oft, wenn auch nur vorübergehend, beschwichtigen. Ich befinde mich auch körperlich unwohl, und Türkheim den ich heute consultirte, hat mir // dringend angerathen, zu meinem alten Mittel, den Schröpf-Köpfen, Zuflucht zu nehmen, welches denn auch morgen geschehen soll. Freytag den 9 März. Da mein Brief doch heute erst abgehen soll, so kan ich nicht umhin, noch einige Worte beyzufügen. Aus Paris haben wir noch keine neuern Nachrichten als die oben erwähnten vom 27ten. Aber von allen Seiten vernehmen wir, daß die Ereignisse von Ancona eine ungeheure Sensation erregen, der, welche die gröbsten Attentate Bonapartes zu ihrer Zeit [xxx] bewirkten nicht unähnlich. Ich kan und mag // Ihnen nicht alles sagen, was mir auf dem Herzen liegt; aber so viel ist gewiß, daß sich seit 8 Tagen in meinen Ansichten, Gefühlen, Hoffnungen, Besorgnissen, und Ahndungen eine gewaltige Veränderung zugetragen hat, und daß mir die Zukunft ungleich trüber erscheint, als zur Zeit Ihrer Abreise von Wien. Ich gebe zu, daß meine persönliche Mißstimmung ihren Theil an dieser Veränderung hat, kan aber durchaus nicht verkennen, daß die Physiognomie der öffentlichen Angelegenheiten ungleich kritischer und drohender geworden ist. Gott erhalte Sie gesund und bey gutem Muthe ! Durata, et rebus vosmet serrata secundis, wie fern, wie unermeßlich fern diese auch seyn mögen ! Stets der Ihrige G. * NB. Dies wird weiter unten stark in Zweifel gezogen. H: HHStA, Wien. Nachlaß Prokesch-Osten, Karton 27, , Bl. 174-186v.x Bl., F: ; 26 eighd. beschr. Seiten. Adresse, Seite x: Herrn Obrist-Lieutenant / von Prokesch. D: Prokesch-Osten: Briefwechsel mit Gentz und Metternich, II, 71-78 (tlw.).