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Gentz ; Stürmer, Ignaz Lorenz Freiherr von
An Ignaz Lorenz Freiherr von Stürmer, Wien, 18. Mai 1822, Schlossarchiv Hainfeld, Feldbach (Steiermark). Archiv Hammer-Purgstall, Inv.-Nr. 312 1822

Gentz digital

Transkriptionsentwurf Günter Herterich

id1587
Briefaussteller
Mashup mit Wikipedia  
Gentz
Briefempfänger
Stürmer, Ignaz Lorenz Freiherr von
AusstellungsortWien
Datum18. Mai 1822
Handschriftl. ÜberlieferungSchlossarchiv Hainfeld, Feldbach (Steiermark). Archiv Hammer-Purgstall, Inv.-Nr. 312
Format/Umfang2 Bl., F: 229mm x 189mm; 4 eighd. beschr. Seiten
IncipitDa die Kritik des Herrn
BrieftypBriefe von Gentz
Digitalisat: TextAn Ignaz Lorenz Freiherr von Stürmer Wien, 18. Mai 1822 Da die Kritik des Herrn p von Hammer weder Sie, noch Herrn p von Brenner trift, indem die Türkische Artikel im Beobachter von mir - und wie Sie wohl wißen, mit großer Sorgfalt und Umsicht - redigirt werden, so bin i c h verpflichtet, jene Kritik zu beantworten. Ich bitte Sie daher, Herrn von Hammer zu versichern, daß ich keinesweges in der Geschichte des Türkischen Reiches so unwissend bin, um zu glauben, es habe in früherer Zeit nicht Türkische Dragomans gegeben. Diese diplomatische Thatsache war mir vollkommen bekannt. Da aber nach der Ball<angeln> des Herrn von Hammer seit 160 Jahren - nach m e i n e r Rechnung [seit ein] (wie ich Ihnen gleich zeigen werde) seit m e h r a l s 2 0 0 J a h r e n - Griechen <wenigstens Fremde, N i c h t - T ü r k e n,> im Besitz des Dragoman-Amtes waren, so durfte ich mir wohl erlauben, die Ernenung eines Muselmans zu diesem Posten als eine auffallende Neuerung (a g r e a t n o v e l t y in Turkish Administration sagt Lord Strangford in // seinen Depeschen) darzustellen; und höchstens könnte man mir, wenn es hier auf Schikaniren ankäme, zum Vorwurf machen, daß ich das Wort: "a l s e t w a s b i s h e r n i e G e s c h e h n e s" wählte, welches indessen jeder billige und u n t e r r i c h t e t e Leser so nehmen wird, wie es gemeynt war. Wenn man nun aber einmal in einer solchen Sache mit ä u ß e r s t e r S t r e n g e verfahren will, so muß man wenigstens selbst s e h r genaue, und s e h r correkte [xxx] Data zum Grunde legen. Dies ist nicht der Fall in der Kritik des Herrn von Hammer. Er sagt "die Pforte hätte von der Mitte des 15ten Jahrhunderts bis in die Mitte des 17ten, also durch 200 Jahre, Muselmänner - meist Renegaten - zu Dollmetscher gebraucht, und nur erst seit dem Jahr 1660 sey die Stelle in die Hände der Griechen gefallen" - Ich aber sage: Die alte Verfassung hat höchstens von der Eroberung von Constantinopel b i s a u f d e n A n f a n g des 17ten Jahrhunderts, mithin höchstens 125 Jahre // gedauert; dagegen sind s e i t 2 2 0 J a h r e n Griechen <oder, um recht sicher zu sprechen N i c h t - M u s e l m ä n n e r,> zu diesem Posten <gelangt>, und seit 170 Jahren ist er k e i n e m Muselmann mehr zu Theil worden. Ich wußte, da mir die Missionen von B u s b e k und U n g n a d nicht ganz fremd waren, allerdings, daß zu ihrer Zeit Türken als Dragomans functionirten doch wußte ich auch, daß gleich in den ersten Jahren des 17ten Jahrhunderts, Graciani, der nachher eine so große Rolle gespielt hat, durch eine lange Reihe von Jahren dieses Geschäft verwaltete. Es ist m ö g l i c h - obgleich m i r nicht einmal erwiesen - daß zwischen Graciani und Panajotti wieder irgend ein Muselmann dazu gelangte; sehr g e w i ß aber ist, daß s e i t Panajotti (der übrigens schon v o r 1660 Dragoman gewesen zu seyn scheint) k e i n Musulmann mehr die Stelle bekleidete, und daß später durch Maurocordato's großen Einfluß, es gewissermaßen zur Staats-Maxime ward, sie nur Griechen zu verleihen. Sollten Ihnen noch irgend ein Zweifel an der Richtigkeit meiner Angaben // bleiben, so lesen Sie nach, was ein großer Kenner der Osmanischen Verfassung in seinem neusten Werke: C o n s t a n t i n o p e l u n d d e r B o s p o r u s im zweyten Bande, von Seite 165-172 darüber sagt. Hier werden Sie unter andern folgende Worte finden: "Gratiani's, Panajoti's und Maurocordato's politische Laufbahn f ü l l t d a s g a n z e s i e b z e h n t e J a h r h u n d e r t a u s, und nachdem der Gratzer als Pfortendollmetsch, Bevollmächtigter, Groß-Botschafter, und Fürst der Moldau" (o d e r der Wallachey ? wie <es> kurz zuvor zweymal heißt ?)" mit so glücklichem Beyspiel vorausgegangen war, treten die Griechen in seine Fußstapfen, und ließen s o f o r t das Amt des Pforten-Dragomans, so wie die Fürstenstelle der Moldau und Wallachey n i c h t m e h r a u s i h r e n H ä n d e n." Rebus sic stantibus verdient es wohl keinen großen Tadel, von der Ernenung eines Türken (ebenfalls Renegaten) zum Pforten-Dollmetsch als von einer sehr auffallenden N e u e r u n g zu sprechen. Damit aber der unschuldige Ausdruck, als sey dergleichen "b i s h e r n i c h t g e s c h e h e n" Niemanden Anstoß gebe, behalte ich mir vor, in einem Nachtrage zu unserm letzten Artikel noch eine kleine Bemerkung darüber anzubringen. den 18ten Mai 1822. Gentz H: Schloßarchiv Hainfeld, Feldbach (Steiermark). Archiv Hammer-Purgstall, Inv.-Nr. 312. 2 Bl., F: 229mm x 189mm; 4 eighd. beschr. Seiten. D: bisher ungedruckt.